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Build-to-Rent: Ein neues Paradigma für den Wohnungsmarkt in Portugal

Mann auf Baustelle analysiert digitale Baupläne auf Tablet, daneben Helm, Architektenmodell und Zeichnungen auf Tisch.

Der Wohnungsmarkt in Portugal benötigt bekanntlich einen strukturellen Wandel, der über rein kurzfristige Maßnahmen hinausgeht. Im Mittelpunkt muss der Aufbau eines professionalisierten und widerstandsfähigen Mietmarkts stehen. Derzeit fehlen im Land schätzungsweise zwischen 200.000 und 300.000 neue Wohnungen. Gleichzeitig rücken steigende Preise und der erschwerte Zugang zu Bankkrediten den Wohnungskauf für Familien und jüngere Generationen in immer weitere Ferne.

In diesem Umfeld etabliert sich das Modell Build-to-Rent – also Bauen zur Vermietung – als zentraler Baustein eines neuen Immobilienparadigmas. Es bietet eine tragfähige Alternative zur traditionellen Kultur des Wohneigentums.

Build-to-Rent als professionelles Mietmodell

Anders als der herkömmliche, häufig zersplitterte und informelle Mietmarkt beruht Build-to-Rent auf der Errichtung von Gebäuden, die von Beginn an dafür konzipiert werden, von Investoren gehalten und durch professionelle Betreiber verwaltet zu werden. Dieser Ansatz bringt die notwendige Stabilität in den Markt: Bewohner erhalten nicht nur Wohnraum, sondern eine strukturierte Dienstleistung, die oft integrierte Angebote wie Waschräume, Fitnessstudios oder Arbeitsbereiche umfasst.

Für Investoren stellt das Modell eine langfristig stabile Anlage mit planbaren Einnahmeströmen dar. Genau diese Voraussetzung ist entscheidend, um das Kapital anzuziehen, das für einen umfassenden Ausbau des Wohnungsangebots erforderlich ist.

Industrialisierter Bau beschleunigt den Wohnungsbau

Ob Build-to-Rent als Antwort auf die Wohnungskrise wirksam sein kann, hängt jedoch davon ab, Wohnungen mit einer Geschwindigkeit auf den Markt zu bringen, die traditionelle Bauverfahren nicht gewährleisten können. Die industrialisierte Bauweise ist dabei der unverzichtbare technologische Hebel, um Build-to-Rent umzusetzen. Wird ein großer Teil des Bauprozesses in eine kontrollierte Fabrikumgebung verlagert, lassen sich Bauzeiten um 20 % bis 60 % verkürzen sowie Unwägbarkeiten und Abfälle reduzieren.

Diese Planbarkeit bei Kosten und Fertigstellungsterminen ist für die Rentabilität professioneller Mietprojekte ausschlaggebend. Sie ermöglicht es, den Wohnungsbestand im Tempo der wachsenden Nachfrage in urbanen Zentren zu erweitern.

Steuerliche und regulatorische Hürden in Portugal

Die vollständige Einführung dieses neuen Paradigmas in Portugal stößt dennoch auf erhebliche Hindernisse, welche sein Potenzial zur Entschärfung der Krise begrenzen. Als wichtigste Barrieren für private Investitionen in diesem Segment gelten erneut die hohe Steuerlast – insbesondere die Auswirkungen der Mehrwertsteuer auf Neubauten – sowie langwierige Genehmigungsverfahren. Hinzu kommen gesetzliche Instabilität und wiederholte Änderungen des Mietrechts, die ein unsicheres Umfeld schaffen und langfristig orientierte Betreiber abschrecken.

Damit Build-to-Rent den Sektor tatsächlich verändern kann, sind eine steuerliche Harmonisierung und ein regulatorischer Rahmen erforderlich, der die Besonderheiten dieses Modells und des Off-Site-Baus anerkennt. Die Verbindung aus professionellem Mietmanagement und der Effizienz industrialisierter Produktion kann den Zugang zu hochwertigem Wohnraum demokratisieren und inklusive sowie nachhaltige Lösungen schaffen, die den tatsächlichen Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft entsprechen.

Nur mit dieser integrierten Perspektive lässt sich der Kreislauf der Knappheit durchbrechen und sicherstellen, dass Mieten nicht länger eine vorübergehende Lösung bleibt, sondern zu einer würdevollen und sicheren Lebensoption wird.

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