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Schornstein kehren im September: Warum Holzheizungen jetzt geprüft werden müssen

Person reinigt Holztisch mit Bürste, Schutzmaske und Messgerät stehen darauf in heller Küche.

Wenn die Abende kühler werden, greifen Millionen Haushalte wieder zu den Reglern ihres Holzofens – und übersehen dabei häufig einen entscheidenden Schritt.

In ganz Europa und Nordamerika werden Holzöfen und Kamine wieder angeheizt, sobald der Sommer nachlässt. Doch vor dem ersten behaglichen Feuer der Saison muss eine rechtliche und sicherheitsrelevante Pflicht erledigt sein. Wer sie zu lange aufschiebt, riskiert hohe Kosten und ernsthafte Gefahren.

Warum Heizen mit Holz wieder beliebter wird

In den vergangenen zehn Jahren hat Holz als Heizstoff deutlich an Bedeutung gewonnen. Steigende Gaspreise, Sorgen um die Energieversorgung und der Wunsch nach grösserer Unabhängigkeit führen viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer zu Scheitholz, Pellets und Holzbriketts. Moderne Kaminöfen oder Pelletkessel können ein Haus effizient beheizen und bieten zugleich die gemütliche Flammenatmosphäre, die eine Zentralheizung kaum erzeugt.

Frankreich fördert – ebenso wie mehrere andere europäische Länder – sogar besonders effiziente Holzheizgeräte. Kennzeichnungen wie „Flamme Verte“ bescheinigen Modellen eine sauberere Verbrennung und einen geringeren Brennstoffverbrauch bei gleicher Heizleistung. Vergleichbare Effizienzlabel gibt es im Vereinigten Königreich, in den USA und in Kanada; sie lenken Käuferinnen und Käufer zu Öfen mit niedrigeren Emissionen.

Hinter der neuen Begeisterung für Holz steht jedoch ein strenges Regelwerk. Wer einen Kamin oder Ofen betreibt, muss heute mehr tun als Holz aufzuschichten und ein Streichholz anzuzünden. Es bestehen klare gesetzliche Vorgaben dazu, wer die Anlage installieren darf, wie sie instand gehalten werden muss und in welchen Abständen eine Reinigung erforderlich ist.

Regelmässiges Kehren des Schornsteins ist nicht bloss eine sinnvolle Gewohnheit. In vielen Regionen handelt es sich um eine gesetzliche Pflicht, die mit Brandschutz und Versicherungsschutz verknüpft ist.

Die gesetzliche Vorgabe: Kehren ist keine freiwillige Sache

Frankreich zeigt beispielhaft, wie Gesetzgeber inzwischen mit Holzheizungen umgehen. Ein Erlass vom Juli 2023 zur Wartung von Feuerstätten, Heizgeräten und Warmwassersystemen formuliert eine eindeutige Verpflichtung: Jeder Abgaszug, der Verbrennungsgase ableitet, muss mindestens einmal jährlich gekehrt werden.

Dies betrifft:

  • offene Kamine
  • geschlossene Kamineinsätze und Holzöfen
  • Pelletöfen und Pelletkessel
  • herkömmliche Brennstoff- oder Biomassekessel mit angeschlossenem Abgaszug

In dicht bebauten Stadtgebieten oder als besonders risikoreich eingestuften Zonen erhöht sich die Vorgabe auf zwei Kehrungen pro Jahr. Kommunale Vorschriften und Bauordnungen können zusätzliche Anforderungen festlegen, insbesondere in Innenstädten, in denen die Luftqualität bereits belastet ist.

Der Erlass verlangt ausserdem eine fachgerechte Montage. Eine zertifizierte Fachkraft muss das Gerät und den Abgaszug so einbauen, dass die Sicherheits- und Leistungsstandards erfüllt werden. Für Eigentümerinnen und Eigentümer ist diese Bescheinigung oft unmittelbar für den Versicherungsvertrag relevant. Versicherer verlangen nachvollziehbar dokumentierte Arbeiten und können entsprechende Nachweise fordern, wenn nach einem Brand ein Schaden gemeldet wird.

Was unter einem „ordnungsgemässen Kehren“ zu verstehen ist

Auf den ersten Blick klingt Kehren unkompliziert: Den schwarzen Belag aus dem Schornstein entfernen. Die technische Definition reicht jedoch weiter. Der französische Text schreibt eine „mechanische Einwirkung“ auf der gesamten Innenfläche des Abgaszugs vor. Dadurch sollen Russ und Ablagerungen entfernt und sichergestellt werden, dass der Zug von einem Ende bis zum anderen vollständig frei ist.

Dazu gehören:

  • das Bürsten des Hauptabgaszugs mit Kehrstangen und passenden Aufsätzen
  • die Reinigung der Verbindungsrohre zwischen Ofen und Schornstein
  • die Kontrolle der Abschlussteile auf dem Dach, etwa des Schornsteinkopfs
  • die Prüfung von Lüftungs- und Rauchabführungskomponenten

Eine vollständige Kehrung ist nicht nur ein kurzer Durchgang mit der Bürste. Sie ist eine Sicherheitskontrolle des gesamten Weges, den Rauch und heisse Gase aus dem Haus nehmen.

Warum September die entscheidende Frist ist

Rechtlich müssen französische Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer mindestens eine Kehrung während der Heizperiode zwischen November und März durchführen lassen. Rein formal könnte man also bis tief in den Winter warten. Praktisch ist der September jedoch der sinnvollere und sicherere Termin.

Das Risiko eines Schornsteinbrands verringern

Bei jedem Feuer bleiben etwas Russ und in manchen Fällen Kreosot im Abgaszug zurück. Diese teerartige Substanz entsteht, wenn Holz langsam oder in einem schlecht belüfteten Gerät verbrennt. Sie haftet an den Wänden und kann sich bei sehr hohen Temperaturen entzünden.

Nach dem Sommer kann ein Schornstein, der den ganzen Winter in Betrieb war, mehrere Millimeter brennbarer Ablagerungen aufweisen. Die ersten kräftigen Feuer im Herbst erzeugen eine sehr heisse Gassäule, die gelegentlich einen Schornsteinbrand auslöst. Dann schiessen Flammen durch den Zug, Dachziegel reissen, und im schlimmsten Fall fängt die Dachkonstruktion Feuer.

Eine professionelle Kehrung im Frühherbst entfernt diese Ablagerungen, bevor der Ofen wieder genutzt wird. Dieser einfache Termin senkt die Wahrscheinlichkeit eines der häufigsten Brandszenarien im Haushalt deutlich.

Gesundheit und Luftqualität in der Nachbarschaft schützen

Auch ein verschmutzter Abgaszug funktioniert nicht zuverlässig. Russ verringert den Innendurchmesser und macht die Oberfläche rauer, wodurch der Zug beeinträchtigt wird. Bei schlechtem Zug gelangen Rauch und Feinstaub entweder zurück in den Raum oder treten mit geringerer Höhe und Geschwindigkeit aus dem Schornstein aus. Dann bleiben sie auf Strassenniveau in der Luft.

Diese Feinstaubpartikel, insbesondere PM2.5, dringen tief in die Lunge ein und stehen mit Atemwegs- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Städte mit vielen Haushalten, die Holz verbrennen, kämpfen im Winter bereits mit Smogepisoden. In windstillen, kalten Nächten können niedrige Schornsteine und schlecht gewartete Öfen ein ruhiges Wohnviertel in Rauchdunst hüllen.

Wer seinen Abgaszug einmal im Jahr kehren lässt, verringert Feinstaubemissionen und verbessert die Verbrennung. Das bedeutet mehr Wärme aus jedem Holzscheit und weniger Rauch für alle.

Unerwünschte Gäste und verstopfte Abgaszüge

Vögel, Eichhörnchen und sogar Wespen nutzen Schornsteine gern. Im Frühjahr und Sommer kann ein ungenutzter Abgaszug wie ein idealer Nistplatz wirken. Bis September können Nester oder Waben einen Teil des Luftstroms blockieren. Eine solche Verstopfung erhöht das Risiko, dass Rauch austritt und Kohlenmonoxid in die Wohnräume gelangt.

Bei ihren Einsätzen im Herbst entfernen Fachkräfte oft Zweige, Nistmaterial und sogar verendete Tiere. Ein Termin im September lässt genügend Zeit, solche Überraschungen zu beseitigen, bevor die Heizung zwingend benötigt wird.

Dem saisonalen Andrang zuvorkommen

Auch ein sehr praktischer Grund spricht gegen langes Warten. Ab Oktober sind die Terminkalender der Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger häufig für Wochen im Voraus gefüllt. Wer erst Mitte November anruft, muss möglicherweise in einem kalten Haus warten oder wird dazu verleitet, ohne die Kontrolle Feuer zu machen.

Eine Kehrung Anfang September umgeht diesen Engpass. Zudem stehen mehr Termine zur Auswahl, was besonders wichtig ist, wenn man beim Besuch selbst anwesend sein möchte.

Die versteckten Kosten einer ausgelassenen Kehrung

In Frankreich kann die Missachtung der Kehrvorschriften ein Bussgeld von bis zu €450 nach sich ziehen. Kommunale Satzungen legen mitunter noch strengere Regeln und Kontrollverfahren fest. Dieser Ansatz ähnelt der Situation in einigen Regionen Deutschlands, in denen Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger einen öffentlich-rechtlichen Status haben und gesetzliche Pflichten wahrnehmen.

Das finanzielle Risiko endet nicht bei der Busse. Nach einem Brand verlangen Versicherer fast immer einen Nachweis über die jüngste Wartung. Kann keine gültige Kehrbescheinigung vorgelegt werden, dürfen sie die Entschädigung kürzen oder den Anspruch vollständig ablehnen, weil Fahrlässigkeit zum Schaden beigetragen habe.

