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Der Cullinan-Diamant: Die Geschichte des größten Diamanten

Mann schlägt mit Hammer auf großen funkelnden Diamanten auf einem Holztisch in Werkstatt.

Ein ungewöhnlicher Glanz in einer Felswand veränderte 1905 die Geschichte des Bergbaus. Der Cullinan-Diamant, der aus einer südafrikanischen Mine geborgen wurde, wog erstaunliche 3.106 Karat. Anfangs hielt man ihn sogar für ein gewöhnliches Stück Glas, das im Boden feststeckte.

Der Burenkrieg ebnete den Weg für die Entdeckung

Thomas Cullinan begann seine berufliche Laufbahn als Maurer und entwickelte sich im Bausektor der damaligen Transvaal-Provinz im heutigen Südafrika weiter. In den 1890er-Jahren lenkte ein kleiner Diamantfund auf einem Feld seine Aufmerksamkeit auf einen nahe gelegenen Hügel. Dort vermutete er eine weitaus ergiebigere Quelle für Edelsteine.

Willem Prinsloo, dem das Grundstück gehörte, wollte die Farm nicht verkaufen, weil er Goldvorkommen im Untergrund vermutete. Nach dem Ende des Zweiten Burenkriegs im Jahr 1902 änderten sich die Umstände. Cullinan konnte das Land erwerben und eröffnete die Premier Mine. Nur zwei Jahre nach Beginn des Betriebs gelang ihm ein Fund von historischer Bedeutung.

Wie wurde der größte Diamant gefunden?

Im Januar 1905 führte der Minenleiter Frederick Wells eine Kontrolle durch, als er wenige Meter unter der Oberfläche einen glänzenden Gegenstand entdeckte. Mit einem kleinen Werkzeug löste er den Stein heraus und stellte fest, dass es kein Glas war. Der Kristall war etwa zehn Zentimeter groß und wog rund 621 Gramm.

Die Edelstein erhielt zu Ehren des Minenbesitzers den Namen Cullinan. Mit 3.106 Karat übertraf sein Gewicht den bisherigen Rekordhalter Excelsior um mehr als das Dreifache. Glatte Flächen an Teilen des Steins deuteten darauf hin, dass es sich lediglich um ein Bruchstück eines noch größeren Kristalls handeln könnte, der durch natürliche Kräfte zerbrochen war.

Eine geheime Aktion brachte den Stein nach London

Die Größe und der Wert des Diamanten stellten sofort ein Sicherheitsproblem dar: Wie ließ er sich transportieren, ohne Kriminelle anzulocken? Um potenzielle Diebe zu täuschen, wurde eine Nachbildung unter massivem Schutz auf ein Schiff gebracht. Der echte Cullinan gelangte dagegen unauffällig in einer per Einschreiben versandten Kiste ins Vereinigte Königreich.

Die Vorgehensweise hatte alle Zutaten einer Spionagegeschichte:

  • Detektive bewachten während der Reise öffentlich einen falschen Stein;
  • das echte Paket erhielt eine schlichte, unauffällige Verpackung;
  • die Identität der Fracht blieb während des Transports geheim;
  • der Diamant erreichte London, ohne dass ein Diebstahlversuch unternommen wurde.

Trotz des großen Interesses während seiner Ausstellung fand der Stein etwa zwei Jahre lang keinen Käufer. 1907 kaufte die Kolonialregierung des Transvaal den Cullinan und überreichte ihn König Eduard VII. als Geburtstagsgeschenk sowie als politisches Zeichen der Versöhnung nach dem Krieg.

Sieh dir das vom YouTube-Kanal Nerdologia veröffentlichte Video über den Burenkrieg und dessen Einfluss auf den Ersten Weltkrieg an.

Warum war das Schleifen des Cullinan so riskant?

Der Diamant ging an das auf den Schliff großer Edelsteine spezialisierte Unternehmen von Joseph Asscher in Amsterdam. Vor dem ersten Schlag untersuchten Fachleute wochenlang die natürlichen Linien des Kristalls. Ein Fehler hätte den Stein unregelmäßig zerbrechen und einen Großteil seines historischen sowie finanziellen Werts vernichten können.

Beim ersten Versuch brach die Stahlklinge, während der Diamant unversehrt blieb. Mit einem zweiten Werkzeug konnte er jedoch an der vorgesehenen Stelle geteilt werden. Nach monatelanger Arbeit entstanden aus dem Cullinan neun Hauptsteine und Dutzende kleinere Fragmente, die sämtlich sorgfältig geschliffen wurden, um möglichst viel vom Kristall zu bewahren.

Wo befinden sich die Cullinan-Steine heute?

Die beiden größten Teile wurden zu Symbolen der britischen Monarchie. Cullinan I, bekannt als Großer Stern von Afrika, hat 530,2 Karat und wurde im Zepter des Souveräns eingesetzt. Cullinan II mit 317,4 Karat wurde in die Imperial State Crown eingearbeitet. Weitere Steine wurden Bestandteil königlicher Schmuckstücke.

Mehr als ein Jahrhundert später gilt der Cullinan weiterhin als der größte jemals entdeckte Rohdiamant in Edelsteinqualität. Seine Geschichte verbindet Ehrgeiz, Krieg, Wissenschaft und politische Macht. Wer diesen Weg nachvollzieht, blickt über den Glanz hinaus und erkennt, wie ein aus dem Boden geholter Stein Grenzen überschreiten, Konflikte befeuern und zu einem weltweiten Symbol werden kann.

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