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China: Seltene Erden setzen die globale Autoproduktion unter Druck

Silberner futuristischer Sportwagen in modernem Ausstellungsraum mit Kunstwerken auf Glasvitrinen.

„Wir werden in erhebliche Schwierigkeiten geraten.“ Mit diesen Worten warnte Sam Abuelsamid, Vizepräsident für Marktforschung bei Telemetry, vor den Folgen der von China verhängten Exportbeschränkungen für Seltene Erden, falls keine internationale Einigung erzielt wird.

Die Lage ist ernst: Die Automobil- und Zulieferindustrie in mehreren Teilen der Welt schlägt bereits Alarm. An verschiedenen Produktionslinien kommt es schon zu Störungen, einige wurden sogar stillgelegt.

CLEPA (Europäischer Verband der Automobilzulieferer) und MEMA (US-Verband der Hersteller von Ausrüstung und Komponenten) fordern rasche Entscheidungen. „Bleibt die Situation ungelöst, wird das Besorgnisniveau deutlich steigen“, warnte der US-Verband.

Was passiert gerade?

Seit Anfang April beschränkt China als direkte Reaktion auf die von den USA angekündigten Zölle die Ausfuhr von Seltene-Erden-Mineralien in die Vereinigten Staaten. Seither wurden bei den chinesischen Behörden Hunderte Anträge auf Exportlizenzen eingereicht, doch nur etwa ein Viertel davon soll genehmigt worden sein.

Laut Reuters liegt das Genehmigungsverfahren beim Büro für industrielle Sicherheit und Import- und Exportkontrolle, einer Abteilung des chinesischen Handelsministeriums. Aus offiziellen Dokumenten geht hervor, dass dort lediglich drei leitende Verantwortliche die Anträge prüfen und freigeben.

China kontrolliert derzeit rund 70 % der weltweiten Förderung dieser Mineralien sowie 90 % der Raffineriekapazitäten. Damit nimmt das Land eine beherrschende Stellung in der globalen Lieferkette ein.

Seltene Erden sind für die Automobilindustrie unverzichtbar

Seltene-Erden-Mineralien sind für die Automobilindustrie von zentraler Bedeutung. Sie kommen in Motoren – sowohl elektrischen als auch Verbrennungsmotoren –, regenerativen Bremssystemen, Infotainmentsystemen, Sensoren und vielen weiteren Bauteilen zum Einsatz.

„Nicht nur Autos sind von diesen Mineralien abhängig. Wenn wir den Zugang zu Metallen der Seltenen Erden nicht sichern können, werden wir in sehr große Schwierigkeiten geraten“, sagte Abuelsamid gegenüber Automotive News. „Wird die Lage nicht gelöst, könnte sie eine noch größere Unterbrechung verursachen als die Chipkrise“, erklärte er.

Die Halbleiterkrise – die Chipkrise –, die 2020 begann, führte zu Engpässen, welche die Hersteller in den folgenden Jahren dazu zwangen, die Produktion mehrerer Modelle einzuschränken oder auszusetzen. Nach Angaben von AutoForecast Solutions wurden zwischen 2021 und 2023 schätzungsweise mehr als 17 Millionen Fahrzeuge aus den Produktionsplänen gestrichen.

Unternehmen prüfen eine Verlagerung der Produktion nach China

Angesichts der aktuellen Unsicherheit erwägen einige Unternehmen, Teile ihrer Fertigung nach China zu verlagern, um die vom Land auferlegten Beschränkungen zu umgehen, wie das Wall Street Journal berichtete.

Kürzlich traf sich Donald Trump, Präsident der USA, mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping und versicherte, dieser werde die Exportbeschränkungen für Seltene Erden aufheben. In der Erklärung des chinesischen Außenministeriums zu diesem Treffen fand sich jedoch kein Hinweis darauf.

Prognosen für den Rest des Jahres

Die Aussichten sind wenig ermutigend. Mathias Miedreich, Leiter der Sparte für elektrifizierte Antriebsstränge bei ZF – einem der weltweit größten Automobilzulieferer –, warnt davor, dass die globale Fahrzeugproduktion in den kommenden Monaten zurückgehen könnte.

„In Fahrzeugen stecken so viele Magnete und Seltene Erden, dass statistisch gesehen immer das eine oder andere Bauteil nicht geliefert werden kann und das Auto deshalb nicht gebaut werden kann“, sagte Miedreich.

Obwohl ZF in den meisten Fällen Exportlizenzen aus China schneller als erwartet erhalten kann, räumt der Manager ein, dass andere Unternehmen innerhalb der Lieferkette auf größere Hürden stoßen. Dadurch steigt das Risiko kritischer Versorgungsengpässe.

Der deutsche Zulieferer rechnet daher in der zweiten Jahreshälfte mit einem Rückgang der Neufahrzeugproduktion. Ausschlaggebend seien nicht nur die Engpässe bei Seltenen Erden, sondern auch ein möglicher Nachfragerückgang infolge voraussichtlich steigender Preise durch die US-Zölle.

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