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CSA Feuerwehr: Auswahl, Normen und Übungen für den Gefahrstoffeinsatz

Feuerwehrmann in gelber Schutzkleidung und Helm bereitet Atemschutzgerät vor, Handschuhe und Funkgerät auf Tisch.

Bei Einsätzen mit Gefahrstoffen zählt der Chemikalienschutzanzug (CSA) zur Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) der Feuerwehr. Er bewahrt seine Träger nicht allein vor chemischen Risiken, sondern auch vor biologischen, radiologischen und nuklearen (CBRN) Gefahren. Wir erläutern, welche CSA für die Feuerwehr verfügbar sind, welche Anforderungen sie erfüllen müssen und wie Ihr die Ausbildung mit den Anzügen in Eurer Feuerwehr gestalten könnt.

Inhaltsverzeichnis

  • Die passenden CSA für die Feuerwehr
  • Auswahl des CSA nach Aufgabe der Feuerwehr
  • Spritzschutzanzüge im Überblick
  • Gasdichter Chemikalienschutzanzug für Notfallteams
  • CSA Typ 1a: der häufigste Feuerwehr-Einsatzanzug
  • Normen und Vorschriften für CSA Feuerwehr
  • Sinnvolle Übungen im CSA Feuerwehr
  • CSA Feuerwehr korrekt anlegen
  • Kommunikation spielerisch trainieren
  • CSA-Übung: Notfallszenarien trainieren
  • Die passenden CSA für die Feuerwehr

Alarm für die Feuerwehr: Auf einer Landstraße hat sich ein Gefahrgutunfall ereignet. Aus einem Gefahrguttransporter tritt eine unbekannte Flüssigkeit aus. Welche Persönliche Schutzausrüstung ist nun erforderlich? Wir zeigen, welche CSA Ihr bei einem ABC-Einsatz tragen müsst.

ABC-Gefahrstoffe – atomare, biologische und chemische Stoffe – können Einsatzkräfte erheblich gefährden. Deshalb sind bei der Feuerwehr besondere Schutzvorkehrungen notwendig. Neben Atemschutzgeräten haben insbesondere Chemikalienschutzanzüge (CSA) eine zentrale Bedeutung. Diese Persönliche Schutzausrüstung soll verhindern, dass Gefahrstoffe in den Körper gelangen (Inkorporation), und eine äußerliche Belastung durch Gefahrstoffe (Kontamination) bestmöglich begrenzen.

Für die Wahl geeigneter Schutzkleidung lohnt sich ein genauer Blick auf die jeweils zu erwartenden Einsatzrisiken. Im Chemiebereich zählen dazu gefährliche Gase, Dämpfe und Flüssigkeiten, Explosionsrisiken und Stichflammen sowie sehr hohe oder sehr niedrige Temperaturen. Die Schutzkleidung muss Feuerwehrangehörige möglichst wirksam vor diesen Gefahren schützen, darf ihre Beweglichkeit jedoch nicht übermäßig einschränken. Auch die Kosten der Feuerwehrbekleidung sind bei der Beschaffung ein entscheidendes Kriterium.

Auswahl des CSA nach Aufgabe der Feuerwehr

Tätigkeiten im ABC-Einsatz, die spezielle Schutzkleidung verlangen, lassen sich im Wesentlichen drei Bereichen zuordnen:

  1. Arbeiten und Rettungsmaßnahmen unmittelbar im Gefahrenbereich bei sehr hohem Gefährdungspotenzial
  2. Mess- und Überwachungsaufgaben an der Grenze des Gefahrenbereichs bei überschaubarem Gefährdungspotenzial
  3. Tätigkeiten mit niedrigem Gefährdungspotenzial, etwa die Dekontamination

Ein Dekontaminations-Trupp, der beim Auskleiden dekontaminierter CSA-Träger hilft, benötigt folglich andere Schutzkleidung als ein Trupp, der Rettungsarbeiten in austretenden Gefahrstoffdämpfen zwischen scharfkantigen Teilen eines verunfallten Lkw ausführt.

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Von den in der Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 500 „Einheiten im ABC-Einsatz“ aufgeführten Schutzkleidungsarten werden bei ABC-Einsätzen vor allem Körperschutz Form 2 – Schutzanzüge gegen Kontamination durch feste sowie teilweise flüssige Gefahrstoffe – und Körperschutz Form 3 – Schutzanzüge gegen Kontamination durch flüssige und gasförmige Stoffe – verwendet.

Körperschutz Form 1 dient dazu, eine Kontamination durch feste Partikel zu vermeiden. Er setzt sich aus der Schutzkleidung für die Brandbekämpfung und einer Kontaminationsschutzhaube zusammen. Er ist beispielsweise für Strahlenschutzeinsätze vorgesehen oder für Lagen, bei denen das thermische Risiko höher einzustufen ist als eine mögliche Kontamination.

Besteht eine Gefährdung durch bekannte feste oder flüssige Gefahrstoffe, setzt die Feuerwehr normalerweise Anzüge des Körperschutzes Form 2 ein – vorausgesetzt, das Risiko für die Träger kann damit praktisch ausgeschlossen werden. Häufig handelt es sich dabei um flüssigkeitsdichte Schutzanzüge nach DIN EN 14605:2009, Typ 3 (siehe Kasten „Normen und Vorschriften für CSA Feuerwehr“). Im Vergleich zu gasdichten CSA sind diese Anzüge wesentlich dünner, leichter und beweglicher. Üblicherweise lassen sie sich mit Filter oder Pressluftatmer und Vollmaske kombinieren. Das verringert die Belastung der Einsatzkräfte und verlängert mögliche Einsatzzeiten. Zudem kosten flüssigkeitsdichte Anzüge deutlich weniger als gasdichte CSA.

Spritzschutzanzüge im Überblick

Bei geringeren Gefährdungen, für die kein Chemikalienschutzanzug erforderlich ist, genügen Spritzschutzanzüge. Gerade bei diesen Anzugtypen sollten Feuerwehren darauf achten, dass eine Zulassung für A-, B- und C-Gefahren vorliegt. Dann kann derselbe Anzug bei allen Einsatzszenarien eingesetzt werden. Maßgebliche Normen sind:

  • DIN EN 1073-2 „Schutzkleidung gegen radioaktive Kontamination – Teil 2: Anforderungen und Prüfverfahren für unbelüftete Schutzkleidung gegen radioaktive Kontamination durch feste Partikel“
  • DIN EN 14126 „Schutzkleidung – Leistungsanforderungen und Prüfverfahren für Schutzkleidung gegen Infektionserreger“
  • DIN EN 14605 (siehe Kasten „Normen und Vorschriften CSA“; sie gilt für Form-2-Anzüge, während Form-3-Anzüge in EN 943 geregelt sind)

„Bei den meisten ABC-Einsätzen der Feuerwehr lässt sich die Gefahr, die von einem austretenden Stoff ausgeht, zunächst einmal gar nicht abschätzen“, sagt Branddirektor Dr. Volker Ruster, Chemiker und Leiter der Analytischen Task Force (ATF) bei der BF Köln. „In solchen Situationen ist die größtmögliche Gefahr anzunehmen und der maximale Schutz zu wählen. Deshalb müssen die Einsatzkräfte schon für die Erkundung durch einen gasdichten CSA gegen Flüssigkeiten und Gase geschützt sein.“

Gasdichter Chemikalienschutzanzug für Notfallteams

Die in der FwDV 500 als Körperschutz Form 3 bezeichneten Schutzanzüge sind in DIN EN 943-2 mit den „Leistungsanforderungen für gasdichte (Typ 1) Chemikalienschutzanzüge für Notfallteams (ET)“ beschrieben und entsprechend dieser Norm zugelassen. Sowohl DIN EN 943-2 als auch die bei CSA häufig angeführte BG-Regel 189 „Benutzung von Schutzkleidung“ unterscheiden zwischen Typ 1a mit innen getragener Atemluftversorgung und Typ 1b mit außenliegender Atemluftversorgung. Für Feuerwehren in Deutschland ist darüber hinaus die Zulassung nach vfdb-Richtlinie 08-01 erforderlich.

