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Ölsperren für die Feuerwehr: Beschaffung und Einsatz richtig planen

Zwei Feuerwehrleute an einem Fluss installieren eine schwimmende orangefarbene Barriere bei Sonnenlicht.

Alarmierung mit dem Einsatzstichwort „Öl auf Gewässer“: Ein Umweltschaden steht bevor. Mithilfe von Ölsperren kann die Feuerwehr verhindern, dass sich der Gefahrstoff weiter ausbreitet. Was bei Beschaffung und Einsatz zu beachten ist.

Grüne Ufer, Fische im Wasser und eine Entenfamilie auf ihrem morgendlichen Ausflug: ein Fluss irgendwo in Deutschland. Dann fließt plötzlich eine Substanz aus einem Abwasserkanal ein, die das idyllische Bild rasch beeinträchtigen wird. Das Wasser ist mit Heizöl verunreinigt, die Ursache unbekannt. Ein Spaziergänger entdeckt die Verunreinigung und wählt mit seinem Mobiltelefon den Notruf. Die Leitstelle alarmiert die Ölwehr des Landkreises.

Der Ölfilm ist 50 Meter lang, 7 Meter breit und treibt langsam flussabwärts. Für die Feuerwehr bedeutet das zunächst, an einem geeigneten Einschwimmpunkt Ölsperren auszubringen. Idealerweise stehen dafür Sperren bereit, die auf die Eigenschaften des jeweiligen Flusses abgestimmt sind.

„Schon bei der Beschaffung von Ölsperren wird viel falsch gemacht“, sagt Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Schemmel, Abteilungsleiter Sonderausbildung mit den Sachgebieten Umwelt, Atemschutz und Brandübungshaus sowie Strahlenschutz- und Gefahrgutbeauftragter an der Staatlichen Feuerwehrschule (SFS) Würzburg (BY). „Oft werden Fließgeschwindigkeit, Breite und Tiefe des jeweiligen Gewässers nicht berücksichtigt. Feuerwehren sollten sich daher vor einer Beschaffung gut informieren und die Beratung eines Fachmanns in Anspruch nehmen.“

Bei der Auswahl einer Ölsperre muss zunächst die Art des Gewässers bestimmt werden. Dass sich eine Küsten-Ölsperre mit großer Eintauchtiefe nicht für einen Bach eignet, liegt auf der Hand. Verengt die Sperre in einem flachen Fließgewässer den unter ihr verbleibenden Restquerschnitt zu stark, steigt die Fließgeschwindigkeit unter der Sperre erheblich an. Das Öl wird dann unter der Sperre hindurchgedrückt. Die verbleibende Wassertiefe unter der Ölsperre sollte daher weiterhin ein Drittel der gesamten Gewässertiefe betragen.

Das ist ebenso bei der Wahl der Sperrstelle zu berücksichtigen. Geeignete Bereiche an Fließgewässern im Einsatzgebiet sollten möglichst bereits im Vorfeld erkundet und im Kartenmaterial der Feuerwehr verzeichnet sein. Einsatzkräfte müssen dem Ölfilm dann nicht folgen, sondern können ihn an den festgelegten Sperrstellen abfangen.

Einsatz von Ölsperren: Fließgeschwindigkeit berücksichtigen

Bei der Beschaffung von Ölsperren kommt es außerdem auf die passende Länge an. Sie richtet sich nicht allein nach der Gewässerbreite, sondern ebenso nach der Fließgeschwindigkeit. Je schneller das Wasser strömt, desto länger muss die Ölsperre ausfallen. Denn die Anströmgeschwindigkeit senkrecht zur Sperre sollte etwa 0,3 Meter pro Sekunde nicht überschreiten.

Damit dies auch bei starker Strömung gelingt, muss die Ölsperre in einem entsprechend spitzen Winkel eingebracht werden und deshalb länger sein. Trifft das Wasser schräg auf die Sperre, sinken sowohl die Anströmgeschwindigkeit als auch die auf das System wirkenden Kräfte.

Nicht nur die Sperre, sondern auch ihre Befestigungspunkte – etwa Erdanker – müssen hohen Zugkräften standhalten. „Als Grundsatz gilt, dass Sperren in Fließgewässern auf keinen Fall rechtwinklig zum Ufer eingebracht werden dürfen“, so Schemmel.

Mehrere hintereinander ausgebrachte Sperren können das Öl noch wirkungsvoller zurückhalten. Zwischen den nacheinander angeordneten Ölsperren sollte jedoch ein Abstand von mindestens sechs Metern liegen. Auf dieser Strecke kann Öl, das eine Sperre unterwandert hat, wieder an die Oberfläche gelangen und von der folgenden Sperre aufgefangen werden.

„Oft wird der Schutz des Uferbereichs von Binnengewässern vernachlässigt“, gibt Umweltexperte Schemmel zu bedenken. „Wer beispielsweise die Ölsperre an einem zu hohen Haltepunkt befestigt, riskiert das Unterwandern der Sperre am Ufer.“

Zusätzliche Ölsperren und Vliese können das Ufer schützen und verhindern, dass Öl in die Uferbefestigung eindringt. Grundsätzlich sollte das Öl zu dem Ufer mit der geringeren Fließgeschwindigkeit geleitet werden, damit es dort mit einem Skimmer aufgenommen werden kann.

