Sechs Brücken überspannen in Porto den Douro, doch diejenige, die wir Ihnen heute vorstellen, ist vermutlich die bekannteste von allen. Können Sie erraten, um welche es geht?
Bis 2017 besaß sie mit 172 m den größten schmiedeeisernen Bogen der Welt – obwohl sie sich bereits ihrem 150-jährigen Bestehen nähert. Zudem besteht eine Verbindung zum Ingenieur Gustave Eiffel, dem Schöpfer des Eiffelturms in Paris. Entworfen wurde sie allerdings nicht von ihm, anders als die ebenfalls in Porto gelegene Ponte Maria Pia.
Gemeint ist selbstverständlich die Ponte Luiz I (historische Schreibweise), deren erste Einweihung am 31. Oktober 1886 stattfand. Eine zweite Eröffnung folgte ein Jahr später – dazu später mehr.
Verbindung zu Eiffel
Die zwischen 1881 und 1886 errichtete Metallbrücke mit zwei Fahrbahnebenen verbindet Porto mit Vila Nova de Gaia. Ihr Urheber war François Gustave Théophile Seyrig. Sie ersetzte die ältere Ponte Pênsil, die sich zuvor an derselben Stelle befunden hatte.
Ihre Verbindung zu Eiffel beruht gerade auf Théophile Seyrig: Er war einer von dessen Schülern und zugleich Teilhaber in Eiffels Unternehmen. Der erste Entwurf für die Brücke stammte sogar von beiden Ingenieuren, wurde jedoch von Portugal abgelehnt.
Zwar sah dieser Vorschlag bereits den markanten Bogen vor, verfügte aber nur über eine einzige, untere Fahrbahnebene. Portugal verlangte eine Lösung mit zwei Ebenen, um die Kapazität für den Transport von Gütern und Personen zu erhöhen.
Théophile Seyrig entwickelte daraufhin den Entwurf einer oberen Fahrbahnebene, die vom Brückenbogen getragen wird. Dies war zugleich der ursprüngliche Anlass für den Konflikt zwischen ihm und Eiffel, woraufhin Seyrig das Projekt zur belgischen Société Willebroeck brachte.
Es überrascht daher nicht, dass die Brücke anderen Bauwerken des französischen Ingenieurs ähnelt. Genau diese Ähnlichkeiten veranlassen viele Menschen zu der irrtümlichen Annahme, sie sei von Eiffel entworfen worden.
Der endgültige Entwurf der Ponte Luiz I entspricht dem Bauwerk, das heute zu sehen ist: Die Konstruktion ist 395 m lang und 8 m breit. Sie besitzt die geforderten zwei Ebenen, eine obere und eine untere. Insgesamt bringt die Struktur nicht weniger als 3045 Tonnen auf die Waage.
Zwei Einweihungen
Wie eingangs erwähnt, wurde die Ponte Luiz I erstmals am 31. Oktober 1886 eröffnet. Das Datum fiel mit dem Geburtstag von König D. Luís I. zusammen, dem damaligen Herrscher des Landes, nach dem die Brücke benannt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch nur die obere Ebene eingeweiht.
Die Arbeiten an der Brücke wurden erst im darauffolgenden Jahr abgeschlossen. Deshalb fand am 31. Oktober 1887, genau ein Jahr nach der ersten Feier, eine zweite Einweihung für die untere Ebene statt.
Eine weitere Besonderheit der Ponte Luiz I ist, dass für ihre Nutzung einst Maut erhoben wurde. Sie trat einen Tag nach der ersten Eröffnung, am 1. November 1886, in Kraft und betrug fünf Reis pro Person. Fast sechs Jahrzehnte lang blieb diese Gebühr bestehen, ehe sie 1944 abgeschafft wurde.
Wo ist das „Dom“?
An dieser Stelle fragen Sie sich vielleicht, woher das „Dom“ in Ponte Dom Luís I kommt – dem Namen, unter dem diese Brücke in Porto am häufigsten bekannt ist.
Tatsächlich lautete ihr offizieller Name jedoch nie Ponte Dom Luís I, und der Adelstitel „Dom“ war nie Teil ihrer Bezeichnung. Dabei handelt es sich lediglich um einen städtischen Mythos.
Der Legende nach nahm D. Luís I., König von Portugal, nicht an der Eröffnung der nach ihm benannten Brücke teil. Daraus entstand das Gerücht, „Dom“ sei aus Protest aus dem Brückennamen entfernt worden. Historische Dokumente zeigen jedoch, dass dieser Titel nie zur ursprünglichen Benennung gehörte. Ebenso wenig hieß die Ponte Maria Pia jemals Ponte Dona Maria Pia.
Ponte Luiz I heute
Auch heute erfüllt die Ponte Luiz I weiterhin ihren Zweck. Seit 2003 dürfen keine Autos mehr die obere Ebene befahren; seit 2005 wird sie von der Metro do Porto genutzt. Außerdem steht sie Fußgängern offen. Die untere Ebene dient sowohl Fußgängern als auch Kraftfahrzeugen.
Dieses bedeutende Werk der Eisenarchitektur ist seit 1982 als Objekt von öffentlichem Interesse eingestuft und gehört seit 1996 zum UNESCO-Welterbe.
Quelle: Infraestruturas de Portugal und Agenda Cultural Porto
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen