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Sanxingdui: 3.000 Jahre altes Meteoriteneisen wirft neues Licht auf China

Archäologe untersucht Ausgrabungsstätte mit antiken Masken und Werkzeugen im Sand.

Ein seltsames Metallstück, das über Jahrtausende im Boden verborgen lag, könnte neue Erkenntnisse über eine der rätselhaftesten Kulturen des alten China liefern.

Bei dem etwa 3.000 Jahre alten Fundstück aus Sanxingdui handelt es sich offenbar um ein axtähnliches Objekt aus Eisen – einem Material, das wahrscheinlich in Form eines Meteoriten aus dem Weltraum auf die Erde gelangte.

Der außergewöhnliche Fund eröffnet sowohl neue Perspektiven auf die Sanxingdui-Kultur als auch auf die Verarbeitung von Eisen zu kostbaren Gegenständen lange bevor sich das Eisenschmelzen verbreitete.

„Als das früheste in Südwestchina entdeckte bronzezeitliche Artefakt aus Meteoriteneisen schließt es eine entscheidende Lücke in den metallurgischen Aufzeichnungen der Region und liefert neue Erkenntnisse über die frühe Nutzung von Eisen auf regionaler wie globaler Ebene“, schreibt ein Team unter Leitung des Archäologen Haichao Li von der Sichuan-Universität in China.

Sanxingdui und seine rituellen Opfergruben

Sanxingdui ist eine bedeutende archäologische Fundstätte im Südwesten Chinas, deren Geschichte von 2800 bis 600 v. Chr. reicht. Ihre Blütezeit erlebte die Kultur während der Shang-Dynastie, ungefähr zwischen 1600 und 1050 v. Chr. Zurück blieben unverwechselbare, unheimlich wirkende Kunstwerke sowie Hinweise auf eine ausgeprägte Bedeutung von Ritualen.

Zu den Hinterlassenschaften der Menschen von Sanxingdui gehören Deposits, die Archäologen als „Opfergruben“ im rituellen Bereich der ummauerten Stadt bezeichnen. Aus diesen acht Gruben bargen Forschende rund 17.000 außergewöhnliche Ritualobjekte, darunter Bronzemasken, Figuren, Elfenbein und Werkzeuge aus Jade.

Wozu diese Gruben genau dienten, ist nicht bekannt. Asche, Holzkohle und Brandspuren an manchen Gegenständen deuten jedoch darauf hin, dass die Orte für rituelle Opfergaben genutzt worden sein könnten.

Unabhängig von ihrer Funktion stellen sie eine unschätzbare Quelle von Artefakten dar, die Aufschluss über die ästhetischen und materiellen Vorstellungen der Menschen von Sanxingdui gibt.

Eine der Opfergruben enthielt allerdings einen Fund, der sich deutlich von allen anderen Objekten des Ensembles unterschied.

„Unter den zahlreichen in Sanxingdui geborgenen Artefakten wurde in Grube Nr. 7 ein ungewöhnliches Eisenartefakt (K7QW-TIE-1) entdeckt“, schreiben die Forschenden.

„Das Artefakt war am Boden des südlichen Abschnitts der Ostwand senkrecht eingebettet. Es ist länglich geformt und ähnelt einem Werkzeug oder einer Waffe in Axtform.“

Meteoriteneisen aus der Shang-Dynastie

Das Objekt ist etwa 20 Zentimeter lang und zwischen 5 und 8 Zentimeter breit. Da es sich in einem schlechten Zustand befand, entnahmen die Forschenden vorsichtig den Wandabschnitt der Grube, in dem es eingebettet war, und brachten den gesamten Block zur Untersuchung ins Labor.

Die Datierung der umliegenden Fundstücke ordnet das Objekt der Shang-Dynastie zu – also einer Zeit, bevor sich das Eisenschmelzen in China ausbreitete. Röntgenfluoreszenzanalysen zeigten jedoch, dass das Objekt zu mindestens 90 Prozent seines Gewichts aus Eisen besteht. Hinzu kommen 7,41 Prozent Nickel sowie weitere Spurenelemente.

Nach Einschätzung der Forschenden wäre eine solche Zusammensetzung mit den Metallbearbeitungstechniken der späten Shang-Zeit nur schwer zu erzielen gewesen.

Während der Bronzezeit war Bronze das bevorzugte Metall für Werkzeuge, Waffen und Schmuck – daher auch der Name dieser Epoche. In China begann sie etwa um 2000 v. Chr. Die langlebige und leicht verfügbare Legierung entstand durch das Schmelzen von Kupfer und dessen Mischung mit Zinn sowie anderen Metallen.

Das Schmelzen von Gusseisen setzte in China erst um 800 v. Chr. verstärkt ein. Zu diesem Zeitpunkt verbreitete sich die Technik, Eisen aus Erz zu gewinnen, nachdem Menschen herausgefunden hatten, wie sich die für diesen Prozess notwendigen extrem hohen Temperaturen erreichen ließen.

Die Verwendung von Eisen in der Bronzezeit ist daher ungewöhnlich, aber nicht beispiellos. An anderen Orten der Welt, einschließlich weiterer Regionen Chinas, scheinen einige seltene und wertvolle Artefakte aus Eisen gefertigt worden zu sein, das nicht aus dem Boden gewonnen wurde, sondern glühend vom Himmel fiel.

Der Fund aus Sanxingdui weist jedoch darauf hin, dass dieses seltene Material dort anders eingesetzt worden sein könnte. Anders als Objekte aus den Zentralebenen Chinas, bei denen Meteoriteneisen häufig mit Bronze kombiniert wurde, scheint das Artefakt aus Sanxingdui vollständig aus Eisen zu bestehen.

Besonderheit der Metallverarbeitung in Sanxingdui

„Das Vorkommen von Meteoriteneisen in Sanxingdui unterstreicht zusätzlich die besondere metallurgische Praxis in Südwestchina, die sich von den zeitgleichen Verfahren in den Zentralebenen unterscheidet“, schreiben die Forschenden.

Zusammen mit dem Fundort in einer Ritualgrube eröffnet der Fund die faszinierende Möglichkeit, dass Meteoriteneisen für die Menschen von Sanxingdui nicht bloß ein gewöhnliches Material war. Es könnte wertvoll genug gewesen sein, um in jene Handlung einbezogen zu werden, bei der Schätze in einer Grube angehäuft und anschließend verbrannt wurden.

„Der fragile Zustand des Artefakts stellt für eine weiterführende Reinigung erhebliche konservatorische Herausforderungen dar“, schreiben die Forschenden.

„Künftige Arbeiten müssen sich auf hochauflösende Charakterisierungen konzentrieren, um die Klassifizierung des Artefakts zu präzisieren und die jeweiligen funktionalen und rituellen Rollen zu klären.“

Die Entdeckung wurde in Archaeological Research in Asia veröffentlicht.

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