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Ölsperren: Flosse oder Zaun?

Als schwimmende Ölsperren setzen Feuerwehren überwiegend Tauchwandsperren ein. Sie bestehen entweder aus schlauchförmigen Schwimmkörpern mit einer beschwerten „Kielflosse“ oder aus Sperrwänden mit integrierten beziehungsweise außen angebrachten Auftriebskörpern und Gewichtselementen.

Zur zweiten Bauart zählen beispielsweise die sogenannten „Fence Boom“-Konstruktionen, wobei Fence das englische Wort für Zaun und Boom für Sperre ist. Dabei handelt es sich um Sperrwände mit flachem Körper und Auftriebselementen, die entweder selbsttragend sind oder über die gesamte Höhe ausgesteift werden.

Als Vorteil dieser Systeme gilt ihre hohe Verwindungssteifheit bei strömendem Wasser. Hersteller von Sperren mit zylindrischem Auftriebskörper und Kielflosse verweisen dagegen auf deren besonders stabile Schwimmlage. Einige Unternehmen führen Ausführungen nach beiden Prinzipien.

Die Auftriebskörper schwimmender Sperren sind mit Luft, Luftschaum oder leichtem Kunststoff gefüllt. Luftgefüllte Varianten benötigen bei Lagerung und Transport zwar weniger Platz als vergleichbare Festkörperausführungen. Vor dem Einsatz müssen sie jedoch zunächst befüllt werden. Häufig bieten Hersteller dasselbe Modell sowohl mit Festkörperfüllung als auch als luftgefüllte Version an.

Einzelne Sperrensegmente können starr ausgeführt sein und sich über passende Gelenke anpassen lassen oder aus flexiblem Material bestehen. Durch das Verbinden mehrerer Segmente kann die Sperrenlänge variiert werden.

Eine besondere Lösung sind Systeme, bei denen sich Standard-Rollschläuche mit Zubehör zu Ölsperren umbauen lassen. Zwei luftgefüllte Schläuche bilden dabei die Auftriebseinheit, während ein mit Wasser gefüllter Schlauch für den notwendigen Tiefgang sorgen soll. Die Schläuche werden miteinander verschnürt und anschließend zu Wasser gelassen.

Ein entsprechendes System führt beispielsweise die Firma Vetter. Solche Konstruktionen sind für Feuerwehren ohne spezielle Ölwehrausstattung vorgesehen, lassen sich jedoch nicht mit fertig konfektionierten Ölsperren gleichsetzen. „Aus unserer Sicht nur eine Notlösung mit hohem Aufwand und zweifelhaftem Erfolg“, so Schemmel.

Aktives oder passives System?

Ölsperren, die ausschließlich eine absperrende Funktion haben, werden passive Systeme genannt. Nach einer entsprechenden Reinigung können sie mehrfach verwendet werden. „Allerdings auch nicht unbegrenzt“, warnt der Würzburger Ausbilder. „Einige Ölsperren füllen sich konstruktionsbedingt mit Wasser. Dadurch kann Öl beispielsweise in die Schwimmkörper gelangen und von dort nicht mehr entfernt werden.“

Neben passiven Sperren sind auch aktive ölbindende Sperren erhältlich, die als Absorber- oder Sorbentsperren bezeichnet werden. Nach einmaligem Einsatz müssen sie ersetzt oder erneut mit Bindemittel bestückt werden. Nach Herstellerangaben sind sie „bedingt wiederverwendbar“, wenn sie nach dem Einsatz ausgewrungen werden. Diese Systeme eignen sich für den Schnelleinsatz oder für Restölmengen. Solche Lösungen bieten beispielsweise Hellmann Verpackungssysteme (www.x-oil.de) sowie RAW Handel und Beratungs GmbH an.

Für den stationären Einsatz in Häfen und Industrieanlagen sind Druckluft-Ölsperren vorgesehen, etwa von Hydrotechnik Lübeck. Ihr Konstruktionsprinzip: Über ein fest installiertes Düsenrohr wird Luft nach oben eingeblasen; die dadurch erzeugten Verwirbelungen und der Wassersattel an der Oberfläche verhindern, dass das Öl weiterdriftet. [6375]

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Lehrfilm zum richtigen Einbringen einer Ölsperre

Würzburg (BY) – Die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg (SFSW) hat den Lehrfilm „Einbringen einer Ölsperre“ veröffentlicht. In dem rund 4-minütigen Film demonstrieren Einsatzkräfte die korrekte Vorgehensweise.

Die SFSW behandelt in ihrem Lehrfilm folgende Punkte: Einsatzvorbereitung, Vorbereitung der Ölsperre an Land, Einbringen der Ölsperre mit dem Motorboot, Uferschutz, Eingieren der Ölsperre ins Wasser, Befestigung der Ölsperre am gegenüberliegenden Ufer, Anbringen des Zugseils an der Ölsperre, Abkuppeln des Zugbootes und Mopmatic-Wringer.

Das Video ist mit Musik hinterlegt und enthält Texteinblendungen. Es kann unmittelbar auf YouTube, auf feuerwehr-lernbar.bayern – dem Portal für Ausbildungsmedien der Feuerwehrschulen in Bayern – oder hier angesehen werden.

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