Zum Inhalt springen

Das energieeffizienteste Haus Frankreichs in der Drôme hält ohne Heizung 23 °C

Junges Paar sitzt auf dem Sofa in modernem Wohnzimmer mit großem Fenster und verschneitem Garten draußen.

In der Drôme sorgt eine bahnbrechende Innovation für Aufsehen: Ein pensionierter Ingenieur hat dort das energieeffizienteste Haus Frankreichs gebaut. Obwohl es über keinerlei Heizung verfügt, hält es selbst dann konstant 23 °C, wenn das Außenthermometer auf unter -6 °C fällt.

Im beschaulichen Ort Pont-de-Barret in der Drôme steht ein Wohnhaus, das sich deutlich von gewöhnlichen Gebäuden unterscheidet. Von außen wirkt es allerdings kaum anders als ein klassisches Berghaus. Dennoch könnte dieses Haus unsere Art zu wohnen grundlegend verändern. Sein Erfinder ist der 77-jährige Olivier Sidler, ein ehemaliger Ingenieur mit Schwerpunkt Energiemanagement. Ihm gelang eine außergewöhnliche Leistung: ein Haus zu entwickeln, das vollständig ohne Heizung auskommt und dennoch eine angenehme Temperatur bewahrt.

Das Haus von Olivier Sidler und seine außergewöhnliche Dämmung

Das entscheidende Element dieser Bauweise ist die besonders leistungsfähige Dämmung. Die mehr als 50 Zentimeter starken Wände bestehen aus einer innovativen Mischung aus Reisstroh und Biofib, das Baumwolle, Leinen und Hanf vereint. Damit ist die Dämmschicht mehr als doppelt so dick wie bei einem herkömmlichen Haus. Unter dem Fußboden liegt eine Betonplatte auf 25 Zentimetern Polystyrol und bildet so eine äußerst wirksame Wärmesperre.

Doch allein die Dämmung erklärt die Leistung des Gebäudes nicht. Das Haus nutzt Sonnenenergie gezielt über sorgfältig berechnete und ausgerichtete Dreifachverglasungen. „Wir haben die Größe der Fenster auf den Zentimeter genau berechnet“, erläutert Olivier Sidler. „Jede Fensterfront ist so platziert, dass sie im Winter möglichst viel Sonnenwärme aufnimmt und im Sommer eine Überhitzung verhindert.“

Auch die Bewohner selbst und ihre Haushaltsgeräte liefern natürliche Wärme. Ein Mensch gibt im Winter etwa 80 Watt ab – Energie, die in diesem Haus nicht verloren geht. Eine besonders leise kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung nimmt diese Wärme auf und verteilt sie im gesamten Gebäude.

Intelligente Technik für energetische Unabhängigkeit

Auch im Obergeschoss setzt sich das innovative Konzept fort: Die Schlafzimmer verfügen über eine ausgeklügelte Temperaturregulierung. Unter dem Lärchenholzboden befinden sich Lehmziegel, die als natürliche Wärmespeicher dienen. Bei hohen Temperaturen nehmen sie überschüssige Wärme auf und geben sie wieder ab, wenn es kühler wird. Dadurch bleibt die Temperatur das ganze Jahr über zwischen 19 und 27 Grad stabil.

Auch die Warmwasserbereitung wurde durchdacht geplant. Zwei kompakte, sorgfältig gedämmte elektrische Warmwasserbereiter befinden sich direkt in der Nähe der jeweiligen Entnahmestellen. Sie laufen ausschließlich zwischen 10 Uhr und 16 Uhr, wenn die Solarmodule ihren höchsten Ertrag liefern. Ergänzend gewinnt ein System Wärme aus dem Abwasser zurück und senkt den Warmwasserbedarf dadurch um 40 %.

100 m² Wohnfläche mit doppelter Stromproduktion

Das Ergebnis: Dieses 100 m² große Haus verbraucht nahezu keine Energie. Dank seiner 45 m² Solarmodule erzeugt es sogar doppelt so viel Strom, wie es selbst benötigt. Der Überschuss wird ins Netz eingespeist und bringt rund 2300 Euro Einnahmen pro Jahr.

Diese technische Leistung ist nicht nur wohlhabenden Bauherren vorbehalten. Mit Baukosten von 1900 Euro/m² ohne Steuern liegt das Gebäude auf einem Niveau, das mit Sozialwohnungen vergleichbar ist. Das soziale Wohnungsbauunternehmen der Ardèche nahm dieses Haus daher zum Vorbild und startete ein Programm für HLM-Wohnungen ohne Heizung.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen