Hier sind echtes Können und die passende Technik erforderlich: Beim Vorgehen mit einer Schlauchleitung im Innenangriff müssen Trupps mehrere Herausforderungen meistern. Wir zeigen, welche Taktik sich beim Schlauchmanagement bewährt, und stellen geeignete Hilfsmittel vor.
Text: Team Atemschutzunfaelle.eu und Feuerwehr-Magazin Redaktion
Beim Dienstabend der Freiwilligen Feuerwehr haben die Ausbilder für die Atemschutzgeräteträger eine praktische Übung vorbereitet. Im Fokus stehen das korrekte Vorgehen im Innenangriff und insbesondere das Schlauchmanagement. Die Einheit verfügt seit kurzer Zeit über Schlauchpakete. Mit zwei Löschgruppen rückt die Feuerwehr zu einem leerstehenden Bürogebäude mit vier Geschossen als Übungsobjekt aus. Die Ausbilder schildern die angenommene Lage: In zwei voneinander getrennten Büros im zweiten Obergeschoss brennt es lichterloh. Eine Brandausbreitung droht.
Während eine Löschgruppe zunächst die Wasserversorgung bis zum Verteiler aufbauen soll, konzentriert sich die zweite Gruppe auf den Innenangriff. Ihr Einsatzbefehl lautet: “Angriffstrupp und Wassertrupp zur Brandbekämpfung jeweils mit einem C-Rohr in das zweite Obergeschoss über den Treppenraum vor.” Ergänzend weist der Gruppenführer kurz an: “Bis zum Strahlrohr mit Wasser.”
Einige Abläufe sitzen bereits automatisch: Die vier Kameraden legen ihre Atemschutzgeräte an, der Verteiler befindet sich schon 10 Meter vor dem Gebäudeeingang, und der Schlauchtrupp bringt drei Tragekörbe mit C-Schläuchen zum Verteiler. Jetzt kommt es auf die beiden Truppführer an. Wie viele Schläuche und wie viel Schlauchreserve brauchen sie? Den Weg vom Verteilerstandort durch den Treppenraum bis zu den Brandräumen müssen sie innerhalb weniger Sekunden einschätzen.
Vorgehen mit Schlauchtragekorb und Schlauchpaket
Tipps zum Vorgehen aus dem Sonderheft „Einsatz unter Atemschutz“:
- Für die Zuleitung bis zum Brandraum sind je zu überwindendem Geschoss 15 Meter C-Leitung anzusetzen.
- Die gewählte Technik muss dem Angriffstrupp ermöglichen, seine Leitung allein zu verlegen, damit der Einsatzerfolg tatsächlich sichergestellt ist.
- Der Angriffsweg muss frei bleiben – auch für nachfolgende Trupps – ebenso wie der Rückzugsweg.
- Kann ein Trupp sein Rohr nicht eigenständig bis zum Brandherd vornehmen, muss ihn ein weiterer Trupp unterstützen. Zwei Trupps mit einem Rohr arbeiten wirksamer als zwei Trupps, die jeweils mit ihrem Rohr auf halber Strecke feststecken.
Gerade wenn sich die Angriffsleitung durch ein Treppenauge führen lässt, spart dies Schlauchlängen und hält die Treppenstufen frei. Zum Vorgehen wird die oberste Kupplung am Verteiler angeschlossen. Anschließend nimmt der Trupp den Schlauchtragekorb mit in das Gebäude. Sein wesentlicher Vorteil: Der Schlauch läuft selbstständig nach hinten heraus. Je weiter der Trupp in die Einsatzstelle vordringt, desto leichter wird das Vorgehen.
Die Schlauchleitung muss am Treppengeländer befestigt werden. Vor dem Brandraum ist die Schlauchreserve abzulegen. Dafür sind etwa 15 Meter einzuplanen, ohne den Flucht- beziehungsweise Verkehrsweg unnötig zu versperren. Der Einsatz eines Schlauchpakets hat sich an dieser Stelle bewährt.
Der Schlauchtragekorb wird bis zur nächstgelegenen erreichbaren Kupplung entleert, woran der Truppmann das Schlauchpaket anschließt. Während er die Klettbänder öffnet und das Hohlstrahlrohr kontrolliert, gibt der Truppführer den Befehl “Wasser Marsch”.
Loops: Schlauchreserve in Reifen legen
Bis direkt vor dem Brandraum folgen die Kameraden während der Übung den Empfehlungen der Experten. Eigentlich müsste nun das Hohlstrahlrohr entlüftet werden. Damit das Gebäude trocken bleibt, entfällt dieser Schritt bei dieser Übung.
Die Trupps sollen jedoch mit den gefüllten C-Schlauchleitungen weiter vorgehen. Dazu legen sie im Flur vor den Büros jeweils eine kreisförmige Schlauchreserve an, den sogenannten Loop. Anschließend stellen sie die Reifen auf und lehnen sie hochkant an eine Wand. Dadurch lassen sich die einzelnen Ringe in Richtung Brandstelle rollen. Gleichzeitig bleibt der Fluchtweg beziehungsweise der Angriffsweg für nachrückende Trupps frei. “Dieses Vorgehen vermitteln wir aus den genannten Gründen auch unseren Einsatzkräften”, erklärt Daniel Koppmeier von der Feuerwehr Dortmund.
Wassertrupp und Angriffstrupp setzen dies gut um. Sie ziehen ihre Leitungen hinter sich her und durchsuchen die beiden Büros getrennt voneinander. Die Ausbilder haben in beiden Räumen kleine simulierte Brände platziert. Kurz hintereinander melden die Truppführer: “Feuer aus”.
Danach werden die Schläuche außerhalb des Gebäudes auseinandergekuppelt und die Leitungen bis vor den Eingang entwässert. Nach einiger Zeit versammeln sich die Kameraden im Halbkreis bei ihren Löschfahrzeugen zur Nachbesprechung. Die zwei Übungsbeobachter im Gebäude loben das beispielhafte Vorgehen der Trupps. Die vier Kameraden sind erschöpft, bewerten die Taktik mit der kreisförmigen Schlauchreserve jedoch positiv.
Diese Taktik lässt sich übrigens auch deutlich früher einsetzen – etwa wenn die Trupps bereits mit Wasser am Strahlrohr ins Gebäude vorgehen. Die Loops können dann gewissermaßen an verschiedenen Stationen angelegt werden. Grundsätzlich sollen sie das Nachziehen der gefüllten Leitung vereinfachen. Von den Schlauchpaketen sind die Kameraden begeistert: Beim Verlegen der Leitungen aus dem Tragekorb störten sie kaum, wenn sie einfach über die Schulter gehängt wurden. “Schlauchpakete haben sich wirklich bewährt”, meint auch Björn Lüssenheide, Koordinator von Atemschutzunfaelle.eu.
Schlauchpakete richtig packen
Für ein Schlauchpaket kann jeder genormte C-Schlauch genutzt werden. Empfehlenswert sind C-42-Schläuche mit 42 mm Innendurchmesser und einer Länge von 15 oder 20 Metern; auch 30 Meter bleiben noch handhabbar. Selbstverständlich lässt sich ebenso ein C 52 verwenden. Im gefüllten Zustand beträgt der Gewichtsunterschied zwischen C 42 und C 52 bei 15 Metern allerdings etwa 12 Kilogramm.
Schlauchpakete eignen sich unabhängig von ihrer Funktion als Schlauchreserve besonders zur Brandbekämpfung in mehrgeschossigen Gebäuden. Aus praktischen Gründen sollte ein Schlauchpaket zwischen 1,5 und 2 Metern lang sein. Für die Sicherung werden zwei bis vier Schlauchbänder benötigt. Das Hohlstrahlrohr wird unmittelbar angekuppelt, mit eingebunden und kann daher nicht vergessen werden. “Insbesondere die Version, wo die Schlauchreserve im Kreis zusammengelegt ist und sich das Hohlstrahlrohr innen liegend befindet, ist super.”
Schlauchpakete – Zusammenfassung
Vorteile:
- Das Paket lässt sich leicht tragen, beispielsweise über einer Schulter oder auf dem Atemschutzgerät.
- Das Vorgehen in engen Treppenhäusern und Fluren wird erleichtert.
- Ein Tragesystem mit unnötigem Eigengewicht, das später „im Weg herumliegt“, ist nicht erforderlich.
- Anders als beim Schlauchtragekorb bleiben die Hände frei.
- Die Bildung von „Spaghetti“ vor der Brandraumtür wird verringert.
- Das Strahlrohr kann nicht vergessen werden, weil es bereits eingebunden ist.
Zu beachten:
- Schlauchpakete vorzubereiten ist etwas aufwendiger.
- Die Schlauchreserve benötigt nahezu 4 Meter Platz.
Auch unabhängig von der Nutzung als Schlauchreserve sind Schlauchpakete vor allem bei Bränden in mehrgeschossigen Häusern und Hochhäusern ohne funktionierende Steigleitung sinnvoll. Gegenüber einem Schlauchtragekorb sprechen die Gewichtsersparnis und die ergonomischen Vorteile überzeugend für diese Lösung. Bei längeren Angriffswegen ist jedoch eine Kombination beider Systeme – wie beschrieben – zweckmäßig.
Schlauchsalat auch draußen verhindern
Sorgfältiges Schlauchmanagement ist für Trupps im Innenangriff nicht nur entscheidend für den Einsatzerfolg, sondern auch für den Eigenschutz. Das gilt ebenso für den Außenbereich. Auch dort ist gutes Schlauchmanagement erforderlich, um Wasser wirksam zu fördern und Unfälle zu verhindern.
Grundsätzlich muss das Schlauchmanagement zum Aufbau, zur Raumordnung und zur Einsatzstelle passen. Deshalb ist die Einsatzstelle möglichst übersichtlich und strukturiert einzurichten. Dazu zählen:
- Aufstellfläche für die Drehleiter berücksichtigen.
- Aufstellfläche für Lüfter vorsehen.
- Fluchtwege für Bewohner freihalten.
- Schlauchbrücken verlegen.
- Stolpergefahren verringern.
Für den Unfallschutz ist es wichtig, häufig genutzte Laufwege von Schläuchen freizuhalten. Das Stolpern über Schläuche gehört zu den häufigsten Verletzungsursachen bei Feuerwehreinsätzen. Besonders kritische Bereiche sind die Wege rund um die ersten Einsatzfahrzeuge sowie der Raum unmittelbar vor dem Brandobjekt.
Lässt es der Einsatzverlauf zu, sollten auch die Angriffsleitungen vom Verteiler zum Gebäude seitlich gezogen werden. Vor allem im Außenbereich kann ein Schlauchsalat entstehen, wenn der Angriffstrupp nicht die gesamte Leitung ins Gebäude nachzieht. Außerdem müssen die Einsatzkräfte darauf achten, Schläuche nicht kreuz und quer über Gehwege zu führen, sondern sie seitlich an Verkehrswegen entlangzulegen, etwa am Bordstein.
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