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F-35: Northrop Grumman liefert den 1.500. Mittelfuselage-Rumpf aus

Ingenieur überprüft mit Tablet und VR-Brille ein futuristisches Flugzeugmodell in einer Werkhalle.

Fernab der Start- und Landebahnen an der Front haben die kalifornischen Werke von Northrop Grumman beim F-35-Programm eine wichtige Fertigungsschwelle erreicht. Der Erfolg unterstreicht, dass Software, Automatisierung und industrielle Prozessdisziplin inzwischen ebenso entscheidend sind wie reine Luftkampfkraft.

Meilenstein für das verborgene Rückgrat der F-35

Northrop Grumman hat den 1.500. Mittelfuselage-Rumpf für die F-35 Lightning II ausgeliefert – ein bedeutender Etappenschritt für die von den USA geführte Familie von Kampfflugzeugen der fünften Generation.

Der Mittelfuselage-Rumpf ist weit mehr als ein Metallbauteil. Er verbindet das vordere Cockpit mit den Tragflächen und dem hinteren Rumpfabschnitt und nimmt zahlreiche besonders empfindliche Systeme des Jets auf. Als tragende Struktur bildet er das Rückgrat, das – je nach Variante – Belastungen durch Manöver mit hohen g-Kräften, Waffenmitführung und Trägerbetrieb bewältigen muss.

„Die 1.500. Auslieferung bestätigt, dass sich die F-35 von einem Versuchsprojekt zu einer langfristigen industriellen Realität mit hohen Stückzahlen entwickelt hat.“

Northrop fertigt diese Rumpfsektionen auf seiner Integrated Assembly Line (IAL) in Palmdale im US-Bundesstaat Kalifornien. Die Anlage arbeitet in einem nahezu ununterbrochenen Takt und stellt mittlerweile durchschnittlich alle 30 Stunden einen fertigen Mittelfuselage-Rumpf fertig.

Die integrierte Montagelinie in Palmdale

Die IAL ist eher nach dem Vorbild eines Automobilwerks als nach dem eines klassischen Luftfahrtbetriebs konzipiert. Bauteile durchlaufen eine Abfolge automatisierter und teilautomatisierter Stationen, in denen Bohren, Befestigen, Prüfen und Systemintegration zu einem durchgängigen Prozess zusammengeführt werden.

Dieses Verfahren hat fortlaufende Verbesserungen ermöglicht. Nach Angaben von Northrop Grumman wurde die Montagezeit für den Mittelfuselage-Rumpf gegenüber früheren Methoden um rund 35 Prozent verkürzt. Dank digitaler Werkzeuge soll sich zudem die Einarbeitungszeit neuer Techniker um etwa 20 Prozent verringert haben.

Wie Augmented und Virtual Reality jeden Jet prägen

Die Beschäftigten an der Linie nutzen Systeme für Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR), um digitale Anweisungen und dreidimensionale Modelle über physische Bauteile zu legen. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von Papierhandbüchern und herkömmlichen Vorrichtungen, während komplexe Arbeitsschritte leichter präzise wiederholt werden können.

„AR-Headsets können einem Techniker genau anzeigen, wo gebohrt, Kabel verlegt oder Befestigungselemente angebracht werden müssen. Das verringert Nacharbeit und beschleunigt die Inspektion.“

Die Linie ist flexibel genug, um alle drei F-35-Varianten an denselben Stationen zu bearbeiten:

  • F-35A: Variante mit konventionellem Start und Landung für Luftstreitkräfte
  • F-35B: Modell mit Kurzstart und Senkrechtlandung für das US Marine Corps und Partnerstaaten
  • F-35C: trägergestützte Variante für Katapultstarts und Fanghakenlandungen auf See

Jede Ausführung stellt etwas andere strukturelle Anforderungen an den Mittelfuselage-Rumpf. Dies gilt besonders für die STOVL-F-35B, die Komponenten des Hubgebläses sowie zusätzliche Strukturverstärkungen aufnimmt.

