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Leo Hartman: Robotersteuer und bedingungsloses Grundeinkommen spalten ein Land

Mann hält Kreditkarte in die Kamera, im Hintergrund diverse Menschen und Roboter in urbaner Umgebung.

Ein Tech-Mogul tritt auf die Bühne, verspricht Schecks für alle und hinterlässt ein Land, das darüber streitet, was „Arbeit“ künftig bedeuten soll.

Der Vorschlag klingt fast nach Science-Fiction: Roboter besteuern, Menschen auszahlen. Politisch wirkt er jedoch sofort vertraut, denn er entfacht alte Debatten über Gerechtigkeit, Leistung und die Frage neu, wer in einer sich wandelnden Wirtschaft was verdient.

Ein Milliardär mit einem radikalen Vorschlag

Im Zentrum der Kontroverse steht Leo Hartman, ein Selfmade-Milliardär, der sein Vermögen mit Lagerautomatisierung und KI-Software für die Logistik aufgebaut hat. Nun warnt er, genau diese Technologien könnten Millionen gewöhnlicher Beschäftigter verdrängen.

In einer umgebauten Fabrik in Cleveland, umgeben von Roboterarmen und Kameras, stellte Hartman einen Plan vor, der den Gesellschaftsvertrag neu gestalten würde: ein landesweites bedingungsloses Grundeinkommen (UBI), finanziert durch eine breit angelegte „Robotersteuer“ für stark automatisierte Unternehmen.

Hartman will, dass jeder erwachsene Staatsbürger monatlich £900 erhält, ohne Bedingungen, finanziert durch neue Abgaben für Unternehmen, die menschliche Arbeitskräfte durch Maschinen und KI ersetzen.

„Wir haben Öl besteuert, als es die letzte industrielle Revolution antrieb“, sagte er vor dem Publikum. „Jetzt besteuern wir Automatisierung. Die Gewinne aus Robotern sollten allen zugutekommen, nicht nur den Aktionären.“

So soll die vorgeschlagene Robotersteuer funktionieren

Der Entwurf, der unter politischen Entscheidungsträgern und Thinktanks zirkuliert, beschreibt mehrere neue Einnahmequellen. Einzelne Roboter würden dabei nicht buchstäblich besteuert; im Fokus stehen vielmehr die durch Automatisierung erzielten Zusatzgewinne.

  • Ein Aufschlag auf Unternehmensgewinne oberhalb einer festgelegten „Automatisierungsschwelle“
  • Eine Abgabe für Unternehmen mit extrem hohen Umsatz-pro-Beschäftigten-Verhältnissen
  • Eine Lohnsummensteuer auf Software- und KI-Lizenzen, die Arbeitsplätze unmittelbar ersetzen
  • Geringere Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung für Firmen, die Beschäftigte weiterqualifizieren oder anderweitig einsetzen, statt Stellen abzubauen

Nach Hartmans Konzept müssten Unternehmen jährlich angeben, wie viele Stellen durch Automatisierung weggefallen sind. Firmen, die zahlreiche Arbeitsplätze streichen und zugleich ihre Gewinne steigern, würden höhere Sätze in einen nationalen UBI-Fonds einzahlen.

Je stärker ein Unternehmen Automatisierung nutzt, um Stellen abzubauen und Margen zu erhöhen, desto mehr würde es in das System einzahlen, das verdrängte Beschäftigte unterstützt.

Kritiker warnen bereits vor Bilanzierungstricks und einem bürokratischen Albtraum. Befürworter halten dagegen, dass bestehende Steuergesetze Lohnsummen, Investitionen und Gewinne ohnehin erfassen; entscheidend sei nicht die technische Ausgestaltung, sondern der politische Wille.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Geld für alle ohne Nachfragen

Die Ausgabenseite des Plans ist einfach gehalten: Jeder erwachsene Staatsbürger bekäme denselben monatlichen Betrag, unabhängig davon, ob er erwerbstätig ist.

Hartmans Wirtschaftsteam schätzt die jährlichen Kosten eines vollständigen Modells auf knapp 9% des BIP. Die Robotersteuer soll ungefähr zwei Drittel der Gesamtsumme einbringen; der übrige Betrag soll durch das Schließen von Steuerschlupflöchern sowie moderate Erhöhungen für sehr hohe Einkommen und Kapitalgewinne gedeckt werden.

Element Vorgeschlagenes Niveau
Monatliches UBI pro erwachsener Person £900
Geschätzte jährliche Kosten ~9% des BIP
Durch Robotersteuer finanzierter Anteil ~65%
Anspruch Alle Staatsbürger ab 18 Jahren, ohne Bedingungen

Bestehende Sozialleistungen würden nicht von einem Tag auf den anderen verschwinden. Hartmans Team schlägt einen langen Übergang vor, in dem bestimmte zielgerichtete Leistungen weiterlaufen, insbesondere bei Behinderung, Wohnen und Gesundheitsversorgung.

