Wenn im Januar die Wohnung neu arrangiert wird, Bilder einen anderen Platz bekommen oder Regale umziehen, taucht schnell ein bekanntes Problem auf: An den bisherigen Stellen bleiben Löcher und alte Dübel zurück. Oft sollen sie mit einem kräftigen Ruck möglichst rasch herausgezogen werden. Das Resultat: Aus einer kleinen Bohrung wird ein großer Ausbruch im Putz. Mit der passenden Vorgehensweise und einigen üblichen Werkzeugen lässt sich das verhindern. So bleibt von der Veränderung an der Wand später kaum etwas zu sehen.
Warum rohe Gewalt die Wand zerstört
Der Ablauf ist vielen vertraut: Mit der Zange wird der hervorstehende Dübelrand gepackt und dann mit voller Kraft gezogen. Das erscheint zunächst naheliegend, ist für den Wandaufbau jedoch die denkbar schlechteste Lösung.
Jeder Dübel ist so gebaut, dass er sich beim Herausziehen wehrt – er soll halten, nicht fallen.
Ganz gleich, ob es sich um einen Hohlraumdübel oder einen herkömmlichen Kunststoffdübel handelt: Beide Varianten sind auf hohe Auszugskräfte ausgelegt. In massivem Mauerwerk verankern sich kleine Widerhaken im Bohrloch. Bei Gipskarton spreizt sich der Hohlraumdübel hinter der Platte wie ein kleiner Schirm auf. Wird er gerade herausgezogen, setzt sich nicht das Werkzeug durch, sondern die Kräfte wirken auf den Putz: Der spröde Untergrund bricht weg, Farbe platzt ab und aus dem ordentlichen Loch entsteht eine mehrere Zentimeter große Schadstelle.
Wer später ohne Stress umgestalten möchte, sollte den Dübel deshalb lösen, statt ihn zusammen mit dem Putz aus der Wand zu reißen.
Dübel sanft entfernen: Methode mit Schraube und Flachzange
Für eine saubere Entfernung sind keine kostspieligen Spezialwerkzeuge erforderlich. Meist befindet sich alles Nötige bereits im Werkzeugkasten.
Welche Werkzeuge tatsächlich gebraucht werden
- eine Schraube, deren Durchmesser zum ursprünglichen Dübel passt oder geringfügig kleiner ist
- eine Flachzange oder Wasserpumpenzange
- ein Schraubendreher für die verwendete Schraube
- ein flexibler Spachtel oder Malerspachtel
- Spachtelmasse beziehungsweise Füllspachtel, gebrauchsfertig im Eimer oder als Pulver
- feines Schleifpapier in der Körnung 120 bis 180
Mit dieser Basisausrüstung lassen sich fast alle Dübellöcher so bearbeiten, dass anschließend nur wenig gespachtelt werden muss.
Zuerst eine „Griffhilfe“ schaffen, anschließend hebeln
Alte Dübel können brüchig sein oder bündig mit der Wand abschließen. Deshalb funktioniert es häufig nicht, sie direkt mit den Fingern oder einer Zange am Kunststoff zu fassen. Sinnvoller ist eine stabile Verlängerung aus Metall.
Drehen Sie die Schraube lediglich wenige Umdrehungen, etwa ein bis zwei Zentimeter tief, in den Dübel. Sie muss Halt finden, darf den Dübel im Mauerwerk aber nicht noch weiter aufspreizen. Dadurch entsteht ein fester Angriffspunkt, den die Zange sicher greifen kann, ohne den Putz zu belasten.
Der wichtigste Handgriff: hebeln statt reißen
Jetzt folgt die entscheidende Bewegung: Greifen Sie den Schraubenkopf mit der Flachzange. Ziehen Sie nicht gerade nach außen, sondern bewegen Sie die Zange vorsichtig hin und her. Kleine Wippbewegungen nach links und rechts oder leicht nach oben und unten lockern den Dübel schrittweise aus dem umgebenden Material.
Die Wand gewinnt, wenn Sie ziehen. Sie gewinnen, wenn Sie behutsam hebeln.
Lässt sich der Dübel nur schwer lösen, kann die Zange als kleiner Hebel eingesetzt werden. Platzieren Sie ein Stück Holz oder Karton zwischen Wand und Zange, damit keine Druckstellen zurückbleiben. Verwenden Sie anschließend die gebogene Form oder den Drehpunkt der Zange, um die Schraube Millimeter für Millimeter herauszuhebeln. Auf diese Weise kommt der Dübel langsam nach außen, ohne dass größere Putzstücke abbrechen.
Zurück bleibt ein vergleichsweise sauberer Zylinder. Er lässt sich erheblich einfacher kaschieren als ein aufgeplatztes Loch mit ausgebrochenen Rändern.
Professionell spachteln: So wird das Loch wirklich unsichtbar
Sobald der Dübel entfernt ist, beginnt der Arbeitsschritt, der das spätere Erscheinungsbild bestimmt: das Ausfüllen und Glätten. Hier entstehen besonders oft unsaubere Stellen, die bei Sonnenlicht oder künstlicher Beleuchtung später deutlich auffallen.
Die geeignete Spachtelmasse auswählen
Kleine Löcher von Standarddübeln bis ungefähr acht oder zehn Millimeter lassen sich am besten mit gebrauchsfertiger Spachtelmasse aus Tube oder Eimer verschließen. Sie lässt sich leicht verteilen, ist weich und trocknet vergleichsweise schnell.
Bei größeren Hohlräumen, beispielsweise nach Schwerlastdübeln, empfiehlt sich ein Pulverprodukt zum Anrühren mit Wasser. Solche Massen härten chemisch stärker aus und schrumpfen beim Trocknen weniger. Dadurch sinkt das Risiko einer später sichtbaren Vertiefung.
Korrekt füllen: besser etwas zu viel als zu wenig
Verteilen Sie die Masse nicht lediglich auf der Oberfläche. Drücken Sie den Spachtel mit seiner Kante gezielt tief in das Loch, damit keine Luftblasen eingeschlossen werden. Luft verursacht Einbrüche, sobald die Masse getrocknet ist. Die gefüllte Stelle darf daher ruhig etwas über die Wandoberfläche hinausragen.
Eine winzige Beule lässt sich leicht wegschleifen – eine Delle muss man erneut spachteln.
Glätten Sie die Masse mit einigen kreuzweisen Bewegungen: zuerst waagerecht, dann senkrecht. So fügt sich die neue Fläche besser in den Verlauf der bestehenden Wand ein. Es ist nicht nötig, beim ersten Auftrag eine vollkommen glatte Oberfläche zu erzielen. Ein kleiner Überstand ist ausdrücklich erwünscht.
Fertigschliff und Farbe: Der Trick für die unsichtbare Reparatur
Nach der Trocknungszeit, die je nach Produkt und Lochgröße zwischen zwei und 24 Stunden beträgt, ist die bearbeitete Stelle meist leicht erhaben und noch etwas rau. Dann folgt der Feinschliff.
Mit feinem Schleifpapier zur perfekten Oberfläche
Arbeiten Sie mit Schleifpapier in feiner Körnung und sanften Kreisbewegungen. Üben Sie nur wenig Druck aus, damit keine neuen Kratzer entstehen. Prüfen Sie die Fläche zwischendurch immer wieder mit der flachen Hand.
Wenn kein Übergang mehr fühlbar ist und die Hand gleichmäßig über die Stelle gleitet, kann die Wand gestrichen werden. Vor allem bei glatten Wänden lohnt es sich, einige Sekunden länger sorgfältig zu arbeiten: Jeder Kratzer wird durch die Beleuchtung später gnadenlos sichtbar.
Die passende Technik für eine unauffällige Farbausbesserung
Wer den ursprünglichen Farbton noch im Keller aufbewahrt hat, hat einen klaren Vorteil. Andernfalls sollte ein möglichst ähnlicher Farbton gewählt werden. Entscheidend ist vor allem die Art des Farbauftrags.
- Farbroller oder Pinsel nur leicht mit Farbe benetzen und nicht vollständig tränken.
- Zunächst die gespachtelte Stelle deckend überstreichen.
