Mit einem einfachen Handgriff lässt sich die Oberfläche wieder glätten.
Beim Umgestalten der Wohnung zeigt sich schnell das Problem: An den Stellen, an denen zuvor ein Board, Spiegel oder Wandregal befestigt war, bleiben unschöne Dübellöcher zurück. Häufig wird dann reflexartig zur Zange gegriffen – mit dem Ergebnis, dass auch der Putz abplatzt. Mit etwas Fingerspitzengefühl, einer einfachen Schraube und wenig Spachtelmasse gelingt die Reparatur jedoch so sauber, dass später nicht mehr zu sehen ist, wo einst gebohrt wurde.
Warum rohe Gewalt den Putz ruiniert
Der typische Fehler: Die nächstbeste Zange wird angesetzt, der sichtbare Dübelrand gepackt und kräftig gezogen. Im günstigsten Fall kommt der Dübel nur halb zerfetzt heraus. Im schlimmsten Fall brechen Putzstücke rund um das Loch heraus, Farbe platzt ab und aus einer kleinen Bohrung wird ein handtellergroßer Schaden.
Ein Dübel ist konstruiert, um im Material zu bleiben – wer stumpf daran zieht, kämpft gegen die Wand selbst.
Ganz gleich, ob es sich um einen Metall-Hohlraumdübel oder einen einfachen Kunststoffdübel im Mauerwerk handelt: Sie sind dafür ausgelegt, Haltekräfte aufzunehmen und nicht einfach herauszurutschen. Sie spreizen sich im Untergrund, halten mit Krallen oder Ankern und verzahnen sich fest mit dem Material.
Wird der Dübel ruckartig nach außen gezogen, belastet die Kraft nicht nur den Kunststoff, sondern auch den spröden Gips oder Putz darum herum. Besonders Gipskarton und alter Putz geben schnell nach. Dadurch entsteht ein trichterförmiger und deutlich größerer Schaden, dessen Behebung wesentlich mehr Aufwand verursacht als ein langsamer, sauberer Ausbau.
Diese Grundausstattung reicht für eine „chirurgische“ Reparatur
Für eine fachgerechte Wandreparatur ist keine halbe Werkstatt nötig. In der Regel genügen die Werkzeuge, die ohnehin im Werkzeugkasten vorhanden sind.
- eine Schraube mit passendem oder leicht kleinerem Durchmesser
- eine Flachzange oder Wasserpumpenzange
- ein Schraubendreher für die verwendete Schraube
- ein flexibler Spachtel oder Malermesser
- fugenfüllende Spachtelmasse oder Wandspachtel
- feines Schleifpapier mit Körnung 120–180
Ein kleines Stück Pappe oder Holz kann zusätzlich hilfreich sein, um die Wand beim Hebeln mit der Zange zu schützen.
Die Schrauben-Methode: Dübel lösen, ohne den Putz einzureißen
Mit einer Schraube eine stabile „Griffstelle“ schaffen
Alte Dübel bereiten vor allem deshalb Schwierigkeiten, weil sie häufig bündig mit der Wand abgeschnitten oder bereits brüchig sind. Sie lassen sich dann kaum noch fassen. Genau hier hilft dieser einfache, aber wirkungsvolle Trick.
Eine passende Schraube wird in den Dübel gedreht, allerdings nur wenige Umdrehungen weit. Je nach Wand reichen meist ein bis zwei Zentimeter Einschraubtiefe aus. Die Schraube muss sicher sitzen, darf den Dübel jedoch nicht weiter nach hinten aufspreizen.
Die Schraube verwandelt den Dübel in einen soliden Metallgriff – statt an brüchigem Plastik hängt die Kraft an einem stabilen Punkt.
Danach wird nicht mehr am empfindlichen Dübel selbst gearbeitet, sondern an der Schraube. Damit sinkt die Gefahr, dass der Kunststoff abreißt und anschließend doch an der Wand gezerrt werden muss.
Mit Gefühl hebeln statt brachial ziehen
Nun wird die Schraube mit einer Flachzange gefasst. Entscheidend ist, nicht einfach gerade nach vorn zu ziehen. Sinnvoller ist es, leichten Zug mit behutsamem Kippeln zu verbinden.
Sanfte Bewegungen nach links und rechts oder nach oben und unten lockern den Dübel allmählich aus seiner Verankerung. Dabei sollte nur mäßig nach außen gezogen werden. Liegt ein kleines Holzstück oder ein Stück Pappe bereit, wird es unter die Zange gelegt: Das schont die Wand und schafft zugleich einen Hebelpunkt.
Durch diesen Hebeleffekt kommt der Dübel Stück für Stück aus dem Bohrloch, statt mit einem Ruck herausgerissen zu werden. Zurück bleibt ein relativ sauberes, zylindrisches Loch, das nur geringfügig größer als der ursprüngliche Durchmesser ist.
Sauber verspachteln: So wird das Loch unsichtbar
Die passende Spachtelmasse wählen
Zahnpasta, Seife und ähnliche Haushaltstricks gelten zwar noch immer als Lösung, sind aber keine dauerhafte Reparatur. Solche Notbehelfe reißen schnell, vergilben oder schrumpfen stark. Ein stabiles Ergebnis liefert nur echte Spachtelmasse.
- Kleine Dübellöcher (bis ca. 8–10 mm): Fertigspachtel aus Tube oder Eimer genügt vollkommen.
- Große Hohlräume (z. B. von Schwerlastdübeln): Mit Wasser frisch angerührter Pulverspachtel härtet besonders fest aus und schrumpft weniger.