Ein Land ist tief gespalten

Umfragen, die wenige Stunden nach Hartmans Rede veröffentlicht wurden, zeigen eine nahezu exakte 50:50-Teilung. Die stärkste Zustimmung kommt von Menschen unter 35 Jahren, Mietern und Beschäftigten im Dienstleistungssektor; besonders viel Widerstand gibt es unter älteren Wählern, Kleinunternehmern und Besserverdienenden.

Für die Unterstützer wirkt die Idee wie längst überfällige Gerechtigkeit. Sie sehen eine Zukunft, in der steigende Produktivität für gewöhnliche Menschen endlich mehr Freiheit und weniger wirtschaftliche Unsicherheit bedeutet.

Befürworter bezeichnen das UBI als „Miete auf unsere Daten und unsere Arbeitsgeschichte“, also als Weg, den Wert zu teilen, der aus Jahrzehnten menschlicher Arbeit gewonnen wurde und nun zum Trainieren von KI- und Automatisierungssystemen genutzt wird.

Gegner wählen deutlich schärfere Worte. Die konservative Abgeordnete Diane Clegg nannte es „eine Bestechung zur Untätigkeit“ und warnte vor „dem Ende harter Arbeit als gesellschaftlicher Norm“. Wirtschaftsverbände prognostizieren, Unternehmen könnten ihre Automatisierung ins Ausland verlagern, um die Steuer zu umgehen, was weniger Arbeitsplätze und schwächeres Wachstum zur Folge hätte.

Sorge vor einer schwindenden Arbeitsmoral

Der emotionale Kern der Gegenreaktion betrifft nicht allein Geld, sondern Identität. Für viele Menschen ist Arbeit eng mit Würde, Alltag und Sinn verbunden.

„Wenn der Staat alle dafür bezahlt, zu Hause zu sitzen, welches Signal sendet das?“, fragte ein Fabrikbesitzer bei einer Bürgerversammlung in Indiana. „Wer steht dann noch um 5 Uhr auf, um das Geschäft zu öffnen?“

Hartman weist die Vorstellung zurück, Menschen würden sich einfach nicht mehr bemühen. Er verweist auf kleinere UBI-Modellversuche, in denen die meisten Empfänger weiterarbeiteten, aber den Job wechselten oder ihre Arbeitszeit leicht reduzierten, um zu lernen, Angehörige zu pflegen oder Nebengeschäfte aufzubauen.

Erkenntnisse aus praktischen Experimenten

Ökonomen betonen, dass der Vorschlag nicht bei null beginnt. Mehrere Länder haben in den vergangenen zehn Jahren Varianten bedingungsloser Geldzahlungen erprobt.

  • Finnland führte einen zweijährigen Versuch durch, bei dem Arbeitslose eine Grundzahlung erhielten; das Stressniveau sank und das Vertrauen in Institutionen stieg.
  • Das kanadische Dauphin-Experiment in den 1970er-Jahren stellte fest, dass Familien mit Grundeinkommen höhere Schulabschlussquoten und weniger Krankenhausaufnahmen verzeichneten.
  • In den USA zahlt der Alaska Permanent Fund Einwohnern seit den 1980er-Jahren jährliche Dividenden aus Öleinnahmen, ohne dass die Erwerbsbeteiligung eingebrochen wäre.

Andererseits entspricht keines dieser Beispiele dem Umfang oder der Dauerhaftigkeit eines landesweiten UBI für alle Erwachsenen. Welche Folgen es für Löhne, Wohnkosten und Preise im Supermarkt hätte, bleibt umstritten.

Studien deuten darauf hin, dass moderate UBI-Modelle Arbeitsanreize nicht beseitigen, doch große und dauerhafte Varianten könnten Arbeitsmärkte auf unvorhersehbare Weise verändern.

Gewinner, Verlierer und die Politik der Automatisierung

Hinter dem philosophischen Streit steht eine sehr praktische Frage: Wer zahlt, und wer profitiert? Nach Hartmans Modell würden hochautomatisierte Großunternehmen aus Logistik, Einzelhandel, Finanzwesen und Produktion die größte Last tragen.

Kleinere Firmen mit geringem Automatisierungsgrad müssten weniger beitragen. Ihre Eigentümer argumentieren jedoch, sie würden zwischen steigenden, durch das UBI begünstigten Löhnen und höheren Steuerrechnungen eingeengt, die sie nicht durch Produktivitätszuwächse mittels Hochtechnologie ausgleichen könnten.

Gewerkschaften sind gespalten. Einige betrachten das UBI als Sicherheitsnetz, das ihre Verhandlungsmacht stärkt, weil Mitglieder schlechte Jobs verlassen könnten, ohne in existenzielle Not zu geraten. Andere befürchten, Arbeitgeber könnten das Modell nutzen, um schlechtere Verträge sowie Kürzungen bei Überstunden und Zusatzleistungen zu rechtfertigen.

Was gilt überhaupt als „Roboter“?

Eine der praktischsten Schwierigkeiten liegt in der Definition. Hartmans Vorschlag verwendet „Roboter“ als Kurzbegriff für jedes System, das Aufgaben automatisiert, die zuvor von Menschen erledigt wurden, einschließlich Software und KI.

Eine Steuer könnte somit greifen, wenn eine Bank Callcenter-Beschäftigte durch Chatbots ersetzt oder ein Supermarkt weitere Selbstbedienungskassen installiert. Um solche Veränderungen zu erfassen, müssten Unternehmen dokumentieren, welche Stellen automatisiert wurden, statt lediglich unbesetzt zu bleiben.

Steuerjuristen weisen bereits auf Schlupflöcher hin. Unternehmen könnten Tätigkeiten anders klassifizieren, Aufgaben ins Ausland auslagern oder auf befristete Verträge umstellen, um nicht unter die Kategorie „automatisierungsbedingter Stellenabbau“ zu fallen. Klare Regeln und eine strenge Durchsetzung wären nötig, damit das Modell nicht auseinanderfällt.

Wie ein typischer Haushalt die Veränderung erleben könnte

Nehmen wir ein Paar in den Dreißigern mit einem Kind. Zusammen verdienen beide derzeit rund £36,000 im Jahr. Nach Hartmans Modell würde jeder Erwachsene das UBI erhalten, was ihr Jahreseinkommen vor Steuern um £21,600 erhöhen würde.

Verliert ein Partner durch Automatisierung eine Stelle im Einzelhandel, verfügt der Haushalt weiterhin über ein regelmäßiges Mindesteinkommen. Diese Absicherung könnte dem entlassenen Beschäftigten ermöglichen, sich für einen anderen Beruf weiterzubilden, statt sofort die erstbeste schlecht bezahlte Stelle annehmen zu müssen.

Kritiker warnen, Vermieter und Kreditgeber würden sich rasch anpassen. Höhere garantierte Einkommen könnten Mieten, Kinderbetreuungskosten und Immobilienpreise erhöhen, sodass Familien letztlich wieder am Ausgangspunkt stünden – nur dass mehr Geld durch das System fließt.

Zentrale Begriffe der Debatte

Drei Konzepte prägen die aktuelle Auseinandersetzung:

  • Bedingungsloses Grundeinkommen: Eine regelmäßige Zahlung an jede Person, ohne Bedingungen oder Bedürftigkeitsprüfung.
  • Robotersteuer: Ein Bündel von Abgaben, das einen Teil der zusätzlichen Gewinne abschöpfen soll, die entstehen, wenn Unternehmen Beschäftigte durch Automatisierung ersetzen.
  • Erwerbsbeteiligungsquote: Der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter, die entweder beschäftigt sind oder aktiv Arbeit suchen; sie ist ein wichtiger Maßstab dafür, wie viele Menschen weiterhin am Arbeitsmarkt teilnehmen.

Wer ein „Ende harter Arbeit“ befürchtet, erwartet einen Einbruch der Erwerbsbeteiligungsquote, wenn sich Menschen zurückziehen. UBI-befürwortende Ökonomen argumentieren, dass der Wandel gesellschaftlich positiv sein könnte, wenn Menschen extrem schlecht bezahlte und ausbeuterische Tätigkeiten verlassen, um sich Bildung oder Pflegearbeit zu widmen – selbst wenn die reine Beteiligungsquote sinkt.

Langfristige Risiken und mögliche Nebenwirkungen

Selbst Unterstützer räumen Risiken ein. Eine schlecht konzipierte Robotersteuer könnte Unternehmen zur Verlagerung bewegen oder Investitionen bremsen und damit Innovationen verlangsamen. Dann gäbe es von vornherein weniger Produktivitätsgewinne zu verteilen.

Zudem besteht ein politisches Risiko: Gewöhnt sich eine Bevölkerung erst an garantierte Zahlungen, könnte jeder wirtschaftliche Schock, der die Finanzierung gefährdet, schwere Unruhen auslösen. Das Modell bindet gesellschaftliche Stabilität enger an staatliche Leistungsfähigkeit und Steuereinnahmen.

Gleichzeitig birgt eine unbesteuerte Automatisierung eigene Gefahren. Ohne neue Einnahmeinstrumente könnten Regierungen mit wachsender Arbeitslosigkeit, schrumpfenden Steuerbasen aus Arbeitseinkommen und zunehmendem Druck auf bestehende Sozialbudgets konfrontiert sein.

Das Land steht nun vor einer Grundsatzentscheidung: Soll Automatisierung als privater Jackpot für frühe Anwender gelten oder als gemeinsame Infrastruktur, die der Gesellschaft eine Art Miete zahlen muss?

Hartmans Plan zwingt diese Frage in die Öffentlichkeit. Ob er Gesetz wird oder nicht: Die Debatte über Robotersteuern und bedingungsloses Grundeinkommen dürfte nicht verschwinden, denn die Maschinen, auf die sie reagiert, werden nicht wieder weggehen.

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