CBRN-Schutz in der Gefahrenabwehr

Gezieltes Handeln bei CBRN-Gefahren: Einsatzkräfte von Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Polizei sehen sich immer wieder CBRN-Gefahren gegenüber.

Gasdichte Schutzanzüge nach DIN EN 943-2 und vfdb 08-01 gehören zur Ausstattung fast aller ABC-Einheiten deutscher Feuerwehren. Die Hersteller bieten zahlreiche Modelle an. Gerade diese große Auswahl macht es notwendig, bestimmte Besonderheiten sorgfältig zu berücksichtigen.

Auch bei Anzügen mit Zulassung nach DIN EN 943-2 und vfdb 08-01 bestehen deutliche Unterschiede bei Beständigkeit und Schutzwirkung. Grundsätzlich wird zwischen wiederverwendbaren CSA und CSA für den begrenzten Einsatz unterschieden.

Entscheidend dafür ist der Materialaufbau. Wiederverwendbare CSA bestehen häufig aus mehreren Schichten reißfester Textilien, speziellen chemikalienbeständigen Kunststofffolien und Hochleistungselastomeren. Anzüge für den begrenzten Einsatz können dagegen mitunter lediglich aus einer einzigen Kunststofffolie gefertigt sein.

Die unterschiedliche chemische und mechanische Widerstandsfähigkeit entscheidet zunächst darüber, ob ein CSA nach dem Einsatz entsorgt werden muss oder erneut verwendet werden kann. Bei Anzügen für den begrenzten Einsatz sind zwei Punkte wichtig: Wie der Name bereits sagt, können sie nur eingeschränkt oft wieder eingesetzt werden, einige Modelle sogar nur einmal. Darüber hinaus sind sie ausschließlich für Feuerwehrtätigkeiten mit geringem Gefährdungspotenzial vorgesehen.

Die vfdb-Richtlinie 08-01 grenzt die vorgesehenen Aufgaben begrenzt einsetzbarer Chemikalienschutzanzüge konkret auf das „Absperren und Überwachen von Gefahrenbereichen beziehungsweise Aufspüren und Messen von ABC-Gefahrstoffen“ ein. Allen diesen Tätigkeiten ist gemeinsam, dass nur eine geringe mechanische Beanspruchung zu erwarten ist.

Fachkunde Gefahrstoffe

Erwerbe die nach Gefahrstoffverordnung geforderte Fachkunde: Wer eine Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen erstellt, muss gemäß § 6 Gefahrstoffverordnung Fachkunde nachweisen können.

Gasdichte CSA für den begrenzten Einsatz, die ohne mechanische Belastung bei Messaufgaben verwendet werden, eignen sich nicht für Arbeiten direkt im Gefahrenbereich. Das betrifft beispielsweise das Retten, Abdichten oder Umpumpen. Das Risiko einer Beschädigung durch scharfe Kanten oder extreme Temperaturen – und damit einer Verletzung des CSA-Trägers – wäre zu groß.

Zu den Stärken von Chemikalienschutzanzügen für den begrenzten Einsatz gehören die niedrigen Anschaffungskosten und das geringe Packmaß. Ihr dünneres Material senkt zudem das Gewicht und verbessert die Bewegungsfreiheit der Anzugträger. Damit können sie wiederverwendbare CSA sinnvoll ergänzen.

CSA Typ 1a: der häufigste Feuerwehr-Einsatzanzug

Als „Universalwaffe“ der Feuerwehren gilt dennoch der wiederverwendbare, auch „schwere“ genannte, gasdichte Chemikalienschutzanzug. Er schützt Einsatzkräfte vor den gefährlichsten Stoffen. Neben einer möglichst hohen chemischen und mechanischen Beständigkeit halten einige Modelle auch Stichflammen und extrem kalten Substanzen wie verflüssigtem Ammoniak stand. Feuerwehren nutzen in der Regel wiederverwendbare CSA Typ 1a mit innen getragener Atemluftversorgung.

GAMS-Regel hilft beim Gefahrgutunfall

Bei Einsätzen in explosionsfähiger Atmosphäre sind die elektrostatischen Eigenschaften der Anzüge zu berücksichtigen. Ausschlaggebend ist die Erfüllung der europäischen ATEX-Produktrichtlinie 94/9/EG zum Explosionsschutz. Zwar formuliert die Richtlinie keine besonderen Anforderungen an CSA, Hersteller können ihre Anzüge jedoch nach ihr prüfen lassen. Praktisch sind außerdem außen angebrachte Befestigungsösen für Ausrüstung sowie für die Rettung verunfallter CSA-Träger.

Eine externe Atemluftversorgung und die Belüftung von Schutzanzügen werden zunehmend wichtiger. In Österreich ist dies bereits seit Langem üblich. In Deutschland wurden diese Systeme wegen ihrer vermeintlichen Komplexität und der zusätzlichen Kosten lange nicht akzeptiert.

„Spätestens seit der wachsenden Gefahr durch B-Einsätze (biologische Gefahren) und den damit verbundenen längeren Dekontaminations-Zeiten ist dieser Zugewinn an Sicherheit aber nicht mehr wegzudenken“, betont Tilo Funk, Leiter der Werkfeuerwehr Behring in Marburg (HE) und Kreisbrandmeister Allgemeine Hilfe/Gefahrgut des Kreises Marburg-Biedenkopf. „Die externe Luftversorgung dient – entsprechend der vfdb-Richtlinie – der Verlängerung der Einsatzzeit am Dekontaminationsplatz.“ Die reguläre Einsatzzeit von CSA-Trägern mit Pressluftatmern (PA) beträgt nämlich lediglich 20 Minuten. Für ihre Chemikalienschutzanzüge bieten Hersteller meist Luftzuführungseinrichtungen als Zusatzausstattung an.

Gefahrgut auf der Straße – wer macht was

Absender, Verlader, Fahrzeugführer: Wer trägt welche Verantwortung? Beim Gefahrguttransport fällt es selbst Praktikern oft schwer, die umfangreichen Verantwortlichkeiten voneinander abzugrenzen und Funktionen sowie Aufgaben im Überblick zu behalten.

Welchen Anzug eine Feuerwehr beschafft, muss sie letztlich auf Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung festlegen. Mit Richtlinie 08-05 hat die vfdb dazu eine Empfehlung veröffentlicht. Sie dient deutschen Feuerwehren als Leitfaden für die Gefährdungsbeurteilung und die abschließende Auswahl.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, auf Erstangriffsfahrzeugen und Gerätewagen-Gefahrgut aufgrund der höheren mechanischen Anforderungen wiederverwendbare gasdichte CSA mitzuführen. Für Messfahrzeuge kommen – abhängig vom Einsatzaufkommen – entweder wiederverwendbare Chemikalienschutzanzüge oder CSA für den begrenzten Einsatz infrage.