- Anschließend die Farbe mit fast trockenem Roller oder Pinsel über den Rand hinaus „ausstreichen“.
Dadurch bildet sich keine harte Kante, sondern ein weicher Übergang. Mit kurzen und leichten Bewegungen entsteht ein Verlauf, bei dem alte und neue Farbschicht optisch ineinander übergehen. Nach dem Trocknen wirkt die Fläche normalerweise geschlossen, ohne dass ein sichtbarer „Flicken“ an der Wand zurückbleibt.
Warum diese Technik mehr Freiheit bei der Einrichtung bringt
Wer weiß, dass sich Dübellöcher sauber entfernen lassen, kann die Wohnraumplanung entspannter angehen. Die Sorge vor „zerlöcherten“ Wänden hält viele Menschen vom Umgestalten ab: Das Regal bleibt aus Bequemlichkeit am ungünstigen Platz, und der Spiegel hängt dort, wo er „halt schon immer hing“. Mit der beschriebenen Vorgehensweise entfällt diese Hemmschwelle.
Insbesondere Mieterinnen und Mieter profitieren davon, da beim Auszug oft eine „besenreine“ und optisch gepflegte Wohnung erwartet wird. Wer Dübel kontrolliert entfernt, sorgfältig spachtelt und den Farbton ordentlich anpasst, ist bei der Wohnungsübergabe deutlich besser aufgestellt und vermeidet im Zweifel Ärger mit der Hausverwaltung.
Typische Fehler, die Sie vermeiden können
- Zahncreme oder Seife als Füllmaterial einsetzen – beides bröselt und kann sich verfärben.
- Den Dübel einfach tiefer in die Wand schlagen – dadurch wird das Loch unsichtbar größer und spätere Reparaturen werden komplizierter.
- Grobes Schleifpapier verwenden – es beschädigt die Umgebung stärker, als es hilft.
- Farbe mit scharf abgegrenzten Kanten um die Stelle herum auftragen – der „Flicken“ fällt sofort auf.
Praktische Ergänzungen für häufige Problemfälle
Was hilft bei bröseligem Putz oder einer bröckelnden Gipskartonplatte?
In Altbauten oder bei Gipskartonplatten minderer Qualität kann das Loch bereits ausfransen, bevor der Dübel entfernt wurde. Dann empfiehlt sich ein Vorgehen in zwei Schritten: Entfernen Sie zunächst lockere Partikel mit dem Finger oder einem Pinsel und befeuchten Sie danach die Ränder leicht. Dadurch haftet die Spachtelmasse deutlich besser und bricht nicht so schnell aus.
Ist das Loch wesentlich größer als erwartet geworden, kann bei Gipskarton ein kleines Stück einer passenden Platte eingesetzt und verspachtelt werden. In gewöhnlichen Wohnsituationen genügt jedoch meist eine etwas stärkere Lage Spachtelmasse.
Wie viele Löcher können auf einer Fläche noch kaschiert werden?
Beim Rückbau einer alten Bilderwand entsteht mitunter eine regelrechte Dübellandschaft. Technisch ist es möglich, auch zehn oder fünfzehn Löcher nacheinander zu füllen, zu schleifen und zu streichen. Optisch kann eine stark bearbeitete Wandfläche jedoch irgendwann fleckig wirken, wenn unterschiedliche Spachtelstellen und abweichende Farbtöne zusammentreffen.
In solchen Fällen ist oft eine andere Lösung sinnvoll: Schließen Sie sämtliche Löcher fachgerecht und streichen Sie die gesamte Fläche nach dem Schleifen mit einer Farbwalze neu, statt nur einzelne Stellen auszubessern. Das sorgt für ein einheitliches Erscheinungsbild, sodass frühere Dübellöcher selbst bei Gegenlicht nicht mehr zu erkennen sind.
Wer sich diese wenigen Schritte aneignet – Schraube einsetzen, vorsichtig hebeln, sauber füllen, fein schleifen und gefühlvoll überstreichen –, muss sich beim nächsten Möbelrücken nicht mehr um den Zustand der Wände sorgen. Ob ein Regal oder Bild versetzt wird, ist dann eine Geschmacksfrage und kein Risiko mehr für den Putz.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen