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Kyawthuit: Das seltenste Mineral der Welt

Wissenschaftler analysiert mit Pinzette und Mikroskop einen Bernstein im Labor.

Seinen Titel als seltenstes Mineral trägt es zu Recht: Von ihm ist tatsächlich nur ein einziges Exemplar bekannt, und die Bedingungen seiner Entstehung waren so unwahrscheinlich, dass ein zweiter Fund einem Wunder gleichkäme.

Rubine, rosafarbene Diamanten (oder blaugrüne), Tansanite und Smaragde gelten zumindest in der kollektiven Vorstellung als „seltene“ Steine. Dennoch sind sie in ausreichenden Mengen vorhanden, um den Edelsteinhandel zu versorgen oder wohlhabende Käufer zu erfreuen. Die Seltenheit der begehrtesten Edelsteine ist vor allem wirtschaftlich und marketingbedingt: Bergbaukartelle und große Handelshäuser halten sie gezielt aufrecht oder erzeugen sie sogar künstlich.

Kyawthuit gehört hingegen in eine völlig eigene Kategorie: Es gibt nur ein einziges Exemplar, einen kleinen rötlichen Kristall von 1,61 Karat, der in den Schwemmlandablagerungen der Region Mogok in Myanmar gefunden wurde. Die Internationale Mineralogische Vereinigung erkannte ihn 2015 als eigenständige Mineralart an. In den weltweiten geologischen Datenbanken gleicht er keinem anderen Mineral, und seither wurde er nirgendwo erneut entdeckt. Seine Ausnahmestellung verdankt er vor allem seiner Zusammensetzung, einer chemisch äußerst ungewöhnlichen Kombination von Elementen.

Kyawthuit: Der Außenseiter der Mineralogie

Kyawthuit ist ein Oxid aus Bismut (Bi) und Antimon (Sb), zwei Halbmetallen (oder armen Metallen), deren physikalische Eigenschaften zwischen Metallen und Nichtmetallen liegen. Auch sein atomarer Aufbau ist weltweit einzigartig und unterscheidet sich ausreichend von allen anderen Mineralen, um eine eigene Mineralgruppe zu bilden. In der Mineralogie wird ein Mineral nicht über sein Aussehen bestimmt – das bei Kyawthuit eher unspektakulär ist –, sondern über seine chemische Zusammensetzung und seine Kristallstruktur.

Entstehung des einzigartigen Kyawthuit-Kristalls

Das Exemplar aus Myanmar entstand vermutlich aus einem Pegmatit, also Gestein, das sich in der letzten Phase der langsamen Abkühlung unterirdischen Magmas natürlich bildet. Sinkt dessen Temperatur, kristallisieren zunächst die häufigsten chemischen Elemente und formen gewöhnliche Minerale, die überall in der Erdkruste vorkommen, etwa Eisen, Silizium, Sauerstoff oder Aluminium. Seltenere Elemente widerstehen der Verfestigung länger und reichern sich in Flüssigkeiten an, die mit fortschreitender Erstarrung des Magmas zu regelrechten Konzentraten ungewöhnlicher Elemente werden.

Bismut und Antimon zählen zu diesen Elementen: Zwei Metalle ohne besondere natürliche Affinität zueinander, die in ausreichenden Mengen nebeneinander vorkamen, um zu kristallisieren. Dieses außergewöhnliche Phänomen brachte Kyawthuit hervor.

Mogok, ein außergewöhnliches Mineralgebiet

Dabei zählt Mogok zu den ertragreichsten Bergbaugebieten der Erde: Rubine, Saphire, Spinelle und Peridote treten dort in deutlich größeren Mengen auf als in den meisten anderen Regionen. Diese Häufung erklärt sich durch die Lage des Gebiets direkt über der Kollisionszone der indischen und eurasischen tektonischen Platten. Seit 50 Millionen Jahren prallen diese beiden Kontinentalmassen aufeinander; dadurch werden ihre Gesteine zusammengedrückt und thermischen sowie mechanischen Belastungen ausgesetzt, die stark genug sind, außergewöhnliche Minerale entstehen zu lassen.

Selbst dort trat Kyawthuit nur ein einziges Mal auf. Das zeigt, dass die Voraussetzungen für seine Kristallisation so präzise waren, dass sie sich möglicherweise nur einmal in der geologischen Geschichte der Erde erfüllt haben.

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2010 wurde es von Saphirsuchern entdeckt und wird seither in der Abteilung für Mineralwissenschaften des Natural History Museum in Los Angeles sorgfältig aufbewahrt. Sein Preis ist selbstverständlich unbezahlbar: Selbst wenn der reichste Mensch der Welt es erwerben wollte, könnte er es schlicht nicht. Einen eigentlichen Geldwert besitzt es nicht, denn keine Summe könnte die Unmöglichkeit ausgleichen, ein zweites Exemplar zu finden. Kyawthuit ist für die Mineralogie, was die Mona Lisa für die Kunst ist: ein Unikat jenseits des Handelsmarkts.

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