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Mukaab in Riad: Saudi-Arabiens gigantischer Würfel gerät ins Stocken

Architekt betrachtet Modell einer modernen Stadt und hält Baupläne auf einer Dachterrasse bei Sonnenuntergang.

Ein riesiger Würfel im Zentrum von Riad sollte zum neuen Wahrzeichen Saudi-Arabiens werden – nun kommt das Vorhaben ins Stocken.

Der futuristische Mukaab, ein enormer Kubus aus Beton, Glas und Hightech, war als eindrucksvollstes Zeichen des saudischen Umbruchs vorgesehen. Doch Insider berichten jetzt von einem erheblichen Rückschlag: Der Bau des Rekordprojekts ruht, und seine Verwirklichung rückt deutlich in die Zukunft.

Was das Megaprojekt Mukaab ausmacht

Beim Mukaab handelt es sich nicht um ein herkömmliches Hochhaus, sondern vielmehr um eine vertikale Stadt. Vorgesehen ist ein würfelförmiges Gebäude mit einer Kantenlänge von etwa 400 Metern im Zentrum der Hauptstadt Riad. In seinem Inneren soll ein vollständiges Stadtquartier entstehen – mit Wohnungen, Hotels, Einkaufsbereichen, Unterhaltung, Büros und Grünflächen.

Der Kubus ist als Mittelpunkt von „New Murabba“ geplant, einem neuen, futuristisch konzipierten Innenstadtareal. Mit einem Volumen von rund 50 Milliarden Dollar soll dieses Stadtviertel Riad ein zweites, hochmodernes Zentrum geben – einschließlich eines Stadions, Museums, einer Universität, Kinos und großer Einkaufsflächen.

Mukaab ist so groß geplant, dass theoretisch rund zwanzig Empire-State-Building-Türme in seinem Volumen Platz hätten.

Nach den bisherigen Plänen könnte der Würfel langfristig bis zu 400.000 Menschen aufnehmen. Damit wäre das Bauwerk in der internationalen Architekturgeschichte ein Rekordfall: Ein Gebäude mit einer vergleichbar gewaltigen Kubatur ist bislang nicht gebaut worden.

Abrupte Pause: Weshalb Saudi-Arabien beim Mukaab bremst

Quellen, die mit dem Projekt vertraut sind, zufolge hat die saudische Führung die laufenden Bauarbeiten zunächst angehalten. Offiziell wird von einer „Suspendierung“ gesprochen, nicht von einem endgültigen Ende. Die vorbereitenden Arbeiten in Riad haben bereits begonnen; die riesige Baugrube für das Fundament ist schon ausgehoben.

Übereinstimmenden Berichten zufolge ist vor allem die Finanzierung ausschlaggebend. Saudi-Arabien hat in den vergangenen Jahren Hunderte Milliarden Dollar in außergewöhnliche Zukunftspläne investiert – von neuen Tourismusregionen bis zu vollständig geplanten Städten in der Wüste. Inzwischen wird deutlich, dass sich nicht sämtliche Vorhaben gleichzeitig in der ursprünglich vorgesehenen Geschwindigkeit umsetzen lassen.

  • Vorrang haben derzeit Projekte, von denen sich schneller Erträge erwarten lassen,
  • zentrale Bausteine für die Weltausstellung 2030,
  • Projekte im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2034,
  • sowie große Freizeit- und Tourismusgebiete wie der Komplex bei Qiddiya.

Für den Mukaab bedeutet dies, dass der Termin für die Fertigstellung im Jahr 2030 nicht mehr gilt. Den zitierten Informationen nach wird mittlerweile eher eine Inbetriebnahme um das Jahr 2040 erwartet – ein schwerer Rückschlag für ein Vorhaben, das ursprünglich als Vorzeigeprojekt von „Vision 2030“ gedacht war.

Vision 2030: Ein Königreich auf dem Weg in die Zeit nach dem Öl

Hinter dem Würfel steht ein weitreichenderes Programm. Kronprinz Mohammed bin Salman verfolgt mit der Strategie „Vision 2030“ einen umfassenden Wandel des Landes. Die Wirtschaft soll wesentlich unabhängiger vom Öl werden, zusätzliche Arbeitsplätze sollen entstehen, und Saudi-Arabien soll sich zu einem weltweiten Knotenpunkt für Tourismus, Finanzen, Sport und Unterhaltung entwickeln.

Ein erheblicher Anteil der saudischen Wirtschaftsleistung stammt weiterhin aus dem Ölsektor: Rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden dem „schwarzen Gold“ zugeschrieben. Fallende oder schwankende Ölpreise verringern den finanziellen Handlungsspielraum der Regierung. Das macht eine Priorisierung notwendig und führt dazu, dass Projekte mit besonders hohem Prestige, aber ungewisser direkter wirtschaftlicher Rendite neu geprüft werden.

Der Mukaab war als besonders extremes Sinnbild vorgesehen: ein Hightech-Würfel, der Aufbruch, Fortschritt und Modernisierung sichtbar verkörpern sollte. Gerade diese Symbolkraft macht die nun verhängte Pause besonders bemerkenswert.

