Jeden Morgen rauschen Millionen Liter sauberes, heisses Wasser direkt aus den Duschköpfen in den Abfluss. Ein britischer Erfinder stellte sich eine hartnäckige Frage: Was wäre, wenn dieses Wasser gar nicht wegfliessen müsste?
Es ist das Grün, das sofort auffällt. Ein Kranz glänzender Blätter wächst an einer schmalen Säule neben der Glaswand empor, während hinter der Verkleidung ein leises Rinnsal wie ein Waldbach klingt. In einem ruhigen Reihenhaus in Bristol betätigt der Erfinder einen daumennagelgrossen Schalter, woraufhin die Anlage zum Leben erwacht: eine sanft arbeitende Pumpe, ein durchsichtiges Becken und haarfeine Wurzeln, die sich bewegen, als würden sie nach dem Schlafen strecken. Jeder kennt den Moment, in dem der Spiegel beschlägt und man zusieht, wie Liter um Liter verschwinden – mit dem Gedanken: Das kann doch nicht richtig sein. Hier hält das Wasser inne, zirkuliert und kehrt durch einen lebenden Filter zurück, der eher einer Zimmerpflanze als Technik ähnelt. Er lächelt über diese kleine Geste im Haushalt, die in einer grossen, durstigen Welt Gewicht bekommt. Die Dusche wirkt lebendig.
Eine lebende Dusche, die Wasser zweimal nutzen lässt
Das Prinzip ganz ohne Fachsprache: Die Dusche fängt das bereits genutzte Wasser auf, reinigt es mithilfe von Pflanzenwurzeln und mikrobenreichem Filtermaterial und führt es für den weiteren Duschvorgang warm, klar und sicher wieder zu. Vor Ort hat das eine unerwartet beruhigende Wirkung. Kein laut gurgelnder Abfluss, kein nagendes Schuldgefühl. Stattdessen entsteht ein gleichmässiger Kreislauf, in dem transparente Leitungen schimmern und die Wurzeln ein filigranes Gerüst für unsichtbare kleine Helfer bilden. Während Dampf an den Blättern vorbeizieht, spricht der britische Erfinder leise, und alles erinnert eher an eine Dusche in einem winzigen Gewächshaus. Gerade weil die Idee nicht übertrieben futuristisch wirkt, überzeugt sie.
Bei ersten Tests in zwei Mietwohnungen hielt er die Werte in einem abgenutzten Notizbuch fest: Eine durchschnittliche Dusche im Vereinigten Königreich verbraucht etwa 60 bis 70 Liter. Sein Kreislauf kam mit ungefähr 10 bis 15 Litern aus, ergänzt durch kleine Frischwasserzugaben, damit das Wasser frisch bleibt. Eine Testperson, die Krankenpflegerin Ana, rasierte sich am Morgen einer Sonntagsschicht und schrieb ihm später: „Merkwürdiges Detail, aber mein Warmwasser wurde nicht weniger, als mein Partner nach mir unter die Dusche stieg.“ Der Kreislauf bewahrte die Wärme und senkte damit neben dem Wasserverbrauch auch die Energiekosten. Das waren keine Laborversuche, sondern echte Menschen um 7 Uhr morgens – müde, spät dran und mit dem Alltag beschäftigt.
Hinter dem Glas steckt klassische Ökologie, übertragen auf die Sanitärtechnik. Die Wurzeln bieten eine riesige Oberfläche, auf der Biofilme – Gemeinschaften nützlicher Mikroben – Seifenreste, Hautfette und Spuren von Shampoo abbauen. Ein feines Sieb hält Haare zurück, ein Bett aus Kies und Holzkohle klärt den Wasserstrom weiter, Belüftung versorgt die Biologie mit Sauerstoff, und anschliessend beseitigt eine letzte Desinfektionsstufe mit UV-Licht oder Wärme Krankheitserreger, bevor das Wasser wieder zum Duschkopf gelangt. Die Pflanze ist kein magischer Trinkhalm. Sie dient als Heimat für mikrobielle Chemie, die bei passendem Sauerstoffgehalt, der richtigen Temperatur und ausreichender Verweilzeit gedeiht. Ja, Pflanzen können mithalten. Bei einem verlässlichen Rhythmus erledigen sie diese stille Aufgabe besser als die meisten Filterkartuschen.
Vom „netten Einfall“ zum täglichen Ritual
Wer jetzt an einen Dschungel im Bad denkt, kann aufatmen. Die Version für zu Hause ähnelt eher einer ordentlich an der Wand montierten Säule mit einer flachen Basis, die wie eine herkömmliche Duschwanne aussieht. Der Ablauf ist unkompliziert: hineintreten, während ein Vorfilter Haare auffängt; die Pumpe zieht das Wasser in das Wurzelzonen-Modul; während des Einseifens zirkuliert es fünf bis acht Minuten; eine kleine UV-Einheit schaltet sich als Schutz ein; und ein geringer Zusatz frischen Warmwassers hält die Temperatur angenehm weich. Der Rhythmus wirkt selbstverständlich: nass werden, pausieren, zirkulieren, abspülen. Die Wasserversorgung wird zu einem Herzschlag statt zu einem einseitigen Sprint.