Von frühen Produktionslosen zur weltweiten Nachfrage

Die Rolle von Northrop Grumman reicht bis zu den frühesten Produktionslosen der F-35 zurück. Aus einem zunächst begrenzten Fertigungsbeitrag wurde mit dem Übergang des Jets in die Serienproduktion und dem Beitritt weiterer Länder ein umfangreicheres Engagement.

Die IAL nahm 2011 den Betrieb auf und wurde gezielt dafür ausgelegt, den Hochlauf von niedrigen Fertigungsraten zu einer stabilen und planbaren Produktion zu unterstützen. Indem mehrere Fertigungsschritte in einer automatisierten Linie gebündelt wurden, konnte das Unternehmen seine Kapazitäten ausweiten, während mehr Luftstreitkräfte Flugzeuge erhalten und Nachrüstungs- sowie Modernisierungsprogramme an Tempo gewinnen.

Der Meilenstein von 1.500 Rumpfsektionen deutet zugleich auf die weitere Entwicklung der F-35 hin. Da mehr als ein Dutzend Nationen beteiligt sind und neue Kunden hinzukommen, dürfte die industrielle Lieferkette des Flugzeugs bis weit in die 2040er-Jahre und darüber hinaus ausgelastet bleiben.

Über die Zelle hinaus: Radar und Waffen für künftige F-35

Northrop Grumman beschränkt sich nicht auf den mittleren Rumpfabschnitt der F-35. Das Unternehmen ist für das Programm auch ein zentraler Lieferant von Elektronik und Waffen und beeinflusst damit, wie künftige Versionen des Jets kämpfen werden.

Ein neues AN/APG-85-Radar für Block-4-Jets

Anfang 2023 gab Northrop Arbeiten am AN/APG-85 bekannt, einem Active Electronically Scanned Array (AESA)-Radar der nächsten Generation für künftige F-35 des Block 4. Es soll das derzeitige AN/APG-81-Radar in späteren Produktionslosen ersetzen oder ergänzen.

Radar Schwerpunkt
AN/APG-81 Derzeitiger F-35-Sensor mit fortschrittlichen Luft-Luft- und Luft-Boden-Modi
AN/APG-85 Geplante Modernisierung mit größerer Reichweite, höherer Auflösung und verbesserten Fähigkeiten zur elektronischen Kampfführung

Das AN/APG-85 soll voraussichtlich ab Produktionslos 17 in Flugzeugen zum Einsatz kommen. Eine größere Entdeckungsreichweite und präzisere Zielunterscheidung dürften sowohl Überlebensfähigkeit als auch Wirksamkeit erhöhen – insbesondere in dicht umkämpften Lufträumen, in denen mehrere Flugzeuge und Bedrohungen gleichzeitig agieren.

Stand-in Attack Weapon: Eine Rakete für gefährlichen Luftraum

Im September 2023 erhielt Northrop Grumman einen Auftrag über 705 Millionen US-Dollar zur Entwicklung der Stand-in Attack Weapon (SiAW) für F-35. Diese Luft-Boden-Rakete soll in den internen Waffenschächten des Jets mitgeführt werden, damit die Tarnkappeneigenschaften beim Angriff auf hochwertige und stark geschützte Ziele erhalten bleiben.

Das SiAW-Konzept zielt darauf ab, integrierte Luftverteidigungssysteme, Führungsstellen und andere kritische Komponenten auszuschalten, die den Schutzschild eines Gegners bilden. Die anfängliche Einsatzfähigkeit ist bis 2026 vorgesehen und soll F-35-Betreibern eine weitere Präzisionsoption zur Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigung verschaffen.