Aspekt Mit jährlicher Kehrung Ohne jährliche Kehrung
Brandrisiko Geringer, Ablagerungen wurden entfernt Höher, Kreosot sammelt sich an
Versicherungsschutz Leichter nachzuweisen Nach einem Schaden mögliche Ablehnung
Heizeffizienz Besserer Zug, mehr nutzbare Wärme Schlechter Zug, mehr Brennstoff wird verschwendet
Rechtliches Risiko Vorgaben des Erlasses werden eingehalten Gefahr von Bussgeldern und Streitigkeiten

Scheitholz und Pellets zum richtigen Zeitpunkt kaufen

Die Vorbereitung auf das Heizen mit Holz im Winter endet nicht mit dem Kehren. Auch die Brennstoffstrategie ist für das eigene Budget entscheidend. Die Preise für Scheitholz und Pellets schwanken im Jahresverlauf nach klaren Mustern.

Auf den meisten europäischen Märkten stechen zwei Zeiträume hervor:

  • Frühjahr und Frühsommer: Die Nachfrage sinkt, die Lagerbestände bleiben hoch und die Preise geben nach.
  • Spätherbst und Frühwinter: Mit einsetzender Kälte erreicht die Nachfrage ihren Höhepunkt und treibt die Preise nach oben.

Wer im April, Mai oder Juni kauft, zahlt häufig weniger pro Tonne und kann unter mehr Lieferanten wählen. Anschliessend kann das Holz mehrere trockene Monate geschützt lagern, bevor es verbrannt wird, was seinen Energiegehalt verbessert. Ein Holzscheit mit zu viel Feuchtigkeit verschwendet Wärme beim Verdampfen des Wassers, statt den Raum zu heizen.

Trocken gelagertes Holz mit weniger als 20% Feuchtigkeit kann bis zu doppelt so viel nutzbare Wärme liefern wie frisch geschlagene Holzscheite desselben Volumens.

Wer dagegen bis Ende September oder Oktober wartet, trifft oft auf knappere Bestände und höhere Preise. Viele Haushalte füllen ihre Vorräte erst auf, wenn die ersten kühlen Morgen kommen. Lieferanten kennen dieses Muster. Frühzeitige Besteller zahlen nicht nur weniger, sondern sichern sich meist auch die trockensten Chargen.

So prüfen Sie, ob Ihre Holzscheite wirklich trocken sind

Auch bei einem Kauf zum richtigen Zeitpunkt können ungeeignete Lagerbedingungen gutes Holz verderben. Diese einfachen Prüfungen helfen:

  • Achten Sie auf radiale Risse an den Stirnseiten der Holzscheite.
  • Schlagen Sie zwei Stücke gegeneinander: Trockenes Holz klingt hell und klar.
  • Verwenden Sie ein einfaches Feuchtigkeitsmessgerät; Werte unter 20% sind ideal.

Stapeln Sie Holz geschützt, seitlich offen und nicht direkt auf dem Boden. Lassen Sie zudem einen kleinen Abstand zur Wand. Pellets verlangen noch mehr Sorgfalt: Sie müssen im Gebäude oder unter einer vollständig wasserdichten Abdeckung lagern, denn eine einzige durchnässte Palette kann zu unbrauchbarem Sägemehl werden.

Was andere Hauseigentümer aus Frankreich lernen können

Auch für Menschen im Vereinigten Königreich, in den USA oder anderen Teilen Europas senden die französischen Vorgaben ein eindeutiges Signal. Gesetzgeber behandeln das Heizen mit Holz im Haushalt zunehmend nicht nur als private Form des Komforts, sondern auch als Frage der öffentlichen Sicherheit und Luftqualität. Regelmässiges Kehren und effiziente Geräte werden voraussichtlich zur normalen Erwartung statt zu einer persönlichen Entscheidung.

Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer können dies zum Anlass nehmen, die eigene Anlage zu überprüfen. Ein jährlicher Besuch durch eine zugelassene Schornsteinfegerin oder einen zugelassenen Schornsteinfeger, eine einfache Zugprüfung und ein genauer Blick auf die Brennstoffqualität senken Risiken bereits erheblich. Wer stark auf Holz angewiesen ist, kann mit einer kurzen Berechnung des jährlichen Verbrauchs, des Lagerplatzes und des Kaufzeitpunkts für Brennstoff auch die Ausgaben über das Jahr gleichmässiger verteilen.

Manche Haushalte kombinieren ihren Holzofen mit einem weiteren CO2-armen System, etwa einer Wärmepumpe oder Solarthermieanlagen. Das Holz übernimmt dann die Versorgung an den kältesten Tagen oder dient bei Stromausfällen als Reserve. Diese „Hybrid“-Strategie verteilt Risiken, begrenzt lokale Schadstoffspitzen und erhält den vertrauten Komfort sichtbarer Flammen, ohne dass man an jedem einzelnen Wintertag darauf angewiesen ist.

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