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Stadt Braga verklagt Konsortium wegen 23 Stadion-Verankerungen

Techniker mit Schutzhelm und Hammer inspiziert Rost an Geländer im leeren Stadion mit Tablet und Klemmbrett.

Die Stadt Braga hat beim Verwaltungsgericht Porto Klage gegen sieben Unternehmen des Konsortiums eingereicht, das das Stadion der Stadt für die Euro 2004 errichtete. Sie fordert, dass diese die Kosten für die Instandsetzung der 23 Verankerungen übernehmen, welche die Westtribüne und das Dach tragen. Die Stadtverwaltung nennt keinen Betrag; eine Branchenquelle erklärte jedoch gegenüber JN, die Arbeiten könnten rund 20 Millionen Euro kosten.

„Das ergibt keinen Sinn, es kommt zu spät“, entgegnete eine Quelle des inzwischen aufgelösten Konsortiums von Soares da Costa und Partnern, das unter der Bezeichnung ASSOC firmierte. Nach deren Darstellung hatte die Stadt Braga, damals noch unter dem Vorsitz von Ricardo Rio, eine Ausschreibung über 300.000 Euro für die Reparatur der Verankerungen durchgeführt. Den Auftrag habe der Baukonzern DST ausgeführt, weitere Schäden seien danach nicht gemeldet worden.

Die Verwaltungsklage der von João Rodrigues (PSD) geführten Stadt richtet sich gegen Casais Engenharia & Construção, Elevolution - Engenharia, Rodrigues & Névoa 2, Domingos da Silva Teixeira (DST), Alexandre Barbosa Borges (ABB), J. Gomes - Sociedade de Construções do Cávado (insolvent) sowie Sociedade de Construções da África Austral (ehemals Soares da Costa).

„Aufeinanderfolgende Brüche“

Die Stadt Braga verlangt von den Unternehmen, dass sie „die Verankerungen ersetzen oder die Kosten für die Wiederherstellung der baulichen Sicherheit tragen, einschließlich erforderlicher Inspektionen, Überwachung, Bewachung und technischer Maßnahmen“. Bei den Verankerungen handelt es sich um eine Art riesiger, im Fels befestigter Schrauben, an denen die Tragseile der Konstruktion hängen, zu der die Dachauskragungen und Tribünen gehören.

Betroffen sind die an der Westtribüne eingebauten Verankerungen, die die Stabilität der Konstruktion sicherstellen sollen und deren vertraglich festgelegte Nutzungsdauer bei hundert Jahren liegt. „Die technischen Berichte haben aufeinanderfolgende Brüche, Nachgeben und Degradationserscheinungen festgestellt, die wesentliche Elemente des Stadionbetriebs beeinträchtigen“, heißt es in der vom Anwalt Nuno Albuquerque unterzeichneten und auf einem Gutachten des Nationalen Laboratoriums für Bauingenieurwesen (LNEC) beruhenden Klage.

Die Erkenntnisse des LNEC „schließen Mängel am verwendeten Stahl chinesischer Herkunft aus und verweisen stattdessen auf Defizite beim Korrosionsschutzsystem in Bereichen der Verbindung und Kopplung der Stäbe“.

23 Jahre sind keine Entschuldigung

Die Klage betont, dass sich die Mängel in nicht einsehbaren Bereichen entwickelt hätten und erst durch Überwachung, Inspektionen sowie Laboranalysen erkennbar geworden seien.

Ein zentraler Punkt des Verfahrens betrifft den Umstand, dass das 2003 fertiggestellte Bauwerk endgültig abgenommen wurde.

Nach Auffassung der Stadt Braga „kann dies nicht zu einem automatischen Haftungsausschluss führen, wenn es um Mängel geht, die nur mithilfe spezieller technischer Kenntnisse feststellbar sind“.

Prüferin warnte vor Korrosion an den Konstruktionen

Im Jahr 2015, zwei Jahre nach seinem Amtsantritt, wurde der frühere Bürgermeister Ricardo Rio (PSD) mit einem Bericht von AfaConsulting konfrontiert. Das Unternehmen war von der vorherigen sozialistischen Stadtregierung unter Mesquita Machado (PS) mit der Überwachung des gesamten Stadions beauftragt worden und berichtete von 23 aufgrund von Korrosion „beschädigten“ Verankerungen. Zugleich warnte es, dass sich weitere Verankerungen verschlechtern würden. Der Bericht sprach sogar von „Gefahr“ und davon, dass es eines Tages möglicherweise erforderlich sein könnte, „das Stadion zu evakuieren“. Die Regierung von Ricardo Rio ließ die Verankerungen für 300.000 Euro reparieren und erklärte wiederholt, die Lage sei unter Kontrolle und für die Fans bestehe keine Gefahr. Sporting Clube de Braga bekundete seinerseits Interesse am Kauf des Stadions, erzielte aber keine Einigung mit der Stadt, die 20 Millionen Euro in Raten verlangte. Beide Seiten erklären, dass die Gespräche weiterlaufen.

Kosten

190 Millionen Euro
Das Projekt war ursprünglich mit Kosten von 79 Millionen Euro veranschlagt. Tatsächlich sollen jedoch 190 Millionen ausgegeben worden sein. Die PS widerspricht dieser Darstellung: Es seien lediglich 150 Millionen gewesen.

Stadt zahlte 15 Millionen zusätzlich
Nach Abschluss der Bauarbeiten forderte das Baukonsortium vor Gericht weitere 11 Millionen Euro. Die Stadt Braga zahlte diesen Betrag und steuerte außerdem vier Millionen Euro für das Konsortium des Architekten Souto Moura bei.

SC Braga wollte das 1. Mai-Stadion
Sporting Clube de Braga wollte das Estádio 1.° de Maio mit einem Projekt der „dritten Generation“ und einem Nutzungsrecht für 80 Jahre neu errichten. Die Stadt lehnte dies ab.

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