IC31–EX-A1 als Frage territorialer Gerechtigkeit
Über den Bau der Straßenachse IC31–EX-A1 zu sprechen, bedeutet – entgegen einer zentralistischen oder verkürzten Betrachtungsweise – nicht, lediglich über eine Straße oder ein Vorhaben von rein kommunaler Bedeutung zu debattieren. Als Bürgermeister von Castelo Branco verstehe ich diese Infrastruktur als Gebot territorialer Souveränität, als wesentliche Grundlage für den iberischen Zusammenhalt und vor allem als einen tiefgreifenden, längst überfälligen Akt der Gerechtigkeit für das Landesinnere.
Dabei geht es weder um das Einzelanliegen einer Kommune noch um ein Projekt einer bestimmten politischen Richtung. Die 2023 in Cáceres gegründete Europäische Territoriale Allianz Nord-Extremadura und Beira Baixa vereint 40 Organisationen, darunter die Stadtverwaltung von Castelo Branco, und fordert die Umsetzung dieser Verbindung, die ihrem Ursprung nach Ausdruck einer lebendigen Bürgerbewegung ist.
Sie ist ein gemeinsamer Ruf, der Unternehmen, Einwohnerinnen und Einwohner, die Zivilgesellschaft sowie kommunale Mandatsträger für die Aufwertung einer Region zusammenbringt, die sich nicht vergessen lassen will. Nie zuvor waren unsere beiden Regionen – Beira Baixa und die spanische Extremadura – einander so nah, so geschlossen und so entschlossen, mit einer Stimme für ein gemeinsames Ziel einzutreten.
Die Verbindung IC31–EX-A1 braucht eine politische Entscheidung
Als Beleg für diese historische Entschlossenheit wird der Grenzübergang Monfortinho am kommenden 20. Mai zum iberischen Treffpunkt. Dies ist ein unmissverständliches Zeichen der Geschlossenheit für diese Straßenverbindung im Autobahnquerschnitt mit vier Fahrstreifen, welche die beiden Länder miteinander verbindet. Wir begrüßen die Offenheit, die die portugiesische Regierung zeigt, indem sie dieses Vorhaben auf der strategischen Agenda des Landes hält. Dieses Bekenntnis ist entscheidend, weil es die Dringlichkeit bestätigt, auf die wir seit Langem hinweisen.
Gleichzeitig muss klar gesagt werden: Für weiteres Zögern gibt es keinen Raum mehr. Die zahlreichen Studien, die über Jahrzehnte erstellt und überprüft wurden, haben die Machbarkeit, die Notwendigkeit und die positiven Auswirkungen dieser Infrastruktur bereits umfassend nachgewiesen. Nun stehen wir kurz davor, diese Untersuchungen durch eine entschlossene politische Entscheidung endgültig abzuschließen, damit der Baubeginn endlich erfolgen kann. Es ist an der Zeit, nicht länger Offensichtliches zu analysieren, sondern in die technische und finanzielle Umsetzung einzutreten.
Entscheidend ist außerdem, dass es sich um eine Infrastruktur zweier Staaten handelt und das gegenwärtige Ungleichgewicht eklatant ist. Auf spanischer Seite wurde die notwendige Leistung erbracht: Die in Madrid beginnende Autobahn reicht bereits bis auf lediglich 20 Kilometer an die Grenze zur Beira Baixa heran. Dort wartet der Asphalt seit Jahren darauf, dass Portugal über den IC31 die durchgehende Verbindung zur A23 in Castelo Branco sicherstellt. Diese Lücke ist nicht nur ein Defizit im Straßennetz, sondern eine Schranke, die Portugal beseitigen muss, um einen internationalen Hochleistungskorridor zu vollenden.
Fußball-WM 2030 und Chancen für das Landesinnere
Durch die gemeinsame Ausrichtung der Fußball-WM 2030 erhält die Dringlichkeit dieses Projekts zusätzlichen Auftrieb. Dieses globale Ereignis setzt ein modernes Verkehrsnetz zwischen den Hauptstädten Lissabon und Madrid voraus; diese Achse stellt dafür die direkteste und effizienteste Verbindung für Personenströme und Logistik dar. Diese Strecke außer Acht zu lassen, hieße die Gelegenheit zu verspielen, der Welt eine tatsächlich integrierte Iberische Halbinsel zu präsentieren.
Die Durchquerung dieser Gebiete eröffnet neue Zugänge zum Zentrum Europas und macht das Landesinnere zu einer Logistikplattform von weltweiter Bedeutung zwischen den beiden Hauptstädten. Die Verwirklichung dieser Verbindung wird es uns ermöglichen, produktive Investitionen anzuziehen, qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen und die Verkehrssicherheit für alle Menschen zu verbessern, die in der Region unterwegs sind. Das Landesinnere verlangt keine Privilegien, sondern gerechte Voraussetzungen, um konkurrieren, wachsen und seinen Einwohnerinnen und Einwohnern eine Zukunft bieten zu können.
Dieses Bauwerk wird Tourismus, Industrie, Landwirtschaft und Exporte stärken, zugleich aber auch Hochschulbildung und Wissenschaft, indem es die Mobilität von Wissen und Innovation erleichtert. Für unsere Unternehmen bedeutet es Wettbewerbsfähigkeit; für unsere Familien die Hoffnung, dass Wohlstand auch außerhalb der großen urbanen Zentren möglich ist.
Seit mehr als 20 Jahren wird über diese Verbindung gesprochen. Nun muss endlich gehandelt werden – mit einem verbindlichen Zeitplan und einer unerschütterlichen finanziellen Zusage beider Regierungen. Die Achse IC31–EX-A1 ist der Antrieb für den iberischen Zusammenhalt und die Gewähr dafür, dass Beira Baixa und Extremadura endlich mit der Zukunft verbunden werden, die sie verdienen.
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