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Vizinhos em Lisboa fordert von Joana Vasconcelos Aufklärung über Azulejos in „Real Embarcação“

Drei Männer am Flussufer untersuchen ein mit blauen Kacheln verziertes Bootsdenkmal bei Sonnenuntergang.

Die Vereinigung Vizinhos em Lisboa hat die bildende Künstlerin Joana Vasconcelos um Aufklärung über die Herkunft der in ihrem Werk „Real Embarcação“ verwendeten Azulejos gebeten. Sie warnt vor möglichen Verlusten von Kulturerbe und davor, den Markt für gestohlene Fliesen zu fördern.

Vizinhos em Lisboa fordert Transparenz zu „Real Embarcação“

In einer am Mittwoch per E-Mail an die Künstlerin übermittelten Anfrage erklärt die Vereinigung, sie wolle „öffentliche und transparente“ Informationen zur Herkunft der Fliesen erhalten. Diese werden derzeit in der Installation gezeigt, die Teil der Ausstellung „The Absurd and the Dreamlike“ („Das Absurde und das Traumhafte“) in der Citadelle de Villefranche-sur-Mer in Frankreich ist und dort noch bis zum 31. Oktober zu sehen sein wird.

Nach Angaben von Vizinhos em Lisboa, die der Nachrichtenagentur Lusa vorliegen, wurde die Initiative durch ein in sozialen Netzwerken verbreitetes Video ausgelöst. Darin beschreibt Joana Vasconcelos das Werk als eine Arbeit aus „handbemalten Keramikfliesen“, die „eine vertraute portugiesische Ikone“ neu interpretiere.

In dem Schreiben würdigt der Verein „den künstlerischen Wert“ der Laufbahn der Künstlerin sowie „die internationale Bedeutung, die sie der portugiesischen Kunst verleiht“. Dennoch sei es „relevant und dringend“, die Herkunft der für die Installation „Real Embarcação“ eingesetzten Azulejos zu klären.

Die Vereinigung weist darauf hin, dass historische portugiesische Azulejos zum Kulturerbe gehören, das durch das Grundlagengesetz zum Kulturerbe geschützt ist. Zudem verlange die Stadtverwaltung Lissabon seit 2017 eine Genehmigung für die Entfernung und den Transport von Fliesen und Fliesenpaneelen aus Fassaden und Innenräumen, da ihnen ein besonderer denkmalpflegerischer Wert zukomme.

Fragen zur Herkunft der Azulejos und zum Kulturerbe

Unter den aufgeworfenen Fragen erkundigt sich der Verein, ob die verwendeten Fliesen aus historischen Fassaden oder Innenräumen stammen. Falls dies zutreffe, solle geklärt werden, ob ihre Einbindung in „Real Embarcação“ „zur endgültigen Entwurzelung dieser Elemente aus ihrem ursprünglichen Kontext beiträgt und dadurch die Gebäude und Orte, aus denen sie entfernt wurden, kulturell und historisch verarmt“.

Sollten die Materialien über Auktionshäuser, Antiquitätenhändler oder andere Handelswege erworben worden sein, fragt Vizinhos em Lisboa außerdem, ob eine solche Nachfrage „einen zusätzlichen Anreiz für den Markt mit gestohlenen oder illegal aus Gebäuden in Lissabon entfernten Fliesen“ schaffen könnte. Damit bestehe das Risiko, „die Spirale aus Diebstahl und Vandalismus“ weiter anzutreiben.

Zugleich warnt die Vereinigung davor, dass die Installation als „Präzedenzfall oder symbolische Rechtfertigung“ für künftige Entfernungen von Fliesenkulturerbe zu künstlerischen oder kommerziellen Zwecken dienen könne.

In ihrem an die Künstlerin gerichteten Ersuchen fordert sie zudem „detaillierte“ Angaben zur Herkunft sämtlicher verwendeter Azulejos. Dazu gehören Herkunftsnachweise, die Erwerbsdaten und, sofern erforderlich, Belege für die gesetzlichen Genehmigungen zu ihrer Entfernung.

Atelier von Joana Vasconcelos verweist auf private Spende

Auf eine E-Mail-Anfrage von Lusa teilte das Atelier der Künstlerin mit, dass „Real Embarcação“ „verbliebene Teile von Fliesenpaneelen aus einem Privathaus“ umfasse. Diese „waren mehrere Jahre lang eingelagert, bevor sie vom Eigentümer dem Atelier gespendet wurden“. Das Atelier versichert, die Fliesen seien „mit größtem Respekt für ihren historischen, kulturellen und denkmalpflegerischen Wert“ eingesetzt worden, um ihnen „einen neuen künstlerischen Kontext“ zu geben.

Joana Vasconcelos erklärt ferner, „der Schutz des portugiesischen Kulturerbes ist eine kollektive Pflicht und eine gemeinsame Verantwortung“. Der Einsatz von Azulejos in ihrer Arbeit solle „dieses Element als herausragenden Ausdruck der materiellen portugiesischen Kultur anerkennen und wertschätzen“. Dieser Ansatz sei ihrer Auffassung nach mit dem Schutz des Kulturerbes vereinbar, „wenn er verantwortungsvoll entwickelt wird, den rechtlichen Rahmen achtet und die verwendeten Materialien wertschätzt“.

Die Künstlerin fügt hinzu, ihr Atelier „richtet sein Handeln nach der Achtung des rechtlichen Rahmens und der Verwendung von Materialien aus, die in Übereinstimmung mit der geltenden Gesetzgebung beschafft wurden“. Sie dankt der Vereinigung für „das bekundete Interesse“ und vertritt die Auffassung, dass der Schutz des Kulturerbes von „einer informierten und mitwirkenden Gesellschaft“ sowie von einem Engagement abhänge, das auf „Dialog, Sorgfalt und Verantwortung“ beruhe.

In seiner Mitteilung erklärt der Verein außerdem, die veröffentlichten Bilder zeigten Menschen, die während des Aufbaus der Arbeit „direkt auf die Fliesen treten“. Er fragt, ob diese Praxis „die physische Unversehrtheit keramischer Stücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert irreversibel beeinträchtigt“, deren Fragilität nach Ansicht der Vereinigung von Fachleuten für Konservierung weithin anerkannt werde.

Am Ende des Dokuments betont Vizinhos em Lisboa: „Die Transparenz in diesen Fragen mindert nicht den künstlerischen Wert des Werks, sondern stärkt vielmehr die Verantwortung, die jeder Schöpfer übernimmt, wenn er mit Materialien von kollektivem denkmalpflegerischem Wert arbeitet.“

Vizinhos em Lisboa ist nach Angaben auf seiner „Website“ ein Anwohnerverein, der die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Lissabon vertritt und verteidigt. Seine Tätigkeitsfelder umfassen Stadtplanung, bauliches Kulturerbe, Mobilität, Umwelt und Lebensqualität.

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