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Griechische Ringe aus Meteoriten-Eisen vor mehr als 3.000 Jahren

Junger Mann untersucht antiken Ring vor Parthenon, mit Skizzenbuch und anderen Objekten auf Steintisch.

Ringe, die vor mehr als 3.000 Jahren in Griechenland und auf Kreta gefertigt wurden, könnten ein im wahrsten Sinne des Wortes ausserirdisches Detail enthalten haben. Bei der Untersuchung von Dutzenden Objekten aus der Bronzezeit wurden in einigen Ringen erhöhte Nickelwerte festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass ein Teil von ihnen vermutlich aus Meteoriten-Eisen bestand – einem seltenen Material, das von den Eliten jener Zeit geschätzt wurde.

Wie entdeckten Forschende Eisen aus dem Weltall?

Die 2026 im Journal of Archaeological Science veröffentlichte Studie Eisen in Griechenland im zweiten Jahrtausend v. Chr. untersuchte 91 antike Eisenobjekte aus 33 archäologischen Fundstätten. Matthieu Gounelle und Eleni Mantzourani setzten dafür tragbare Röntgenfluoreszenz ein – ein Verfahren, mit dem sich Metall analysieren lässt, ohne die Fundstücke zu beschädigen.

Bei den meisten Objekten wurde kein Nickel nachgewiesen, was zu Eisen passt, das aus irdischen Erzen gewonnen wurde. 13 Stücke enthielten jedoch nennenswerte Mengen dieses Elements. Da Meteoriten-Eisen gewöhnlich höhere Nickelkonzentrationen aufweist, fiel diese Zusammensetzung den Forschenden sofort auf.

Weshalb wiesen nur die Ringe hohe Nickelwerte auf?

Bei allen 13 nickelhaltigen Objekten handelte es sich um Ringe oder Ringfragmente. Der Untersuchung zufolge wurde bei neun davon eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für einen meteorischen Ursprung festgestellt; eines erhielt die Einstufung einer ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit. Für die drei übrigen sind weitere Analysen erforderlich, um ihre Herkunft verlässlicher bestimmen zu können.

  • Dreizehn Ringe oder Ringfragmente enthielten erhebliche Mengen Nickel.
  • Zehn wurden als vermutlich aus Eisen meteorischen Ursprungs gefertigt eingestuft.
  • Zahlreiche Stücke verbanden das ungewöhnliche Eisen mit Gold, Silber oder Bronze.
  • Die Objekte kamen in Elitegräbern, Wohnhäusern und sogar in einem Tempel auf Kreta zutage.

Dieser Fundkontext legt nahe, dass das Material nicht beiläufig verwendet wurde. Viele dieser Ringe standen in Verbindung mit wertvollen Beigaben und Orten der minoischen und mykenischen Elite. Mantzourani zufolge weisen die Funde darauf hin, dass Meteoriten-Eisen als kostbares Material galt, das besonderen Schmuckstücken und Menschen mit hohem Status vorbehalten war.

Könnte das Eisen der Ringe aus Ägypten stammen?

Gounelle und Mantzourani ziehen diese Möglichkeit in Betracht, weil Meteoriten in Griechenland und auf Kreta vergleichsweise selten sind, während Wüstenregionen in Ägypten ihre Auffindung erleichtern würden. Die Forschenden verknüpfen die Annahme mit den Handelsnetzwerken der Bronzezeit, die bereits verschiedene Gebiete des Mittelmeerraums miteinander verbanden.

Das bedeutet nicht, dass die Studie eine ägyptische Herkunft der Ringe nachgewiesen hätte. Es handelt sich vielmehr um eine Hypothese, die sich auf die Verfügbarkeit des Materials und die damaligen Handelsbeziehungen stützt. Ägypten liefert jedoch ein bekanntes Beispiel für die anspruchsvolle Verwendung von Meteoriten-Eisen in einem Objekt von aussergewöhnlichem Prestige.

Was hat Tutanchamuns Dolch mit dem Fund zu tun?

2016 untersuchten Forschende den berühmten Eisendolch, der in den Bandagen von Tutanchamuns Mumie gefunden worden war. Ebenfalls mithilfe tragbarer Röntgenfluoreszenz ermittelten sie in der Klinge etwa 10,8 % Nickel und 0,58 % Kobalt – eine Zusammensetzung, die als starkes Indiz für einen meteorischen Ursprung gilt.

Der Dolch verband die ungewöhnliche Klinge mit einem Griff und einer Scheide aus Gold, was die Annahme stützt, dass diese Eisenart einen hohen symbolischen Wert hatte. Der Fund belegt keine direkte Verbindung zu den griechischen Ringen, zeigt jedoch, dass Gesellschaften der Bronzezeit dieses seltene Metall erkennen und für prestigeträchtige Gegenstände reservieren konnten.

Warum verschwanden diese Ringe nach der Bronzezeit?

Die Studie stellte noch einen weiteren bemerkenswerten Befund fest: Nickelreiches Meteoriten-Eisen wurde vor allem in kunstvoll ausgeführten Ringen verwendet, während durch Verhüttung gewonnenes Eisen in weniger anspruchsvollen Gegenständen zum Einsatz kam. Nach dem 12. Jahrhundert v. Chr. fanden die Forschenden in der Region allerdings keine vergleichbaren meteorischen Ringe mehr.

Mantzourani bringt dieses Verschwinden mit der Kollapsphase der späten Bronzezeit und dem Ende der mykenischen Zivilisation im Süden Griechenlands in Zusammenhang. Diese kleinen Ringe zeigen, wie Handel, Macht und Materialien aus dem Weltall in einem einzigen Objekt zusammenkommen konnten. Wer sie heute betrachtet, erkennt, dass selbst ein Metallfragment eine Geschichte bewahren kann, die weit jenseits der Erde begann.

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