Nicht nur Mukaab: Weitere Megaideen werden reduziert

Der Würfel ist nicht das einzige Vorhaben, das an seine Grenzen gerät. Auch „The Line“ – eine als schnurgerader Stadtstreifen über Hunderte Kilometer durch die Wüste geplante Siedlung – wird nach den bisherigen Angaben erheblich verkleinert und langsamer weiterverfolgt.

Geplant war ein bewohnbarer Hochhausriegel in der Wüste mit einer Länge von mehr als 170 Kilometern, hoher Verdichtung und starker Digitalisierung. Viele Beobachter fühlten sich durch die Visualisierungen eher an ein düsteres Cyberpunk-Szenario als an traditionelle Stadtplanung erinnert. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass zunächst nur ein kurzer Teil gebaut wird – falls das Projekt überhaupt verwirklicht wird.

Projekt ursprüngliche Idee aktueller Stand
Mukaab 400-Meter-Würfel, vertikale Stadt, Zentrum von New Murabba Bau ausgesetzt, Fertigstellung grob Richtung 2040 geschoben
New Murabba Neues, futuristisches Innenstadtviertel in Riad Teilbereiche laufen, Umfang hängt an Mukaab und Budgets
The Line 170 Kilometer lange Linearstadt durch die Wüste Projekt stark verkleinert, Zukunft unklar

Kontroverse um die Form: Ähnlichkeit mit einem heiligen Symbol

Der Mukaab wird nicht allein wegen seiner Ausmaße diskutiert, sondern auch wegen seines Erscheinungsbilds. Im Land selbst kam früh Kritik auf, weil der monumentale Würfel an die Kaaba erinnert, das zentrale Heiligtum des Islam in der Großen Moschee von Mekka.

Kritiker sehen in der gigantischen Würfelform eine problematische Nähe zu einem der heiligsten Orte des Islam.

Zwar heben die Planer hervor, dass der Mukaab ein eigenständiges Konzept mit einem modernen Gestaltungsansatz sei. Dennoch empfinden manche Gläubige die Idee eines auf Freizeit und Konsum ausgerichteten Mega-Würfels als irritierend, sofern die Verbindung zur Kaaba naheliegt. In einem Land, in dem Religion und Politik eng miteinander verflochten sind, hat diese symbolische Ebene erhebliches Gewicht.

Risiken und Chancen eines derart radikalen Stadtumbaus

Aus städtebaulicher Perspektive bewegen sich die saudischen Vorhaben an der Grenze des Machbaren. Derart große, von oben geplante Strukturen sind mit Risiken verbunden:

  • starke Abhängigkeit von dauerhaft stabilen Einnahmen,
  • hohe Anfälligkeit gegenüber politischen Richtungswechseln,
  • Ungewissheit darüber, ob sich dauerhaft Einwohner und Touristen gewinnen lassen,
  • mögliche Fehlallokation von Ressourcen, wenn Projekte nicht wie erwartet funktionieren.

Gleichzeitig eröffnet der radikale Ansatz Chancen. Saudi-Arabien kann neue Formen des städtischen Lebens und der Freizeitgestaltung vergleichsweise schnell erproben, ohne auf bestehende Bausubstanz Rücksicht nehmen zu müssen. Falls es gelingt, weltweit beachtete und funktionierende Vorzeigeprojekte zu schaffen, könnte sich das Land als Hotspot für Architektur, Veranstaltungen, Sport und Entertainment etablieren – ähnlich wie Dubai es vorgemacht hat, jedoch noch extremer ausgeprägt.

Was die Pause beim Mukaab für die Zukunft bedeuten könnte

Der derzeitige Baustopp wirkt wie ein Realitätscheck für die Ambitionen des Königreichs. Die Visionen bestehen fort, doch die Finanzierung muss tragfähig sein: Jede Milliarde, die in ein symbolträchtiges Bauwerk fließt, fehlt an anderer Stelle. Für die saudische Führung stellt sich damit die Frage, wie viel spektakuläre Architektur erforderlich ist, um das Ziel einer vielfältigen, modernen Wirtschaft zu erreichen.

Besonders spannend wird sein, in welchem Maß man beim Mukaab vom ursprünglichen Konzept abweicht. Denkbar wären geringere Dimensionen, ein modularer Ausbau über mehrere Jahrzehnte oder eine stärkere Ausrichtung auf klar berechenbare Nutzungen wie Hotels, Kongresszentren und Büroflächen. Auch strengere ökologische Anforderungen könnten relevant werden, da Megabauten in der Wüste enorme Energiemengen für Kühlung und Technik benötigen.

Für internationale Beobachter sendet der Stopp ein wichtiges Signal: Selbst ein Staat mit außergewöhnlich großen finanziellen Ressourcen erreicht bei gigantischen Prestigeprojekten Grenzen. Der Mukaab bleibt vorerst ein Symbol – nicht für eine vollendete Zukunft, sondern für den schwierigen Weg dorthin. Wie der Würfel letztlich tatsächlich aussehen wird, entscheidet sich weniger in den Renderbildern als in den kommenden Haushaltsrunden in Riad.

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