Zum Inhalt springen

Figure-Roboter bei BMW: Nach elf Monaten in den Ruhestand

Roboter hält Autoteil in moderner Autofabrik, im Hintergrund arbeiten Menschen und Roboterarme am Auto.

Elf Monate nach ihrem Einsatz in einem BMW-Werk gehen die Figure-Roboter des gleichnamigen Start-ups in den Ruhestand. Während das Unternehmen die Vorzüge seiner Humanoiden hervorhebt, zeichnet die Realität offenbar ein anderes Bild.

Als Figure AI im Januar 2024 den Einsatz seiner Roboter im BMW-Werk in Spartanburg ankündigte, war das Ziel eindeutig: Es sollte gezeigt werden, dass Humanoide endlich eine tatsächliche Aufgabe an einer Montagelinie übernehmen können.

Die Ankündigung sorgte für viel Aufmerksamkeit, denn Figure zählt zu den am genauesten beobachteten Start-ups der Branche. Unterstützt von NVIDIA, OpenAI und Jeff Bezos steht das Unternehmen stellvertretend für eine neue Generation von Akteuren, die überzeugt sind, dass Humanoide unter anderem den anhaltenden Arbeitskräftemangel in der Industrie abfedern können.

Figure-Roboter bei BMW: Zahlen zum Einsatz

Ein Jahr später erklärt das Unternehmen, es habe dieses Ziel erreicht – nun sei es Zeit, dass seine zweibeinigen Roboter den wohlverdienten Ruhestand antreten. Die eingesetzten Figure-02-Modelle sollen an der Produktion von 30.000 BMW X3 beteiligt gewesen sein, mehr als 90.000 Blechteile gehandhabt, fast 320 Kilometer im Werk zurückgelegt und 1.250 Arbeitsstunden absolviert haben.

Ihre wichtigste Aufgabe bestand darin, Metallteile aus Behältern zu entnehmen und sie mit einer Präzision von 5 Millimetern auf Schweißvorrichtungen abzulegen. Die Genauigkeitsrate habe dabei laut dem Unternehmen „über 99 %“ betragen.

Um Kritiker zu überzeugen, veröffentlichte Figure sogar Videos, in denen seine Roboter mit Kratzern und Schmutzspuren zu sehen sind. „Das ist die Realität vor Ort“, erklärte Unternehmenschef Brett Adcock und betonte, diese Spuren belegten, dass die Maschinen „monatelang in einer realen Industrieumgebung gearbeitet“ hätten.

Tatsächlicher Einsatz oder lediglich begrenzter Test?

An Kritikern mangelt es nicht. Eine im vergangenen April von den Kolleginnen und Kollegen von 01.net veröffentlichte ausführliche Untersuchung kam zu dem Schluss, dass der viel zitierte „Einsatz“ eher einem begrenzten Test als einer industriellen Revolution ähnelte. Ihren Informationen zufolge arbeitete im Werk tatsächlich nur ein einzelner Roboter – und zwar ausschließlich außerhalb der Arbeitszeiten der menschlichen Beschäftigten. Seine Aufgabe? Im Karosseriebau das Greifen und Ablegen von Teilen zu üben, weit entfernt von den zuvor von Figure hervorgehobenen „End-to-End-Operationen“.

Figure 03 soll die Schwächen des Vorgängers beheben

Nun verspricht das Unternehmen, sämtliche Erkenntnisse in sein neues Modell Figure 03 übernommen zu haben. Dieses verfügt über eine überarbeitete Bordelektronik, die Ausfälle im Unterarmbereich reduzieren soll – einer wesentlichen Schwachstelle des Vorgängermodells.

Ob Humanoide tatsächlich bereit für die Arbeit in Fabriken sind, lässt sich schwer beurteilen, denn physische Anforderungen wie Gleichgewicht, Gewicht und Geschicklichkeit bleiben enorm. Der Markt hingegen gerät zunehmend in Bewegung: Während der Haushaltsroboter von 1X Technologies bereits vorbestellt werden kann, verspricht eine Vielzahl von Start-ups eine Zukunft, in der diese Maschinen in unserem Alltag allgegenwärtig sind.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen