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MAHLE ermöglicht bis zu 1,350 km Reichweite für Elektroautos

Elektroauto in modernem Showroom mit transparentem Seitenteil, das den Batterie- und Motorbereich zeigt.

Ein neuer Ansatz soll diesen Stress beseitigen.

Statt das Problem mit immer grösseren Batterien zu lösen, setzt ein Zulieferer aus Stuttgart auf eine intelligentere Wärmeregelung und einen kompakten Generator, um die Reichweite deutlich zu erhöhen. Hinter dem Konzept steht MAHLE. Nach Angaben des Unternehmens kann das serienreife System einem gewöhnlichen Batterieelektroauto – abhängig vom Fahrzeug – bis zu 1,350 km Reichweite zwischen zwei Stopps ermöglichen.

Die Marke und das grosse Versprechen

MAHLE ist kein Automobilhersteller. Das Unternehmen fertigt Komponenten, die meist unsichtbar bleiben, auf die man aber stets angewiesen ist: Thermomodule, Hochvoltbauteile und Motorteile. Auf der IAA Mobility in München stellte MAHLE die Verbindung eines kleinen, hocheffizienten Generators mit einem integrierten Thermomodul auf Wärmepumpenbasis vor. Beide Bausteine sollen jene Faktoren angehen, die die reale Reichweite begrenzen: den Energiebedarf für die Beheizung von Innenraum und Batterie sowie die Batteriekapazität, die für lange Strecken erforderlich wäre.

Bis zu 1,350 km mit einer einzigen Ladung, wenn ein kompakter Mehrstoffgenerator und eine hocheffiziente Wärmepumpe zusammenarbeiten, so MAHLE.

Der Gedanke dahinter ist einfach: Die Batterie kann kleiner und angemessener dimensioniert werden, während ein leichter Generator an Bord Spitzen beim Energiebedarf abdeckt und das Hochvoltsystem versorgt. Das Thermomodul senkt den Verbrauch zusätzlich, indem es die Wärme vorausschauend steuert, statt nur auf Probleme zu reagieren.

Ein Reichweitenverlängerer von MAHLE für die Serienproduktion

Laut MAHLE handelt es sich nicht um einen reinen Messeprototypen. Der Generator enthält einen kleinen Verbrennungsmotor, dessen einzige Aufgabe die Stromerzeugung ist. Er kann mit mehreren Kraftstoffen betrieben werden, darunter Ethanol, was eine weitere Möglichkeit zur Senkung der CO2-Emissionen über den Lebenszyklus eröffnet. Gleichzeitig gewinnt das Thermomodul mithilfe einer Wärmepumpe Energie im Fahrzeug zurück und verteilt sie gezielt, statt sie ungenutzt abzuführen.

Das Thermomodul soll den grössten Nachteil im Winter verringern: die Beheizung des Innenraums und die Temperierung der Batterie. MAHLE verspricht bei niedrigen Temperaturen bis zu 20% mehr Reichweite.

Gerade bei kaltem Wetter verlieren viele moderne Elektroautos deutlich an Reichweite. Elektrische Widerstandsheizungen beanspruchen die Batterie stark, während eine kalte Batterie langsamer lädt und weniger Leistung bereitstellt. Eine zentrale Wärmeregelung kann hier helfen. Das Modul steuert die Kühlkreisläufe für Batterie, Leistungselektronik und Innenraum in einem einzigen Bauteil, wodurch sich der Leitungsaufwand und Energieverluste verringern.

Was sich für Fahrerinnen und Fahrer ändert

  • Auf langen Fahrten sinkt die Abhängigkeit von ultraschnellen Ladestopps.
  • Kleinere Batterien bedeuten ein geringeres Fahrzeuggewicht und möglicherweise ein besseres Fahrverhalten.
  • Bei Bedarf lässt sich der Generator innerhalb weniger Minuten an üblichen Zapfsäulen betanken.
  • Dank der aktiven Wärmestrategie bleibt die Reichweite auf Winterfahrten gleichmässiger.
  • Die Lebensdauer der Batterie könnte steigen, wenn ihre Temperatur im optimalen Bereich bleibt.