Wer die Einrichtung in der Wohnung häufiger verändert, sollte stets ein kleines Gebinde Universal-Wandspachtel vorrätig haben. Das erspart im Zweifel den Weg zum Baumarkt am Sonntagabend.
Richtig füllen und mit leichter „Beule“ arbeiten
Beim Verfüllen sollte nicht zu sparsam gearbeitet werden. Mit der Spachtelspitze wird die Masse kräftig in das Loch gedrückt, bis jede Ecke vollständig gefüllt ist. Eingeschlossene Luft kann später zu Vertiefungen führen, die bei schrägem Licht deutlich auffallen.
Der Spachtel darf ruhig etwas überstehen – eine kleine Wölbung ist einfacher zu schleifen als eine unschöne Vertiefung zu korrigieren.
Anschließend wird die Fläche mit mehreren Spachtelzügen geglättet, einmal quer und einmal längs. Dabei nicht zu kräftig abziehen, da sonst wieder Material aus dem Loch gezogen wird. Angestrebt wird eine ebene Oberfläche mit einem hauchdünnen Überstand von etwa einem Millimeter.
Abhängig vom Produkt und von der Lochgröße benötigt die Masse zwischen zwei Stunden und einem Tag zum Trocknen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wartet besser etwas länger: Feuchte Spachtelmasse verschmiert beim Schleifen und sorgt nicht für eine saubere Kante.
Feinschliff und Farbe: Der letzte Rest der „Tatspur“ verschwindet
Mit feinem Schleifpapier die alte Struktur nachbilden
Sobald die Spachtelmasse vollständig ausgehärtet ist, kommt das Schleifpapier zum Einsatz. Mit feiner Körnung wird der Überstand in sanften Kreisbewegungen vorsichtig abgetragen. Druck sollte dabei vermieden werden, sonst entsteht eine Mulde.
Der Handrücken liefert den besten Test: Ist beim Darüberstreichen kein Übergang mehr spürbar, ist die Fläche ausreichend glatt. Auf sehr glatten Gipswänden sollte sie sich „seidig“ anfühlen; bei leicht strukturierten Anstrichen genügt es, wenn der Übergang nicht mehr fühlbar ist.
Farbige Tarnung: clevere Technik gegen sichtbare „Flicken“
Ohne einen neuen Anstrich bleibt ein heller, matter Fleck sichtbar. Erst Farbe macht die Reparatur wirklich unauffällig. Wer noch einen Rest des ursprünglichen Farbtons besitzt, hat einen klaren Vorteil. Andernfalls lohnt sich ein möglichst passender Farbton aus dem Baumarkt.
Die neue Farbe nicht als scharf abgegrenztes Quadrat auftragen, sondern weich in die alte Fläche auslaufen lassen.
Mit Pinsel oder Minirolle wird nur wenig Farbe aufgenommen. Zuerst erhält die gespachtelte Stelle Deckung, danach wird die Farbe dünn nach außen gezogen und die Ränder werden mit einer beinahe trockenen Rolle verwischt. Auf diese Weise entsteht ein weicher Übergang statt eines klar sichtbaren Flickens.
Wenn mehrere Löcher oder bröselige Wände zum Problem werden
Gleich mehrere alte Dübel in Reihe? So geht man vor
Hinter alten Schränken oder Highboards wirken viele Wohnzimmerwände wie ein Schweizer Käse. Statt jedes Loch einzeln und ohne System zu bearbeiten, ist ein strukturiertes Vorgehen sinnvoll:
- Alle Dübel nacheinander mit der Schrauben-Methode entfernen.
- Größere Ausbrüche markieren und bei Bedarf leicht vornässen, damit die Spachtelmasse besser haftet.
- Eine längere Bahn Spachtelmasse über mehrere eng nebeneinanderliegende Löcher ziehen.
- Nach dem Trocknen die komplette Fläche schleifen, nicht nur einzelne Punkte.
So entsteht ein gleichmäßiger Wandbereich anstelle zahlreicher einzelner, leicht erkennbarer Reparaturstellen.
Bröselige Altbauwände: Zusatztricks für schwierige Untergründe
In Altbauwohnungen befindet sich unter der Tapete häufig mürber Putz, der bereits beim Berühren staubt. Dort haftet Spachtelmasse deutlich schlechter. In diesem Fall sollte der Bereich rund um das Loch zunächst vorsichtig abgebürstet und der Staub gründlich entfernt werden.
Danach kann Tiefgrund oder stark verdünnter Haftgrund den Untergrund verfestigen. Erst im Anschluss wird gespachtelt. Dadurch verringert sich das Risiko, dass die ausgebesserte Stelle später erneut Risse bekommt oder ausbricht.
Mehr Mut zur Deko: Wer reparieren kann, bohrt entspannter
Wer Dübellöcher sicher entfernen und füllen kann, gestaltet die Einrichtung wesentlich freier. Bilderleisten, TV-Halterungen oder Hängeschränke in der Küche wirken weniger endgültig, wenn bekannt ist, dass sich ihre Spuren später nahezu unsichtbar beseitigen lassen.
Gerade in Mietwohnungen ist das ein echter Vorteil. Sauber ausgeführte Reparaturen helfen, Ärger bei der Wohnungsübergabe zu vermeiden. Außerdem fällt es leichter, kahle Wände individuell zu gestalten, statt aus Sorge vor Bohrlöchern alles an einem einzigen Haken aufzuhängen.
Ob kleiner Nagel oder kräftiger Dübel: Entscheidend sind Geduld, geeignetes Werkzeug und einige Handgriffe, die sich schnell einprägen. So sieht selbst eine Wand mit vielen alten Befestigungspunkten wieder frisch verputzt aus – ganz ohne teure Fachleute.
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