Normen und Vorschriften für CSA Feuerwehr

  • ATEX (siehe Richtlinie 2014/34/EU)
  • BGR 189 „Benutzung von Schutzkleidung“ (Berufsgenossenschaftliche Regel)
  • BS 8467 „Schutzkleidung. Persönliche Schutzausrüstung gegen chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahrstoffe. Klassifizierung, Leistungsanforderungen und Prüfverfahren“ (British Standards)
  • DGUV Information 205-014 „Auswahl von persönlicher Schutzausrüstung für Einsätze bei der Feuerwehr – Basierend auf einer Gefährdungsbeurteilung“, September 2016
  • DIN EN 943-2:2019-06 „Schutzkleidung gegen gefährliche feste, flüssige und gasförmige Chemikalien, einschließlich Flüssigkeitsaerosole und feste Partikel – Teil 2: Leistungsanforderungen für Typ 1 (gasdichte) Chemikalienschutzkleidung für Notfallteams (ET)“, Deutsche Fassung EN 943-2:2019
  • DIN EN 14605 „Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien – Leistungsanforderungen an Chemikalienschutzanzüge mit flüssigkeitsdichten (Typ 3) oder spraydichten (Typ 4) Verbindungen zwischen den Teilen der Kleidung, einschließlich der Kleidungsstücke, die nur einen Schutz für Teile des Körpers gewähren (Typen PB [3] und PB [4])“, Deutsche Fassung EN 14605:2005+A1:2009
  • FwDV 500 „Einheiten im ABC-Einsatz“
  • NFPA 1991 „Norm für gasdichte Schutzanzüge bei Gefahrstoff-Notfällen“ (National Fire Protection Association, USA)
  • Richtlinie 2014/34/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Februar 2014 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen (ATEX-Produktrichtlinie)
  • SOLAS II-2 „Internationales Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See, Kapitel II-2 – Brandschutz, Branderkennung und Brandbekämpfung“
  • vfdb-Richtlinie 08-00 „Voraussetzungen und Verfahren zur Eignungsfeststellung von persönlicher Schutzausrüstung für Einsatzaufgaben bei deutschen Feuerwehren“
  • vfdb-Richtlinie 08-10 „Auswahl von Persönlicher Schutzausrüstung auf der Basis einer Gefährdungsbeurteilung für Einsätze bei deutschen Feuerwehren“
  • vfdb-Richtlinie 08-20 „Zusatzausrüstung an Persönlicher Schutzausrüstung der Feuerwehr“

„DIN EN“ bezeichnet jeweils die deutsche Ausgabe der entsprechenden „EN“ – der Europäischen Norm –, die vom Deutschen Institut für Normung (DIN) herausgegeben wird. Sämtliche DIN- und EN-Normen, vfdb-Richtlinien sowie NFPA- und BS-Regelwerke sind beim Beuth Verlag erhältlich.

Text: Nicolai Gäding und Michael Rüffer

Träger von Chemikalienschutzanzügen (CSA) müssen jährlich eine Übung unter Einsatzbedingungen absolvieren. Es genügt dabei nicht, den CSA lediglich einmal anzuziehen und wieder abzulegen. Doch wie lässt sich eine abwechslungsreiche Übung gestalten? Wir stellen Euch Beispiele vor.

Die Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 7 schreibt eine jährliche Übung für potenzielle CSA-Träger vor. Diese sollte möglichst realitätsnah unter Einsatzbedingungen stattfinden. Ziel ist es, sich im Chemikalienschutzanzug sicher zu bewegen und erforderliche Handgriffe zu trainieren. Für die Ausbildung von CSA-Trägern empfehlen wir die folgenden Übungsmodule.

CSA Feuerwehr korrekt anlegen

Ein Gefahrguteinsatz folgt einer strengen Raumordnung, die bereits beim Anlegen eines CSA beginnt. Um Fehler auszuschließen und die Belastung für die Anzugträger zu verringern, sollte ein Ankleideplatz eingerichtet werden. Viele Feuerwehren nutzen dafür ein luftgestütztes Zelt oder den Heckbereich eines Abrollbehälters Gefahrgut. Dort werden sämtliche benötigten Ausrüstungsgegenstände bereitgelegt. Erst wenn alles vollständig vorhanden ist, beginnt das Anlegen des Anzugs. Hilfreich ist ein laminiertes Blatt mit einer Fotoserie der erforderlichen Ausrüstung.

Gefahrgut Ersteinsatz

Gefahrbuch-Ersteinsatz als praktische Soforthilfe für Einsatzleiter: Die Kerninhalte des Gefahrgut-Ersteinsatzes basieren auf dem „Leitfaden für Notfallmaßnahmen“.

Unbedingt einzuhalten ist die Aufgabenteilung zwischen Anzugshelfer und CSA-Träger. Der Anzugshelfer kontrolliert den CSA sichtbar und bereitet ihn zum Einstieg vor, während der CSA-Träger das Atemschutzgerät prüft und anlegt. Um die Sicht und damit die Sicherheit zu verbessern, können die Innenscheibe des Anzugs und die Außenscheibe des Atemanschlusses mit Klarsichtmittel aus dem Motorradbereich behandelt werden. Andernfalls lassen sich zum Wischen die Baumwollunterziehhandschuhe verwenden.

Vor dem Einsatz ist die Sprechfunkverbindung zu prüfen. Der Lungenautomat sollte erst an der Grenze des Gefahrenbereichs angeschlossen werden, damit für die Arbeiten dort der größtmögliche Luftvorrat bereitsteht.

Kommunikation spielerisch trainieren

Jeder CSA-Träger muss mit einem Handsprechfunkgerät ausgestattet sein. Doch was passiert, wenn diese Technik ausfällt? Um sich darauf vorzubereiten, kann das bekannte Kinderspiel „Stille Post“ eingesetzt werden. Dazu wird eine Lage, etwa ein Erkundungsergebnis, auf eine Karteikarte geschrieben. Der erste CSA-Träger übermittelt die Information an den nächsten. Dies lässt sich über mehrere Stationen fortsetzen.

Passend dazu kann die präzise und knappe Beschreibung einer vorgefundenen Lage geübt werden. Beispielsweise wird eine Situation mit Bauklötzen aufgebaut, oder der CSA-Trupp errichtet die Konstruktion selbst. In einem anderen Raum oder im Einsatzleitwagen befinden sich weitere Feuerwehrangehörige, die das Bauwerk mit denselben Klötzen nachbauen müssen. Ein Vergleich beider Konstruktionen zeigt, ob die Kommunikation vollständig und fehlerfrei funktioniert hat.

Feuerwehrübungen: Beispiele, Ideen und Vorschläge

Ein weiterer bewährter Klassiker ist das Buchstabieren von Chemikaliennamen. Damit CSA-Träger dabei wirklich gefordert werden, sollten lange und komplizierte Begriffe gewählt werden. Wie wäre es mit Pentamethylenamin, Methylaluminiumsesquibromid oder anderen?

CSA-Übung: Notfallszenarien trainieren

Als Notfallsituationen nennt die FwDV 500 „Einheiten im ABC-Einsatz“ eine Beschädigung des CSA, Atemluftmangel oder Verletzungen, die sofort behandelt werden müssen. Auf solche Ereignisse muss angemessen reagiert werden. Grundsätzlich ist zunächst eine Mayday-Meldung abzusetzen, damit alle am Einsatz Beteiligten über den Notfall informiert sind. Anschließend soll der CSA-Trupp, sofern möglich, umgehend die Dekon-Stelle aufsuchen.

Das Chemiewissen für die Feuerwehr

Chemie verstehen: Chemische Sachverhalte, die in Feuerwehr-Lehrgängen vermittelt werden, stehen oftmals als isolierte Fakten nebeneinander.

Bei Atemluftmangel kann der CSA-Träger den Lungenautomaten vom Atemanschluss trennen und aus dem Anzug atmen. An der Dekon-Stelle erfolgt die Umstellung auf umluftabhängigen Atemschutz, beispielsweise mit einem ABEK2P3-Filter.

Für verunglückte CSA-Träger gibt es sehr unterschiedliche Rettungsmöglichkeiten: Krankentrage, Steckleiterteile, Schleifkorbtrage, Rettungstuch, Spineboard, Rettungsmulde und CSA-Transportwanne. Die bei der jeweiligen Feuerwehr verfügbaren Optionen müssen bekannt sein und regelmäßig trainiert werden. Dabei ist der Sicherheit des verunfallten CSA-Trägers besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Einsatztaktisches Vorgehen üben

Nicht jede Feuerwehr mit der Sonderaufgabe CBRN – chemisch, biologisch, radiologisch und nuklear – verfügt über einen Gerätewagen Gefahrgut oder einen passenden Abrollbehälter. Die folgenden Übungen lassen sich deshalb auch mit einem Löschfahrzeug darstellen. Bei allen Übungen muss darauf geachtet werden, dass CSA-Träger nicht knien, weil dies eine Kontamination oder sogar eine Perforation des Anzugs verursachen könnte.

