Stadtparks sind leicht zu schätzen, aber schwer zu vermessen. Wir spüren ihren kühlen Schatten und die ruhigere Luft, doch Planenden fehlen oft belastbare Zahlen als Grundlage für ihre Entwürfe.
Eine neue Studie der Universität Surrey beginnt, diese Lücke zu schliessen. Forschende legten im Sommer eine stark frequentierte Strecke durch einen englischen Park und die angrenzenden Strassen zurück und erfassten Hitze, Luftverschmutzung und Lärm Meter für Meter.
Das Team verfolgte dabei ein klares Ziel: Es wollte herausfinden, wie weit die Vorteile eines Parks reichen und wie rasch sie nachlassen, sobald man sich von den Grünflächen entfernt.
Auswirkungen von Parks
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand Stoke Park, die grösste Grünanlage im Zentrum von Guildford in Surrey. Das Gelände umfasst rund 50 Hektar (124 Acres) mit Wiesen, Gärten und alten Bäumen und ist von gewöhnlichen Wohnstrassen umgeben.
Statt fest installierter Messstationen trug ein Forschender einen Rucksack mit Messgeräten entlang einer festgelegten Route.
Der Weg führte vom Parkzentrum in das dicht bebaute Umfeld und wurde im Spätsommer morgens, nachmittags und abends wiederholt begangen.
Stoke Park blieb kühler
Im Park war es verlässlich kühler als auf den umliegenden Strassen. Morgens und nachmittags lag die Lufttemperatur im Park etwa 1,3 °C niedriger; am Abend verringerte sich der Unterschied auf ungefähr 1 °C.
Statistische Modelle bestätigten, dass dieser Abstand über den gesamten Tag bestehen blieb: Insgesamt war der Park rund 1,89 °C kühler. Die deutlichste Abkühlung zeigte sich am Nachmittag, wenn die Hitzebelastung ihren Höhepunkt erreicht.
Die Abkühlung reicht in benachbarte Strassen
Der Kühleffekt endete nicht an der Parkgrenze. Mit je 100 Metern Entfernung in die bebauten Strassen stiegen die Temperaturen um mehr als 0,5 °C; dieser Trend war bis zu 300 Meter vom Rand entfernt erkennbar.
Innerhalb des Parks verlief die Entwicklung umgekehrt: Je 100 Meter in Richtung Zentrum kühlte die Luft um etwa 0,2 °C ab.
Soheila Khalili ist Postgraduiertenforscherin am Globalen Zentrum für Forschung zu sauberer Luft (GCARE) der Universität Surrey.
„Dies ist ein Beleg dafür, dass die Vorteile von Parks weit über ihre Grenzen hinausreichen. Besonders schattige Bereiche mit Bäumen verbesserten den thermischen Komfort während der heisseren Tageszeiten“, sagte Khalili.
Sauberere Luft mit Einschränkungen
Bei der Luftqualität ergab sich ein weniger eindeutiges Bild als bei der Temperatur. Die Belastung durch Feinstaub war im Park im Allgemeinen geringer, wobei der Unterschied am Morgen am klarsten ausfiel.
PM10, also grobe Schwebeteilchen mit einem Durchmesser von höchstens 10 Mikrometern, lag in den Morgenstunden im Park etwa 11,6 % niedriger. Bei PM2.5 und PM1 betrugen die Unterschiede rund 10,9 % beziehungsweise 4,2 %.
Auch die Kohlendioxidwerte waren im Park durchgehend niedriger: morgens und nachmittags um 2,3 % bis 3,3 %.
Die Modelle bewerteten die Unterschiede bei Temperatur und CO2 als belastbar, während die Abweichungen bei den Partikelwerten keine statistische Signifikanz erreichten.
Die Schadstoffbelastung verändert sich im Tagesverlauf
Das Bild bei den Partikeln wechselte je nach Uhrzeit. Der Kontrast war am Morgen am stärksten, weil sich die Emissionen des Verkehrs nahe den Strassen noch nicht verteilt hatten.
Bis zum Abend entstand ein klareres Gefälle. Vom Parkrand in Richtung Strassen nahm PM10 je 100 Meter um etwa 1,63 µg/m³ zu, während PM2.5 und PM1 langsamer anstiegen.
Die dichte Vegetation schien als Filter zu wirken, sobald die Abendluft ruhiger wurde. Tagsüber überlagerten grossräumigere Wetterbedingungen dagegen jeden lokalen Reinigungseffekt.
Bäume kühlen besser als Gras
Nicht jede Grünfläche wirkt auf dieselbe Weise. Die Studie platzierte stationäre Sensoren an drei Standorten: in tiefem Baumschatten, auf offenem Grasland und in einer bebauten Strasse.
Der thermische Komfort wurde als Physiologisch Äquivalente Temperatur (PET) erfasst und beschreibt, wie heiss sich die Bedingungen tatsächlich anfühlen. Am Nachmittag senkte Baumschatten die PET gegenüber der Strasse um 8,5 °C, während Grasland eine Verringerung von 4,5 °C erreichte.
Zu jeder Tageszeit waren Bäume dem Gras überlegen. Auf einem zweiten Komfortindex betrug ihr Vorsprung gegenüber der offenen Rasenfläche am Nachmittag etwa 2,9 °C, weil ein dichtes Blätterdach direkte Sonneneinstrahlung abschirmt, die auf einer freien Fläche ungehindert einfällt.
Über den gesamten Tag hinweg reduzierten baumbeschattete Bereiche die PET um bis zu 28,8 %. Auch Grasland half, allerdings in geringerem Umfang.
Parks verringern Verkehrslärm
Im Park sank der Geräuschpegel deutlich. Die bebauten Strassen blieben am lautesten, insbesondere am Abend, als der Unterschied am grössten war.
Der abendliche Lärmpegel lag im bebauten Gebiet durchschnittlich bei 69,5 dB, gegenüber 45,6 dB im Park – ein Unterschied, den die meisten Menschen als spürbare Ruhe wahrnehmen würden.
Mit jeweils 100 Metern in den Park hinein sanken die Werte um etwa 5,41 dB. Das war stärker als der Rückgang von 3,4 dB, der entlang der Strassen gemessen wurde.
Die Vorteile treten nicht immer gemeinsam auf
Hinter den zentralen Ergebnissen verbarg sich eine Überraschung: Die Vorteile des Parks erschienen nicht als einheitliches Paket.
Abkühlung, höhere Feuchtigkeit und niedrigere Kohlendioxidwerte traten häufig gemeinsam auf. Die Partikelbelastung verlief jedoch oft entgegengesetzt zum Kühlungstrend und nahm zu manchen Zeiten ab, zu anderen dagegen zu.
Kurz gesagt: Ein kühler Ort war nicht immer auch ein sauberer Ort. Die Zusammensetzung änderte sich mit der Tageszeit und der Partikelgrösse.
Was dies für die Planung bedeutet
Der eigentliche Nutzen liegt in den Angaben pro Meter. Planende können sich nun an einer groben Regel orientieren: Mit je 100 Metern Entfernung von einem Park erwärmt sich die Luft um etwa 0,5 °C.
„Unsere Arbeit zeigt, dass Parks sowohl innerhalb ihrer Grenzen als auch in den umliegenden Quartieren messbare Verringerungen von Hitze, Verschmutzung und Lärm bewirken können“, sagte Professor Prashant Kumar, Gründungsdirektor von GCARE und korrespondierender Autor der Studie.
„Dies liefert Planenden und politischen Entscheidungsträgern stärkere Belege, die gesündere und klimaresistentere Gemeinden und Städte gestalten wollen.“
Die Autorinnen und Autoren schlagen praktische Massnahmen vor, etwa Parkwege durch schattige Korridore zu führen und Rundwege anzulegen, damit Menschen länger in den kühlsten Bereichen bleiben. Längere Wege können die komfortable Aufenthaltszeit verlängern, ohne auch nur einen zusätzlichen Hektar Fläche zu benötigen.
„Städte müssen sich zunehmend anpassen, da sich das Klima weiter erwärmt. Genau zu verstehen, wie Parks die Umweltbedingungen verbessern, kann daher eine wirksamere Stadtgestaltung lenken“, sagte Khalili.
Mit zunehmend heisseren Sommern wirken Parks weniger wie eine Annehmlichkeit und mehr wie funktionierende Infrastruktur. Diese Studie liefert Planenden die Zahlen, um sie auch so zu behandeln.
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