„Eine Stand-in-Waffe ermöglicht es der F-35, näher heranzufliegen als mit herkömmlichen Standoff-Raketen und mit Tarnkappentechnik und Geschwindigkeit Lücken in gestaffelten Luftverteidigungen zu schlagen.“

Was der Meilenstein für Luftstreitkräfte und Steuerzahler bedeutet

Für Luftstreitkräfte weist die Marke von 1.500 Einheiten auf eine steigende Zuverlässigkeit der Lieferkette hin. Gleichbleibende Produktionsraten fördern vorhersehbare Auslieferungspläne, erleichtern die Planung der Pilotenausbildung und stabilisieren langfristige Wartungskapazitäten.

Für Regierungen, die die Kosten tragen, können größere Stückzahlen und eine höhere Effizienz den Druck auf die Stückkosten senken. Jeder prozentuale Fortschritt bei der Montagegeschwindigkeit oder jede Verringerung von Nacharbeit wirkt sich tendenziell auf das gesamte Programm aus und reduziert Ausgaben von Arbeitskosten bis hin zu Werkzeugen.

Gleichzeitig beendet der industrielle Fortschritt nicht die anhaltenden Diskussionen über Betriebskosten, Software-Updates und die Sicherstellung des Betriebs über den gesamten Lebenszyklus. Die F-35 zählt weiterhin zu den komplexesten laufenden Rüstungsprojekten und steht unter intensiver Beobachtung hinsichtlich ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses.

Zentrale Konzepte hinter dem Programm

Was „Block 4“ tatsächlich bedeutet

In vielen Darstellungen der Entwicklung der F-35 ist von „Block 4“ die Rede. Vereinfacht gesagt handelt es sich um ein fortlaufendes Bündel aus Hardware- und Software-Modernisierungen, das die Sensorik, Waffenmitführung und Fähigkeiten zur elektronischen Kampfführung des Jets erweitert.

Blocknummern in Kampfflugzeugprogrammen funktionieren ähnlich wie Generationen von Smartphones. Jeder Block ergänzt Funktionen, behebt Probleme und bereitet die Flugzeugzelle auf künftige Erweiterungen vor. Das neue AN/APG-85-Radar und Waffen wie die SiAW werden mit Blick auf diesen Modernisierungspfad entwickelt.

Warum Tarnkappeneigenschaften präzise Fertigung erfordern

Tarnkappentechnik beruht nicht allein auf Formgebung und speziellen Beschichtungen. Ebenso wichtig sind enge Toleranzen, glatte Übergänge und eine strikte Kontrolle der Spalten zwischen den Verkleidungsteilen. Der Mittelfuselage-Rumpf nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein, weil er mehrere große Abschnitte der Flugzeugzelle verbindet.

AR-gestützte Fertigung und automatisierte Bohreinrichtungen tragen dazu bei, Toleranzen bei Hunderten von Flugzeugen dauerhaft einzuhalten. Fehlstellungen von Bruchteilen eines Millimeters können die Radarreflexion verändern; wiederholbare Präzision ist deshalb Teil der defensiven „Panzerung“ des Jets.

Zukünftige Szenarien durch industriellen Schwung

Bleibt die Produktion annähernd auf dem gegenwärtigen Niveau, werden in den kommenden Jahrzehnten Tausende weitere Mittelfuselage-Rümpfe Palmdale durchlaufen. Dies eröffnet Möglichkeiten für schrittweise Neukonstruktionen, etwa interne Anpassungen, die den Austausch von Verkabelung vereinfachen oder bislang nicht benannte Sensoren und Prozessoren ermöglichen.

Die Kombination aus modernem Radar, Stand-in-Waffen und hochautomatisierten Produktionslinien verweist zudem auf umfassendere Veränderungen. Fähigkeiten im Luftkampf werden immer enger mit Software-Release-Zyklen, digitalen Entwicklungswerkzeugen und Daten aus den Werkshallen verknüpft. In diesem Sinn ist der 1.500. Mittelfuselage-Rumpf nicht nur ein struktureller Meilenstein, sondern ein Hinweis darauf, dass Luftmacht zunehmend ebenso durch industriellen Code und Algorithmen wie durch Turbinenschub geprägt wird.

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