Damit das System zuverlässig läuft, gibt es einige einfache Regeln. Pflanzenschonende Seifen sind sinnvoll: Mildere Tenside und weniger intensive Duftstoffe fördern einen gesunden Biofilm. Bleichende Reiniger gehören nicht in die Duschwanne; Essig und ein weiches Tuch halten die Oberflächen sauber, ohne die Mikroben zu zerstören. Eine Eingewöhnungszeit ist einzuplanen, denn die Wurzelzone braucht ein bis zwei Wochen, um ihr Gleichgewicht zu finden – ähnlich wie ein Sauerteigansatz. Ehrlich gesagt macht das niemand täglich. Deshalb erinnert die Anlage mit einfachen Leuchten daran: Grün bedeutet alles in Ordnung, Gelb fordert zum Ausspülen des Siebs auf, Rot heisst „entleeren und auffrischen“. Sie verzeiht den echten Alltag.
Wenn man den Erfinder fragt, ob die Pflanzen „den Schmutz trinken“, lacht er. Seine Antwort ist geduldiger als flapsig:
„Wasser sollte zwei Aufgaben erfüllen, bevor es das Haus verlässt: dich waschen und dann etwas wachsen lassen. Die Wurzeln beherbergen die eigentliche Arbeitskraft.“
- Widerstandsfähige Arten wählen: Einblatt, Grünlilie oder Zwergpapyrus kommen mit hoher Luftfeuchtigkeit in Innenräumen gut zurecht.
- Den Vorfilter wöchentlich wechseln; ein Ausspülen im Waschbecken dauert 30 Sekunden.
- Bei Besuch lässt sich jederzeit der „Frischmodus“ für eine herkömmliche Dusche ohne Kreislauf aktivieren.
- Einmal pro Jahreszeit die Wurzeln leicht zurückschneiden, damit das Wasser problemlos hindurchfliessen kann.
Was sich verändert, wenn eine Dusche zum kleinen Ökosystem wird
Diese Geschichte handelt weniger von einem Gerät als von Gewohnheiten. Wenn das Duschwasser sichtbar vor den eigenen Augen zirkuliert, erlebt man den Kreislauf, statt sich ein fernes Reservoir vorzustellen. Kinder zeigen auf die Wurzeln und stellen Fragen. Gäste legen erst den Kopf schief und kommen dann lächelnd heraus, als hätten sie etwas leicht Rebellisches ausprobiert. Man beginnt, das Haarewaschen nach dem sanften Surren der Pumpe zu takten, und bemerkt, dass die abschliessende Spülzeit ganz ohne Anstrengung kürzer wird. Der Erfinder meint, städtische Rohrnetze wären weniger überlastet, wenn Tausende Badezimmer ihre Spitzenverbräuche halbieren würden. Auch unsere Morgen könnten sich, so sagt er, leichter anfühlen. Nicht heldenhaft, sondern einfach vernünftig. Eine Dusche, die ihr Versprechen hält: saubere Haut, klarer Kopf, weniger Verschwendung.
| Kernpunkt | Detail | Nutzen für Leserinnen und Leser |
|---|---|---|
| Wassereinsparung von bis zu ~80% | Der Kreislauf benötigt 10–15 L statt 60–70 L je Dusche | Niedrigere Rechnungen und weniger Belastung in Dürrezeiten |
| Wärme bleibt im Kreislauf erhalten | Durch die Zirkulation ist nur minimales Nachheizen nötig | Angenehme Duschen bei geringerem Energieaufwand |
| Biofiltration durch Pflanzenwurzeln | Wurzeln und Mikroben bauen Seifen ab; UV-Licht sorgt für die abschliessende Reinigung | Klares Wasser, dem man vertrauen kann, in einem lebenden Design |
Häufige Fragen:
- Kann das Wasser wiederverwendet werden, während ich noch dusche? Der Kreislauf umfasst eine physische Filterung und eine abschliessende Desinfektionsstufe mit UV-Licht oder Wärme, bevor das Wasser zum Duschkopf zurückkehrt. Er ist für die Wiederverwendung innerhalb derselben Dusche gedacht, nicht als Trinkwasser.
- Riecht mein Bad dann wie ein Teich? Nein. Gesunde Wurzelzonen riechen nach … nichts. Gerüche weisen meist darauf hin, dass der Vorfilter kurz ausgespült werden sollte oder das Gerät eine kurze Spülung mit Frischwasser benötigt.
- Welche Seifen eignen sich am besten für Pflanzenwurzeln? Milde, biologisch abbaubare Rezepturen halten den Biofilm aktiv. Stark antibakterielle oder chlorhaltige Produkte können das System bremsen; sie sollten sparsam eingesetzt werden, wobei dann der „Frischmodus“ zu wählen ist.
- Wie viel Wartung ist erforderlich? Wenig: das Sieb wöchentlich spülen, monatlich auswischen und die Wurzeln saisonal schneiden. Die Leuchten des Moduls erinnern daran, sodass man selbst nicht daran denken muss.
- Können Mieterinnen und Mieter das System nutzen, ohne Fliesen herauszureissen? Ja. Ein Nachrüstset wird mit einer kompakten Wanne und Säule an vorhandenen Leitungen montiert. Bei einem Umzug kann es mitgenommen werden.
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