Weshalb 1,350 km überhaupt möglich sein können

Der Wert hängt vom jeweiligen Fahrzeug und seiner Batterie ab. Er ist als Obergrenze des Systems zu verstehen, nicht als allgemeingültige Zusage. Mit einer für den Alltag ausgelegten, moderaten Batterie fährt das Auto die meiste Zeit rein elektrisch. Auf längeren Strecken schaltet sich der Generator zu, um den Ladezustand zu halten oder zusätzliche Energie bereitzustellen; das Prinzip ähnelt einem seriellen Hybrid. Da der Motor ausschliesslich einen Generator antreibt und dabei in einem engen, effizienten Betriebsbereich arbeitet, könnte der Kraftstoffverbrauch beim gleichmässigen Fahren niedriger ausfallen als bei herkömmlichen Hybriden.

Kosten, Gewicht und Einbau

Batteriezellen sind weiterhin der teuerste Bestandteil eines Elektroautos. Wird die Batterie kleiner ausgelegt und durch einen kompakten Generator ergänzt, lassen sich die Kosten ausbalancieren. Beim Gewicht ergibt sich ein ähnliches Bild: Eine kleinere Batterie senkt die Masse, während der kleine Motor-Generator einen Teil davon wieder hinzufügt – in der Regel jedoch nicht im gleichen Umfang. Auch der Bauraum bleibt überschaubar, weil das Thermomodul mehrere Funktionen in einer Einheit bündelt.

Architektur Strategie für Langstrecken Wintereffizienz Geschätzte Fahrzeugmasse CO2-Pfad
Elektroauto mit grosser Batterie Häufiges Schnellladen Stärkerer Nachteil durch die Heizung Höher wegen der grossen Batterie Keine Emissionen am Auspuff, abhängig vom Stromnetz
Elektroauto mit MAHLE-Reichweitenverlängerer Laden + kurze Betankung nach Bedarf Wärmepumpe reduziert Verluste Kleinere Batterie wird durch kleinen Generator teilweise ausgeglichen Niedriger mit Ethanol-Option und intelligenter Motorsteuerung

Die Ethanol-Option und die Regulierung

MAHLE entwickelt zudem Komponenten für Motoren, die mit 100% Ethanol betrieben werden. Das ist in Märkten mit reichlich verfügbaren Biokraftstoffen sowie bei künftigen Regeln relevant, die CO2-Emissionen über die gesamte Energiekette berücksichtigen. Die europäische Politik konzentriert sich derzeit auf CO2-Emissionen am Auspuff; zugleich wird weiter darüber diskutiert, wie CO2-arme Kraftstoffe angerechnet werden sollen. Die Position von MAHLE ist eindeutig: Verschiedene Technologien sollten anhand ihrer tatsächlichen Klimawirkung und Bezahlbarkeit miteinander konkurrieren.

Die Mehrstofffähigkeit macht den Generator zu einem Hebel für die Regulierung: Elektrizität lässt sich mit CO2-armen flüssigen Kraftstoffen verbinden, um Emissionen ohne überdimensionierte Batterien zu senken.

Was dieses Konzept nicht ist

Dabei handelt es sich nicht um einen Plug-in-Hybrid, bei dem ein grosser Motor die Räder antreibt. Die Aufgabe des Motors besteht ausschliesslich darin, Strom zu erzeugen. Das vereinfacht die Steuerung und erlaubt den Betrieb des Motors in seinem effizientesten Bereich. Zugleich bleibt das Fahrerlebnis näher an einem reinen Elektroauto: gleichmässiges Drehmoment, leises Dahingleiten und kaum Gangwechsel – weil es keine gibt.

Offene Fragen, die weiterhin entscheidend sind

Geräusche und Vibrationen müssen sorgfältig abgestimmt werden. Selbst ein kleiner Motor kann stören, wenn er sich in ungünstigen Momenten einschaltet. Auch die Wartungsintervalle verändern sich: Halterinnen und Halter benötigen sowohl Hochvoltservice als auch regelmässige Prüfungen des Generators. Die Kraftstoffspeicherung erhöht zudem die Anforderungen an Crashstrukturen und Zulassung. Flottenbetreiber werden belastbare Zahlen zu den Gesamtbetriebskosten über drei bis sieben Jahre verlangen.

Hinzu kommt die Entwicklung des Ladenetzes. Wenn ultraschnelle Ladepunkte rasch ausgebaut werden und zuverlässig funktionieren, wird das Argument für einen Reichweitenverlängerer in manchen Regionen schwächer. In anderen Gebieten – mit grossen Distanzen, starken Temperaturschwankungen und lückenhafter Infrastruktur – gewinnt es dagegen an Gewicht.

Wer zuerst profitieren könnte

Kompakte SUVs und Crossover erscheinen als besonders geeignete Kandidaten. Sie transportieren Familien, ziehen gelegentlich Anhänger und werden oft im Winter genutzt. Lieferflotten könnten von leichteren Batterien und einer konstanten Wärmeregelung profitieren, was Standzeiten reduzieren kann. Auch Menschen in ländlichen Regionen und Märkte mit unzureichendem Schnellladen dürften Vorteile haben, insbesondere wenn Ethanol oder andere CO2-arme Kraftstoffe breit verfügbar sind.

Worauf als Nächstes zu achten ist

  • Welcher Automobilhersteller den ersten Serienvertrag abschliesst und für welches Segment.
  • Zertifizierte Verbrauchs- und Reichweitendaten nach WLTP- und EPA-Zyklus.
  • Ergebnisse von Kältetests bei Temperaturen unter null.
  • Geräuschpegel des Generators bei Autobahngeschwindigkeit.
  • Alterungsraten der Batterie bei präziserer Wärmeregelung.

Zusätzlicher Kontext für interessierte Leserinnen und Leser

Reichweitenverlängerer sind keine Neuheit. Der BMW i3 REx nutzte einen kleinen Zweizylinder zur Stabilisierung des Ladezustands, während Mazda beim MX-30 R-EV einen Wankelmotor als kompakten Generator wieder einsetzte. Der Ansatz von MAHLE setzt dagegen stärker auf eine tiefere thermische Integration und die Mehrstofffähigkeit, um Emissionen zu verringern. Diese Integration ist wichtig, denn die meisten Verluste im Winter entstehen durch das Wärmemanagement und nicht durch den Antrieb.

Eine einfache Berechnung für zu Hause genügt: Schätzen Sie Ihre wöchentlich elektrisch gefahrenen Kilometer und die jährlich auf Langstrecken zurückgelegten Kilometer. Wenn 85–95% Ihrer Fahrten kurze Wege sind, deckt eine kleinere Batterie den Alltag effizient ab. Der Generator übernimmt dann die wenigen grossen Reisen, ohne dass ein einstündiger Ladestopp nötig wird. Kraftstoff wird nur auf diesen Fahrten verbraucht, während das Auto den Rest der Zeit elektrisch fährt.

Es gibt auch Risiken. Änderungen bei den Vorschriften könnten beeinflussen, wie Behörden solche Fahrzeuge einordnen. Manche Käuferinnen und Käufer bevorzugen möglicherweise die mechanische Einfachheit eines reinen Batterieautos. Die Restwerte werden davon abhängen, wie Flotten und Zweitbesitzer den Wartungsbedarf des Generators bewerten. Andererseits könnten die möglichen Vorteile – leichtere Fahrzeuge, stabilere Winterreichweiten und niedrigere Herstellungskosten – den Weg zu erschwinglicheren Elektroautos ohne Reichweitenangst auf der Autobahn ebnen.

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