In den Straßen rund um Santa Catarina stehen zahlreiche Geschäfte leer. Der Druck auf dem Immobilienmarkt hat einige Händler dazu gezwungen, ihre Betriebe in andere Räume zu verlegen.
Auf wenigen Metern folgen sie dicht aufeinander oder tauchen nach zwei, drei Eingängen wieder auf – ein trostloses Bild des Verfalls: Geschäfte mit von Farbe und Papier verdeckten Scheiben, andere mit vernagelten Schaufenstern und Türen oder sogar mit Ziegeln und Zement zugemauert. Hinzu kommen durch Bauarbeiten aufgerissene Ladenflächen – manche Baustellen laufen, andere ruhen seit Monaten. In den Straßen, die sich um Santa Catarina, Portos wichtigste Einkaufsstraße, ziehen, nimmt die Zahl geschlossener Lokale zu.
„Es besteht mehr Interesse daran, Hotels zu bauen sowie Gebäude abzureißen und umzubauen, als den Handel zu erhalten“, kritisiert Sónia Alves von der Schuhhandlung CartBel im unteren Abschnitt der Rua de 31 de Janeiro nahe dem Bahnhof São Bento. Ihr Geschäft zählt zu den Leidtragenden der negativen Folgen der Metroarbeiten für diese Straße, die einst zu den lebendigsten der Baixa gehörte und nun „vollständig verlassen“ sei.
Es ist ein Widerspruch: Diese Straßen kreuzen sich mit dem Zentrum des Portuenser Handels, liegen aber fern vom Menschenstrom, der die Läden in Santa Catarina betritt und verlässt. Das zeigt sich an der beinahe menschenleeren Rua de 31 de Janeiro, in der mehr als 25 Geschäfte geschlossen sind – die Läden in Gebäuden, die für ein weiteres Hotel umgebaut werden, nicht mitgerechnet. Der Ruf als eine der pulsierendsten Straßen der Baixa ist aus dem Gedächtnis der Stadt fast verschwunden; stattdessen steht sie zunehmend für Verfall.
„In den 1980er-Jahren war hier die Welt los“
Auch in der Rua Formosa, zwischen Largo do Padrão und Rua de Santa Catarina, stehen ähnlich viele Flächen leer. Allein bis zur Kreuzung mit der Rua da Alegria, wo auch das alte Café Dragão verschwunden ist, sind es mehr als 10. In Passos Manuel sorgt die lang andauernde Schließung mehrerer Geschäfte dafür, dass der von Santa Catarina Richtung Sá da Bandeira abfallende Abschnitt fast keinen Handel mehr aufweist. Dazu zählen etwa die früher von Fnac am oberen Ende sowie vom Armazém dos Linhos auf der anderen Straßenseite weiter unten genutzten Räume. Diese und weitere Betriebe mussten Ende 2024 ausziehen, weil ihre Mietverträge nicht verlängert wurden. Vor einigen Monaten verschwanden zudem ein Musikinstrumentengeschäft an der Ecke Passos Manuel und Sá da Bandeira sowie ein Juwelier.
„Ich habe erlebt, wie die Straße verfiel. Dabei war hier in den 1980er-Jahren die Welt los. Aber es wird wie in der Rua de 31 de Janeiro. Das ist unser Porto ...“, bedauert Raúl Martins. Seit mehr als 40 Jahren arbeitet er im Stoffgeschäft Benedito Barros, das in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert. 2024 musste das Unternehmen aus Passos Manuel ausziehen, aus dem ersten Stock des riesigen rosafarbenen Gebäudes, das leer steht und verfällt und in dem auch das traditionsreiche Armazém dos Linhos ansässig war.
„Inzwischen sind nur noch wir und ein paar Geschäfte bei den [Bus-]Haltestellen hier“, stellt José Reis vom Geschäft Porto de Magia fest. Seit mehr als 30 Jahren verkauft er in der Rua Formosa, nur wenige Schritte von Santa Catarina entfernt, Spieldosen. Für die Menschen, die dort unterwegs sind, sei das Geschäft jedoch bereits „zu weit weg“. Auch die Touristen sichern nicht das Überleben des Hauses, das José’ Vater 1944 unter dem Namen Decorações Reis gründete und das jahrzehntelang Möbel verkaufte.
Zwischen der Hoffnung auf bessere Zeiten und der Entmutigung angesichts der geschlossenen Nachbarläden kämpfen die Händler in den Seitenstraßen von Santa Catarina täglich darum, mehr Kundschaft zu gewinnen.
„Es wird immer schwieriger, eine Ladentür offen zu halten“, sagt Cláudia Ribeiro. Vor zehn Jahren verlegte sie die Livraria Lumiére von der Travessa de Cedofeita in die Rua Formosa, wo sie mit Sorge beobachtet, wie die Geschäfte in ihrer Umgebung schließen. „Das ist nicht gut, denn Geschäfte ziehen sich gegenseitig an, und die Menschen erledigen gern mehrere Dinge auf einmal: Wenn ich zur Buchhandlung gehe, gehe ich anschließend vielleicht noch zum Juwelier oder Lebensmittelhändler. Wenn keine Geschäfte geöffnet sind, kommen die Leute nicht. Damit drängt man sie in die Einkaufszentren“, warnt sie.
Für die kleine Handelszone rund um Santa Catarina, die zu Fuß in wenigen Minuten durchquert ist, hört man diese Erklärung viel zu oft: „Das Geschäft musste schließen, weil der Vermieter das Gebäude verkauft hat.“ Das traf beispielsweise auf die Ourivesaria Económica und einen Schuhmacher in der Rua Formosa zu. Ebenso auf Armazém dos Linhos, Benedito Barros, Butikão und Vício do Café in Passos Manuel. Es sind nur einige von vielen Fällen, die sich in der Baixa in einem für jene, die dort täglich arbeiten, kaum noch nachvollziehbaren Tempo häufen.
„Seit wir vor 10 Jahren hierhergekommen sind, haben viele traditionelle Geschäfte geschlossen. So viele, dass man manchmal schon vergisst, was dort früher war“, gesteht Cláudia. Sie zählt die Läden auf, an die sie sich noch erinnert – etwa die beiden verbliebenen Musikinstrumentengeschäfte in der Rua Formosa. Casa Ruvina hatte schon vor langer Zeit geschlossen, nur das Schild an der Wand ist geblieben. Auch die Tipografia Formosa nennt sie.
„Große Gruppen“
„Sehr vieles hat geschlossen. Früher gab es Handelsbetriebe aus völlig anderen Branchen als heute, während wir jetzt viele Barbershops eröffnen sehen und auch Geschäfte von Marokkanern, die kommen und wieder schließen“, beobachtet António Borges. Er eröffnete sein Café in der Rua Formosa, als das Einkaufszentrum Via Catarina um 1995 gebaut wurde. Damals sei die Straße „eine Wüste“ gewesen, erinnert er sich. Später habe sie sich erholt und durch die „Sanierung der Gebäude für Ferienwohnungen, die einige Touristen brachte“, wieder etwas mehr Betrieb bekommen.
„Aber es wurden auch viele Menschen von hier vertrieben“, erinnert der Unternehmer. In der Verdrängung von Anwohnern sieht er die „schlechte Seite“ des Tourismus, weil mit den Bewohnern auch der Handel verschwindet, der auf ihren Alltag ausgerichtet ist – etwa die Schuhmacher, die dort ihr Geschäft machten. „Als ich hierherkam, kannte ich die Menschen. Heute habe ich davon nichts mehr; es ist nur noch ein Kommen und Gehen“, beklagt er sich. Sein Nachbar von Porto de Magia ergänzt: „Wir haben Touristen auf den Terrassen sitzen, die ... Touristen vorbeiziehen sehen.“
„Hier richtet sich alles immer stärker auf den Tourismus aus, und der traditionelle Handel verliert sehr viel. Viele meiner Kunden vermeiden inzwischen die Baixa, auch weil dort viel Gedränge herrscht und es immer weniger Geschäfte gibt, die Menschen hierherlocken. Einige Lokale werden von großen Gruppen übernommen; das ist das Gesetz des Stärkeren“, erklärt Cláudia Ribeiro.
„Es gibt keinen Handel, und was es gibt, ist das, was wir auch in Paris oder Madrid finden“, vergleicht Raúl Martins und bedauert das Verschwinden des traditionellen Handels in der Baixa. „Santa Catarina gibt es, weil dort Zara ist; die einzigen Tüten, die man in schwierigen Zeiten vorbeiziehen sieht, sind von diesem Laden. Ansonsten herrscht viel Gedränge auf der Straße, aber kein Konsum“, ergänzt Sónia Alves. In den zwei Jahren ihrer Arbeit bei CartBel hat sie längst aufgehört zu zählen, wie viele Geschäfte in der Rua de 31 de Janeiro geschlossen haben. „Die ikonischen Häuser von Porto schließen“, beklagt die Ladenbesitzerin, die zugibt, Touristen auf Nachfrage inzwischen nur noch schwer traditionelle Geschäfte empfehlen zu können. In Morgana, einem weiteren Schuhgeschäft, das sich auf dem Weg hinunter nach São Bento noch hält, erinnert Linda Mota daran, dass die Rua de 31 de Janeiro „die zweitbeste Straße von Porto war, mit vielen guten Geschäften“.
„Der größte Teil des traditionellen Handels stirbt. Es tut mir in der Seele weh, weil wir unsere Identität verlieren, und das ist die größte Strafe an all dem“, schließt Francisca Costa. Sie arbeitet seit mehreren Jahren in einem Bekleidungsgeschäft im Viertel Batalha, wo ebenfalls zahlreiche Läden geschlossen sind.
„Wir haben viele Kunden, die sich Sorgen um uns machen und möchten, dass wir geöffnet bleiben und nicht schließen“, sagt José Reis, der sich an diesem Zuspruch festhält. „Wir halten durch, aber das ist auch alles. Denn an dem Tag, an dem ich krank werde, schließt das hier“, sagt Raúl Martins voraus. Unermüdlich wählt er weiterhin die besten Stoffe für die treuen Kunden von Benedito Barros aus.
Ursachen
Stadtverwaltung: Das Phänomen „spiegelt keinen einheitlichen oder strukturellen Trend wider“
Die Stadtverwaltung von Porto erklärt, dass „die Schließung von Handelsflächen auf den genannten Achsen keinen einheitlichen oder strukturellen Trend widerspiegelt“. Sie führt aus: „Die Faktoren unterscheiden sich von Fall zu Fall und umfassen Eigentums- oder Mietübergänge, die Umstrukturierung wirtschaftlicher Tätigkeiten, Stadterneuerungsmaßnahmen und die Anpassung an neue Konsumdynamiken.“ Die Kommune stellt Unterstützungen bereit, darunter „das Programm Porto de Tradição, Initiativen zur Modernisierung des wohnortnahen Handels, Qualifizierungsmaßnahmen für Wirtschaftsakteure und die Plattform ‚Shop in Porto‘“.
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Standortwechsel
Einige Unternehmen verließen ihre angestammten Läden, eröffneten aber an anderer Stelle neu. Dazu gehören Casa dos Carimbos und Vapers, die im selben Gebäude in der Rua Formosa ansässig waren und umziehen mussten. In Santa Catarina wechselte auch das Schuhgeschäft Ecco in ein anderes Ladenlokal.
Santa Catarina
Auch in der Rua de Santa Catarina lassen sich einige geschlossene Geschäfte zählen, darunter die ehemaligen Räume von Pinto's, Tinoco, Haity und Fotografia Alvão sowie zwei Lokale im Abschnitt zwischen Rua Formosa und Passos Manuel.
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