So könnt Ihr beispielsweise aus einer vierteiligen Steckleiter und Seilschlauchhaltern oder Feuerwehrleinen einen Auffangbehälter bauen lassen. Die einzelnen Leiterteile werden dazu hochkant zu einem Viereck verbunden. Anschließend wird lediglich noch eine Plane eingelegt. Baut der CSA-Trupp diese Vorrichtung selbst im Gefahrenbereich auf, trainiert er zugleich die Fingerfertigkeit. Auch als Ring ausgelegte Saugschläuche können eine behelfsmäßige Auffangmöglichkeit bilden.

Fachkunde Gefahrstoffe

Erwerbe die nach Gefahrstoffverordnung geforderte Fachkunde: Wer eine Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen erstellt, muss gemäß § 6 Gefahrstoffverordnung Fachkunde nachweisen können.

Das Niederschlagen von Dämpfen zählt ebenfalls zu den Standardmaßnahmen. Mit CSA wird allerdings bereits der Bau eines sogenannten Hilfsmonitors oder der Aufbau eines Wasserwerfers einschließlich der Schlauchleitungen zur anspruchsvollen Aufgabe. Besonders herausfordernd ist es, ein leckgeschlagenes Fass ohne Gabelstapler und Fassbergegeschirr von der Ladefläche eines Lkw herunterzubringen: Mit einer Steckleiter als schiefer Ebene, zwei Feuerwehrleinen und dem Fass als loser Rolle lässt sich auch beim Gefahrguteinsatz in die mechanische Trickkiste greifen. Zur Sicherung neben der schiefen Ebene kann ein zweiter Trupp eingesetzt werden. Gegebenenfalls ist die Steckleiter gegen Durchbrechen zu unterbauen.

Ablegen des Anzugs nur nach Dekon

Nach Abschluss der Arbeiten muss der CSA-Träger den Anzug wieder verlassen. Daher sollte jede Ausbildungseinheit auch den Bereich Dekontamination einschließen. Besonders wichtig ist dabei die Arbeitsweise nach dem Prinzip „Saubermann“ und „Schmutzmann“.

Technik-Taktik-Einsatz: Einsatzhygiene

So vermeidest Du, dass hochgiftige Kontaminationen vom Einsatzort weitergetragen werden: Damit Feuerwehrkrebs keine Chance hat. „Das Feuer ist mit den Jahren giftiger und krebserregender geworden, der Dreck auf unserer Kleidung und Ausrüstung ist kein normaler Dreck.“

Der „Schmutzmann“ berührt den CSA ausschließlich an der Außenseite, damit keine Kontamination in das Anzugsinnere oder an den Träger gelangt. Nachdem der „Schmutzmann“ den Reißverschluss geöffnet hat, wechselt er auf die dem Reißverschluss abgewandte Seite und schafft Platz für den „Saubermann“. Danach wird der CSA gemeinsam ausgezogen. Dabei darf der Anzug nicht umklappen und mit seiner verschmutzten Außenseite den CSA-Träger kontaminieren.

In dieser Lage kann auch der Wechsel von umluftunabhängigem zu umluftabhängigem Atemschutz mit ABEK2P3-Filter trainiert werden. Das ist nötig, wenn der Luftvorrat im Atemschutzgerät für die Dekontamination nicht mehr genügt. Beim Wechsel muss der CSA-Träger tief einatmen, kurz die Luft anhalten und nach dem abgeschlossenen Wechsel kräftig ausatmen. Danach legt der CSA-Träger den Anzug endgültig ab. Geschafft.

Text: Stephan Seibel, Gefahrgut-Experte Feuerwehr

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