Zum Inhalt springen

Wie die Färöer-Inseln mit vier Unterwassertunneln ihre Mobilität veränderten

Silbernes Auto fährt durch bemalten Tunnel mit Landschaftsmalereien und Tageslichtstrahl von oben.

Die Färöer-Inseln haben die Mobilität eines abgelegenen Archipels durch eines der kühnsten Ingenieurprojekte im Nordatlantik grundlegend verändert. Vier Unterwassertunnel führen durch Gestein unter dem Meeresboden und verbinden Inseln, die früher von Fähren, begrenzten Fahrplänen und wechselhaften Wetterbedingungen abhängig waren.

Warum bauten die Färöer-Inseln Straßen unter dem Ozean?

Der Archipel liegt zwischen Schottland und Island und umfasst 18 Inseln mit gebirgiger Landschaft sowie Ortschaften, die durch Fjorde und Meeresengen voneinander getrennt sind. Über Jahrzehnte waren viele Wege auf Schiffe angewiesen, deren Betrieb bei starkem Wind und rauer See verspätet oder eingestellt werden konnte.

Mit den Unterwassertunneln entstand ein durchgängiges Straßennetz für Einwohner, öffentliche Dienste und den Gütertransport. Heute verbinden die vier Querungen sieben Inseln und bringen den Großteil der Bevölkerung näher an die wichtigsten städtischen Zentren.

Welche vier Tunnel wurden unter dem Atlantik gebaut?

Das Vorhaben wurde schrittweise umgesetzt und begann mit der Verbindung zwischen dem Flughafen und der Insel, auf der die Hauptstadt liegt. Jede weitere Strecke verringerte die Abhängigkeit von Fähren und erweiterte die mit dem Auto nutzbaren Routen:

  • Vágatunnilin, eröffnet 2002, mit rund 4,9 Kilometern;
  • Norðoyatunnilin, eröffnet 2006, mit etwa 6,2 Kilometern;
  • Eysturoyartunnilin, eröffnet 2020, mit 11,2 Kilometern Fahrstrecke;
  • Sandoyartunnilin, eröffnet 2023, mit rund 10,8 Kilometern.

Wie konnten Tunnel unter dem Meeresboden gegraben werden?

Beim Bau kamen Bohrungen und kontrollierte Sprengungen zum Einsatz, um das vulkanische Gestein zu durchdringen. Vor Beginn der Aushubarbeiten führten Fachteams seismische Untersuchungen, geologische Bohrungen und Geländeanalysen durch, um Klüfte und mögliche Wassereinbrüche zu erkennen.

Während des Vortriebs wurden die Röhren mit Entwässerungs-, Lüftungs-, Beleuchtungs-, Kommunikations- und Überwachungssystemen ausgestattet. Zu den Einrichtungen, die den Betrieb der Querungen sichern, gehören:

  • Pumpen zur Ableitung von eindringendem Wasser;
  • Notausgänge und Bereiche für Notfälle;
  • Sensoren zur Überwachung des Verkehrs;
  • Anlagen zur Belüftung und Brandbekämpfung;
  • Verkleidungen zur Stabilisierung von Gesteinsabschnitten.

Warum besitzt einer der Unterwassertunnel einen Kreisverkehr?

Der Eysturoyartunnilin verfügt über drei Zufahrten und verbindet Streymoy, die Insel mit Tórshavn, mit zwei Orten auf Eysturoy. Damit sich der Verkehr auf diese Richtungen verteilen kann, errichteten die Ingenieure innerhalb des unterirdischen Systems einen Kreisverkehr, der als erster seiner Art in einem Unterwasser-Straßentunnel gilt.

Seinen tiefsten Punkt erreicht der Tunnel 187 Meter unter dem Meeresspiegel. Über die neue Verbindung verkürzte sich die Fahrzeit zwischen Tórshavn und Runavík von etwa 64 auf 16 Minuten; zugleich sank die zurückzulegende Strecke von 55 auf 17 Kilometer.

Die Tunnel veränderten den Alltag der Einwohner

Der Sandoyartunnilin ermöglicht den Menschen auf Sandoy Fahrten zu jeder Uhrzeit, ohne ihren Alltag nach den Abfahrtszeiten der Fähren ausrichten zu müssen. Die Verbindung erleichterte zudem den Zugang zu Arbeitsplätzen, Schulen, Krankenhäusern und Dienstleistungen, die auf den bevölkerungsreicheren Inseln des Archipels gebündelt sind.

Auf den Färöer-Inseln hat die unterirdische Infrastruktur Entfernungen verkürzt, ohne von den Bedingungen des Nordatlantiks abhängig zu sein. Die vier Tunnel zeigen, wie Gesteinsbohrungen, Verkehrsplanung und Sicherheitssysteme kleine Gemeinschaften verbinden können, selbst wenn Berge, Fjorde und das Meer ihre Bewohner trennen.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen