Konflikt im Nahen Osten treibt Preise für Baustoffe
Die Baustoffbranche spürt bereits die Folgen des Konflikts im Nahen Osten. Lieferanten von Produkten – insbesondere von stark erdölabhängigen Erzeugnissen – kündigen schon für diesen Mai Preiserhöhungen an.
José de Matos, Berater des Verbands für Baustoffe (APCMC), erklärt, dass die Lieferanten in den vergangenen Wochen zunächst nur geringfügige Preisangleichungen mitgeteilt hatten. Sie hätten darauf gesetzt, dass sich die Lage an der Straße von Hormus beruhigen würde. Seit Mai werde die „Preisanpassung mit Erhöhungen vorgenommen, die bei einigen Materialien bis zu 5 % erreichen können“, betont er.
Besonders deutlich zeigen sich die höheren Kosten bei Baustoffen, deren Preise stark vom teureren Erdöl abhängen. Dazu zählen Kunststoffe und PVC-Produkte (Polyvinylchlorid) wie Rohre und Leitungen.
Nach Angaben von José de Matos waren diese Produkte die ersten, bei denen sich der Aufwärtsdruck bemerkbar machte. Inzwischen seien auch weitere Materialien wie Glas und Keramik betroffen.
Auch bei anderen Baustoffen sind die Preissteigerungen erkennbar: etwa bei Zement und Ziegeln, deren Herstellung viel Energie benötigt, ebenso wie bei ihrem Transport.
Die Abschwächung der Bautätigkeit bereitet dem Wohnungssegment Sorgen
Preisdruck belastet Bau und Immobilien
Dass der Druck der Lieferanten auf höhere Preise inzwischen Realität ist und sich auf die Bau- und Immobilienwirtschaft auswirkt, bestätigte João Bugalho, Executive Director von Arrow Global. Die Gruppe entwickelt in Portugal mehrere Projekte und Vermögenswerte, darunter Norfin sowie Nexor, eine Partnerschaft mit der Ferreira-Gruppe für bezahlbaren Wohnraum.
Auf der Konferenz „Was wir in Portugal bauen“, die vergangene Woche im Rahmen der Immobilienmesse Portugal – SIL in Lissabon stattfand, warnte João Bugalho, es gebe bereits „einige Signale von Bauunternehmen, dass sie die Preise in den Kostenvoranschlägen für Bauaufträge nicht halten werden“.
Seiner Ansicht nach handelt es sich um einen weiteren Faktor, der den Immobiliensektor erschweren und die endgültigen Baukosten weiter anheben wird.
Ein Vertreter von Ferreira Build Power, der bei der Veranstaltung anwesend war, erklärte, es sei „ein stärkerer Druck der Lieferanten sichtbar, die Preise für Materialien wie Zement, Glas, Keramik und Aluminium zu erhöhen“. Seiner Einschätzung nach bestehe diese Situation seit drei oder vier Wochen.
Energiekosten erhöhen die Preise für Baustoffe
Für Manuel Maria Gonçalves, Executive Director des Portugiesischen Verbands der Immobilienentwickler und -investoren (APPII), liegt die wichtigste Folge der durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelösten Krise in der zunehmenden Unsicherheit. Diese zeige sich insbesondere in der Entwicklung der Energiepreise, der Inflation und der Erwartungen hinsichtlich der Zinssätze.
Er weist daher darauf hin, dass bei Entscheidungen vor allem größere Vorsicht herrsche, was in der aktuellen geopolitischen Lage nachvollziehbar sei. Da es sich um einen Sektor mit mittel- und langfristigem Investitionshorizont handle, „sind die Auswirkungen tendenziell eher schrittweise als unmittelbar“.
Manuel Reis Campos, Präsident der AICCOPN, der Organisation zur Vertretung der Bauwirtschaft, ist der Auffassung, dass die Unternehmen „bereits beginnen, die indirekten Auswirkungen des aktuellen geopolitischen Kontexts zu spüren, vor allem durch die Entwicklung der Energiekosten“.
Er betont, dass die Branche wegen des intensiven Einsatzes schwerer Maschinen und des Materialtransports besonders anfällig für derartige Schocks sei. Zugleich werde die Produktion vieler im Bau verwendeter Materialien energieintensiv betrieben, weshalb steigende Energiekosten tendenziell ebenfalls an deren Preise weitergegeben würden.
Zudem seien „die bestehenden Mechanismen zur Preisanpassung weder ausreichend noch umfassend genug, um Schwankungen dieser Größenordnung aufzufangen“.
Rückgang im Gebäudebau sorgt im Wohnungssegment für Sorge
José de Matos zufolge ist die bereits Ende 2025 sichtbare Abschwächung der Bautätigkeit bei Gebäuden für das Wohnungssegment besorgniserregend. Laut der Konjunkturanalyse der APCMC für die Baubranche im vierten Quartal ist das Wachstum „weitgehend auf die zunehmende Aktivität im Segment der öffentlichen Bauvorhaben zurückzuführen“, während der „Gebäudebau nur um 0,15 % zulegte“.
Dem Dokument zufolge hängt dies einerseits damit zusammen, dass die Genehmigungen für Sanierungsarbeiten „nach den Rückgängen in den beiden vorangegangenen Quartalen einen sehr deutlichen Rückgang verzeichneten“. Andererseits sei auch die genehmigte Baufläche „in diesem Quartal leicht zurückgegangen“.
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